„Altparteien“ – Anmerkungen zur Rhetorik der AfD


Die demokratischen Parteien seien „Altparteien“ behauptet Björn Höcke, jener seltsame Oberstudienrat aus Westfalen, der nun in Thüringen und anderen Orten den AfD-Einpeitscher gibt.
Das Wort „Altparteien“ ist ein alter, abgenutzter Kampfbegriff der politischen Rhetorik. Schon Joseph Goebbels hat das Wort gern benutzt, um seine „Bewegung“ als jung, modern, aufgeschlossen darstellen zu können. Dafür brauchte er eine dunkle und vor allem „alte“ Projektionsfläche. „Altparteien“ eben.
Dass alle demokratischen Parteien zu Tausenden junge und engagierte Leute an sich binden, übersieht man geflissentlich.
Denn: im Kern geht es um einen Angriff.
Und zwar um einen Angriff auf die Demokratie.
„Wenn wir kommen, wird aufgeräumt“ tönt es aus Erfurt von der AfD.
„Wenn wir dran sind, räumen wir auf“ tönte einst die NSDAP. Was sie ja dann auch getan hat. Mit den Juden, mit den Sinti und Roma, mit den Homosexuellen, mit den Kommunisten und Sozialdemokraten, mit den Polen und den Russen. Sie haben richtig hingelangt.
Allerdings haben sie vergessen, hinterher aufzuräumen.

Was sich jetzt bemerkbar macht.
Denn da sind sie wieder, diese alten, abgedroschenen und hohlen Behauptungen der völkischen Bewegung, die schon um das Jahr 1900 herum durchs Land geisterten.
Das „eigene Volk“ sei „in Gefahr“ und müsse „geschützt“ werden.
Weshalb alle, die mittlerweile in der internationalen, arbeitsteilig organisierten Welt, in der ein Neben- und Miteinander der verschiedensten Herkünfte, Religionen und Weltanschauungen völlig selbstverständlich geworden ist, leben, als „Vaterlandsverräter“ dargestellt werden.
Man geht sogar so weit, die Bundeskanzlerin in einer ausgeheckten Kampagne 400 mal des „Hochverrats“ zu beschuldigen. Auch das ist nicht neu.

Im Kern geht es bei der alten wie der neuen völkischen Bewegung um Rassismus, der im Gewande des Nationalismus daher kommt.
Die Vorstellung wird suggeriert, eine Nation könne und müsse in der modernen globalisierten und arbeitsteiligen Welt vor allem und zunächst „für sich sorgen“. Und zwar deshalb, weil „das eigene Volk“ eben das „bessere Volk“ sei.
Diese Argumentationsfigur begegnet schon um 1900.
Diese Behauptung der völkischen Bewegung wurde von der NSDAP aufgegriffen, adaptiert und später organisiert, wobei es die NSDAP nicht unterließ, die Vertreter der völkischen Bewegung als „Schwärmer“ zu titulieren, als man sie nicht mehr als Steigbügelhalter brauchte.

Weshalb man auf die Worte achten muss, die da jetzt wieder zu hören sind.
Die völkische Bewegung war ein wesentlicher Quell für die menschenverachtende Diktatur des Nationalsozialismus.
Und wenn jetzt wieder Oberstudienräte aus Westfalen und andere mit einer solchen abgedroschenen Rhetorik daher kommen und so tun, als seien sie die „Erfinder“ der „Bedrohung des Abendlandes“ (von einem Geschichtslehrer hätte ich allerdings etwas mehr Kenntnis erwartet) – dann muss man ihnen sagen:
Eure sogenannten „Argumente“ sind die Wegbereiter der antidemokratischen faschistischen Diktatur in Deutschland gewesen.

Ein zweites Mal lassen euch die Deutschen unter dem Deckmäntelchen der „Meinungsfreiheit“ nicht gewähren.
Dafür sind die Wunden noch zu frisch.

(p.s. Wer mehr zur völkischen Bewegung lernen will, kann hier mit seinem Studium beginnen).

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