Begonien im Frost.(2)


Dr. Rupert Neudeck am Eingang vom Moranbong Hotel Pjönjang.
Sonntag, 15. Februar 2004

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Programm:
7.30 Uhr Frühstück, ab Hotel 8.40 Uhr
Kususan Memorial Place (Mausoleum); Dr. Neudeck: Bong So Church Teilnahme an einem koreanischen Gottesdienst
Besichtigung Buddhistenkloster und Aussichtspunkt
12.00Uhr Lunch im Hotel
14.00 Uhr Besuch eines privaten freien Marktes im Neubauviertel (bitte keine Fotos und keine Interviews)
16.00 Uhr Meeting mit dem Präsidenten von APIETE, Herrn Kim Hung Rim.
18.00 Uhr Dinner hosted by APIETE.
Frau Botschafterin Doris Hertrampf hatte mit sehr viel Einsatz und in mühsamer Absprache mit den staatlichen Stellen ein gutes Programm zusammenstellen können. Da aber der Geburtstag des „Großen Führers“ am 16. Februar unmittelbar bevorstand, waren die ersten beiden Tage für Pflichttermine (Mausoleum) und für touristische Angebote gesetzt. Durch das kleine Aufzeichnungsgerät von SONY, das ich bei meinen Reisen immer als „elektronisches Notizbuch“ mitführe, konnten aber dennoch interessante Einzelheiten notiert und festgehalten werden. Ergänzt wurden diese Aufnahmen selbstverständlich durch ein schriftliches Tagebuch, das ich hier in Auszügen zur Verfügung stelle:
„Heute soll ich das Mausoleum des Großen Führers besuchen. Frau Hertrampf hat mich vorgewarnt, es könne sein, daß ich mich ins Gästebuch eintragen solle. „Na, da werde ich mal einen schönen Psalmvers hineinschreiben“ sag und sie lacht. Vielleicht schreib ich ja auch: „Hier liegt ein toter Mann und die Erde dreht sich weiter…..“
Unsere Handys sind wir am Flughafen losgeworden – gegen Quittung. Wir werden später noch mehr lernen über das Thema „Telefonieren in Nordkorea“. Im Hotel gab es gestern Abend eine erste Programmbesprechung. Mr. Kim Ki Su, der Vizepräsident der „Gesellschaft zur Förderung des Internationalen Wirtschaftlichen und Technischen Austauschs“ (APIETE) versteht kein Englisch – er tut jedenfalls so -, und ob der Herr daneben irgendwas versteht, ist völlig offen. Er lächelt jedenfalls freundlich.
Als wir abends vergeblich im Hotel nach einem Abendbrot gesucht hatten, hatte mich Rupert auf sein Zimmer eingeladen mit den Worten „ich hab noch eine Stulle von zu Hause, die können wir teilen.“ Und dann saßen wir bei ihm im Zimmer und teilten uns das Käsebrot, das ihm die Christel gemacht hatte.
Finanziell werden wir an dieser Reise auch beteiligt, haben wir erfahren. die Nacht im Hotel kostet 65 Euro, plus 40 Euro pro Tag für einen Nissan. Gestern wurden wir mit einem alten blauten Daimler geholt, dafür wollen die Koreaner 60 Euro. Dann verhandeln sie noch, ob wir nicht doch lieber ein größeres Auto wollen – wir einigen uns schließlich auf einen Kleinbus für 45 Euro pro Tag. Chronischer Devisenmangel…..
Der Tag heute gehört also der Stadt Pjönjang, denn am Vorabend des Geburtstags des „Großen Führers“ ist an politische Gespräche nicht zu denken, aber das wussten wir bereits“.
Pjönjang. Am Triumpfbogen mit Dolmetscher Pak:
IMG_20190719_121244Die Stadt bereitet sich auf den Geburtstag vor:
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Kims Mausoleum ist riesig. Der Personenkult findet hier seinen Höhepunkt:Vor dem riesigen Mausoleum des Diktators

Im Mausoleum
„Das Auto wird abgestellt. Den Mantel soll ich im Auto lassen. Wir stellen uns auf und werden registriert. Dann gibt einer ein Kommando, wir sollen uns, ich als ausländischer Gast in der Mitte, in die erste Reihe stellen. Dann gehen wir los. Man fährt über vier viele hundert Meter lange Strecken mit einer Art Rolltreppe, ebenerdig, ähnlich den Transportbändern am Frankfurter Flughafen. Links und rechts stehen Wächterinnen, im langen Kleid, schweigend. Kein Tageslicht. Leise gedämpfte Musik. Dann fährt die rollende Treppe um die Ecke, es geht hinab, dann wieder hinauf, auch oben stehen Wächter und bedeuten uns, anzuhalten. Wir stehen. Nun ein Handwink. Wir dürfen die Große Halle betreten: an der Wand uns gegenüber das große Denkmal des Führers in Gold, die Wand hinter ihm unten knallrot und nach oben hin ins blau verdämmernd und die getragene Musik dazu. Es klingt so ähnlich wie „Unsterbliche Opfer“.
Wir stehen an einem weißen Strich vor dem goldenen Denkmal. Dann wieder ein Handwink, wir gehen nach rechts weiter, immer neben den normalen Gästen, die in nicht enden wollenden Schlangen stehen – viele tausende. Privilegierter Ausländer besucht toten Diktator.
Vor einer Luftschleuse warten. Lange Minuten. Dann wieder der Wink mit der Hand, winzig nur, aber sehr bestimmt. Ein Zischen, die Luftschleuse öffnet, wir treten einzeln hindurch und werden wie mit einem riesigen Fön von der Seite angeblasen. Kein Stäubchen soll den Raum erreichen, den wir nun betreten.
Die riesige Halle mit dem gläsernen Sarg in der Mitte.
Ich war innerlich auf den toten Stalin eingestellt. Man kennt diese Bilder vom Fernsehen. Aber nun beschleicht mich der alte protestantische Gedanke: der da liegt, ist ein wächserner dicker und sehr toter alter Mann.
Mir fallen Psalmverse ein: „Des Menschen Leben ist wie Gras und wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht, so ist sie nicht mehr da.“ Der da liegt, ist nicht mehr da. Der da ist ein toter Götze, der wie Schneewittchen im Glaskasten liegt.
Man steht an in der Schlange und man geht ein paar Schritte, bis man genau in der Mitte vor der Fußseite des Sarges steht. Einige verneigen sich. Einige tief, andere kaum merklich. Dann geht’s an die linke Seite des Sarges, die Prozedur wird wiederholt, dann die Kopfseite, an der rechten Seite hat die Konzentration schon merklich nac hgelassen und man wird in den nächsten Raum geführt: die „Halle der Tränen“. Aber ich will genau sein: ich sehe auch den einen oder anderen sichtlich gerührt tehen. Ich sehe auch Tränen in den Augen der Menschen.
Dann also die „Halle der Tränen“. Man drückt mir ein kleines Gerät in die Hand, das ich an mein Ohr drücken soll und in dem in schepperndem Deutsch in andachtsvollem Ton auf die Trauer hingewiesen wird, die das Volk befallen hat, als der Große Führer gestorben war.
Mir fällt eine junge Frau auf, eine „Führerin“ offensichtlich, die vor einer Gruppe von Soldaten versucht, diese alte Trauer des Volks darzustellen und nachzuempfinden. Das wirkt, wenn man es schauspielerisch betratet, echt. Aber es ist dennoch alles sehr routiniert, was hier abläuft und erinnert mich an Fernsehbilder von dem, was man von den Pharaonen weiß. Hier liegt ein alter toter Pharao. Ein Gott-König.
Ich kann mir vorstellen, dass im alten Ägypten unter solchen Umständen Ähnliches vonstatten gegangen ist. Ich erlebe nun also einmal selbst, was es mit dem Personenkult auf sich hat. Nicht nur aus dem Fernsehen mit Bildern vom toten Stalin, sondern in Pyongyang im Mausoleum des „Großen Führers“. Vieles, was ich hier sehe, erinnert mich an Fenrshbilder meiner Kindheit vom toten Stalin aus den Fünfziger Jahren.
Aber auch den hier hat der Tod gefällt. Die „Sonne des 21. Jahrhunderts“ liegt da nun also in einer Glaskiste.
Man zeigt mir nun den „Saal der Orden“. In einem riesigen Raum sind all die riesigen Orden in Vitrinen aufgereiht, die man dem „Großen Führer“ in seinem Leben mal an den dicken Bauch geheftet hat.
Dann bitett man mich – Frau Botschafterin hatte mich vorgewarnt – um einen Eintrag ins Gästebuch. Ich war vorbereitet: Ich habe ein Zitat ins Buch geschrieben, Psalm 8, Vers 1:
„Herr unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen“. Wohl wissend, dass das Alte Testament einen sehr anderen meint als diesen dicken toten Mann da im Glaskasten…
Nach dem dicken Toten kommen wir wieder an die frische Luft. Es ist Vorfrühling. Wir fahren ein paar Meter, stellen uns auf zum Erinnerungsfoto gemeinsam mit dem Parteisekretär, der uns die ganze Woche über begleiten wird.
Rupert Neudeck erzählt uns seine Erinnerung an seine Begehung des Mausoleums später so:

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Unterwegs Fuer-unsere-Enkel.org. Station Wien. Januar 2019


Begonnen hatte die Angelegenheit mit einer Anfrage des früheren Präsidenten des Diakonischen Werkes Österreich, Michael Chalupka per facebook. Ob ich mir vorstellen könnte, anlässlich des Neujahrsempfangs der Diakonie Österreich Anfang 2019 nach Wien zu kommen, um zum Thema „Klimawandel und unsere Verantwortung“ zu sprechen. Ich konnte mir das sehr gut vorstellen und sagte zu.
Daraus entstand nach und nach ein sehr umfängliches Begegnungs-Programm, aus dem einige Akzente besonders erwähnt werden sollen:
Beim sehr gut besuchten Neujahrs-Empfang war Gelegenheit, in einem etwa halbstündigen Podiums-Gespräch, moderiert von der Radio-Journalistin Renata Schmidtkunz vom Österreichischen Rundfunk das internationale Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org vorzustellen und auch darauf hinzuweisen, dass wir bereits mit einem account in Wien vertreten sind.

Gesprächsrunden in Schulen (10. und 12. Klasse) waren möglich und ein ausführlicher Austausch über die Frage, inwiefern das Thema Klimawandel den Lebensalltag österreichischer Jugendlicher bereits jetzt bestimmt und was sie angesichts der „Horrorbilder aus aller Welt“, wie sich ein Jugendlicher ausdrückte, angemessen getan werden kann, ohne sich selbst zu überfordern. Was noch deutlicher wurde: die jungen Leute fühlen sich angesichts ihrer alltäglichen schulischen Herausforderungen vom Thema climate change überlastet. Sie fühlen sich ohnmächtig. Sie können nicht erkennen, an welcher Stelle sie sich engagieren können, ohne sich zu viel zuzumuten. Genau das war ja der Grund, weshalb wir das Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org gegründet haben: es geht um Entlastung der Jüngeren.

Eine abendliche Gesprächsrunde, organisiert von der Wiener Zeitung und von der Diakonie Österreich war eine weitere Gelegenheit, das Netzwerk auszubauen. Vor allem bei den kleineren Gesprächsrunden nach dem „offiziellen“ Teil der überaus gut besuchten Veranstaltung, die vom Chefredakteur der Wiener Zeitung, Dr. Hämmerle (re) moderiert wurde.

Wir sehen mittlerweile an den Anfragen nach Möglichkeiten der Mitarbeit, die unser Netzwerk erreichen, dass der Besuch in Wien überaus hilfreich war zum weiteren Ausbau des Netzwerkes. Die Diakonie Österreich ist mit ihren zahlreichen Einrichtungen schon seit etlichen Jahren dabei, sehr konkreten Klimaschutz zu realisieren. Aber: man will mehr tun. Deshalb stand das Thema in diesem Jahr im Zentrum des Neujahrsempfangs und der zugehörigen Termine. Unser Dank geht an Michael Chalupka und all die vielen Helferinnen und Helfer, die diese Woche ermöglicht haben.
Im Februar wird Gelegenheit sein, das Netzwerk in Baden-Baden zu erweitern. So kommen wir voran. Schritt für Schritt, Besuch für Besuch, Interview um Interview. Den vielen Menschen, die mittlerweile in Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Frankreich, Dänemark und anderen europäischen Ländern daran mittun, sei herzlich Danke gesagt.
Jane Goodall, die vielfach ausgezeichnete britische Forscherin und Umweltschützerin, hat das notwendige Engagement auf eine einfache Formel gebracht: „Alles was du tust, macht einen Unterschied. Du musst jedoch entscheiden, welche Art von Unterschied du willst.“
Greta Thunberg, die junge Klima-Aktivistin aus Schweden, hat verstanden, wovon die Rede ist. Sie und viele andere aus der jüngeren Generation brauchen Unterstützung. Deshalb gibt es Fuer-unsere-Enkel.org. Jeder, der daran mittun möchte, dass das Netzwerk weiter wächst und seine Wirkung entfalten kann, ist herzlich eingeladen.

Vor der Weltklimakonferenz in Bonn. Die nächsten Schritte.


6. – 17. November. Die Welt schaut nach Bonn. Die entscheidende Frage dieser Konferenz wird sein: genügen die konkreten Vorhaben der Länder der Welt, um die in Paris vereinbarten Ziele zu erreichen?
Was sich bereits jetzt abzeichnet: sie genügen nicht.
Die Staaten der Welt tun viel zu wenig, um das in Paris verabredete Ziel zu erreichen.

Deshalb muss der öffentliche Druck zunehmen. Tag für Tag, Woche um Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.
Auf allen politischen Ebenen.
Jede Kommune kann etwas tun für deutlich mehr Klimaschutz. Das fängt an bei den Rückstellungen (wo sind die investiert? Kann man sie in Erneuerbare Energien investieren?) und geht über die notwendigen Investitionen (Solarenergie auf Schuldächer, Wärmedämmung, energetische Sanierung und so weiter und so weiter). Die Stadtwerke und kommunalen Wohnungsgenossenschaften können da sehr viel tun.

Die Bundesländer müssen deutlich mehr tun.  Auch hier geht es um die Themen Abzug von Rückstellungen (inbesondere Pensionsfonds) aus Fossilen Energieträgern (#Divest) und Investition in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien (besonders im Wärmemarkt und im Verkehrsbereich).

Der Bund ist gefordert. Die kommende Legislaturperiode wird entscheidend sein. Klimawissenschaftler weisen darauf hin, dass in den kommenden vier Jahren die Entscheidungen für einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, insbesondere aus der Kohle, fallen müssen.

Was kann ein Netzwerk wie Fuer-unsere-Enkel.org beitragen?
Wir können unsere Strukturen systematisch weiter ausbauen.
14 Landes-Seiten arbeiten bereits. Dazu je eine Seite in Österreich und eine in der Schweiz.
Wenn wir im kommenden Jahr in jeder Landeshauptstadt eine Gruppe konkret in die Arbeit bekommen, die vor Ort das Netzwerk systematisch auf- und ausbaut, sind wir einen großen Schritt weiter.

Darauf können wir uns konzentrieren.
Die Landes-Seiten unseres Netzwerkes findet man hier. Von dort aus ist es ein Leichtes, entsprechende kommunale Gruppen aufzubauen. Jeder, der daran mittun möchte, ist herzlich eingeladen.

Was ich tun kann.Für-unsere-Enkel.org


mit ursula und horst schanzenbach 3. 9. 2017

Gestern waren wir mit Freunden unterwegs. Gelegenheit, über „Für-unsere-Enkel.org“ zu sprechen. Ursula und Horst kannten das Netzwerk ja schon aus dem Internet, finden die Sache auch gut, möchten sie auch unterstützen, aber sie hatten Fragen.
„Was genau kann ich tun?“ wollte Ursula wissen. Sie hatte die Facebook-Gruppen des Netzwerks natürlich schon gesehen, hatte sich auch die Homepage des Netzwerks angeschaut, aber ihr war noch nicht ganz deutlich, was sie selber beitragen könnte.
Ein paar Möglichkeiten haben wir besprochen beim Glas Wein:
am Anfang:

  1. ich informiere mich zum Thema Klimawandel auf der Homepage des Netzwerks (da sind ja auch links zu wichtigen weiteren Informationsquellen angelegt)
  2. ich gebe diese Informationen per e-mail oder über meinen facebook-, google+- oder twitter-account an meine Freunde weiter
  3. ich verknüpfe mich mit der facebook-Seite „Für-unsere-Enkel – Klimaschutz geht alle an“ und mit der entsprechenden Länder-Seite des Netzwerks und spreche mit meinen Freunden über das Netzwerk „Für-unsere-Enkel.org“

im zweiten Schritt:
4. ich schreibe zum Beispiel einen Leserbrief (z.B. an die Redaktion des in meinem Stadtbezirk kostenlos verteilten Anzeigenblattes oder an meine Tageszeitung) zum Thema: „Klimaschutz in meinem Stadtbezirk“
5. Diesen Leserbrief teile ich über meinen social-media-account (z.B. facebook) auch auf der Landes-Seite des Netzwerks, damit andere davon erfahren können
6. immer, wenn ich im Zusammenhang mit dem Netzwerk „Für-unsere-Enkel.org“ etwas unternehme (z.B. mit meinen Freunden spreche; z.B., wenn wir gemeinsam ein kleines Vorhaben planen), informiere ich darüber via facebook, google+, twitter oder in einem kleinen blog die anderen im Netzwerk.

Das Ziel besteht darin, das Thema „Klimawandel und seine Folgen für die Kinder und Enkel“ zu einem wirklichen Thema zu machen.
In Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen kommt dazu viel zu wenig. Wir wollen und können mit unseren social-media-Aktivitäten (liken, teilen, bloggen) helfen, dass das Thema wirklich „zum Thema“ wird.

in einem dritten Schritt
7. kann man direkt politisch handeln (z.B. seinen Stadtrat auffordern, die Pensionsrückstellungen der Kommune zu de-investieren, also aus fossilen Energien abzuziehen und in Erneuerbare Energien zu investieren.)
8. ich spreche mit meiner Hausbank über meine Ersparnisse und über die Frage, wo die Bank dieses Geld anlegt. Sollte in Fossile Energien (Kohle, Gas, Öl) investiert sein, ziehe ich mein Geld dort ab und investiere in Erneuerbare Energien.
Auch über solche Aktivitäten informiere ich das Netzwerk, damit andere von meinen Erfahrungen profitieren können.

Es war ein interessanter und schöner Abend.
Ursula und Horst haben gesehen, wo sie sich einbringen können.
Schön, dass sie im Netzwerk mitmachen.

Die Sprache des Terrors: Volksfeind


Wer seine politischen Gegner vernichten will, bezeichnet sie als „Volksfeinde“.
In der Sprache kündigt sich an, was Tat werden soll.
Die Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts ist voller Belege für diese Beobachtung.
Insbesondere während der Zeit des Stalinismus und des Nationalsozialismus war das Wort „Volksfeind“ ein ideologischer Kampfbegiff.
Deshalb ist es keine Lappalie, wenn Donald Trump in einer weltweit zu sehenden Pressekonferenz die versammelten Journalisten, allen voran namentlich genannte führende Medien als „Feinde des Volkes“ bezeichnet.
In der Sprache kündigt sich an, was beabsichtigt ist.
Trump glaubt, nur er wisse, was „das Volk“ will. Er behauptet, seine Sicht der Welt sei die Sicht „des Volkes“, denn schließlich sei er gewählt.
Und jeder, der seine Ansichten nicht teilt, ist nicht nur sein Gegner, sondern Gegner „des Volkes“.
Wir wissen aus der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, was mit den „Volksfeinden“ geschah.
Man hat ihnen Schauprozesse veranstaltet.
Man hat sie gefoltert.
Man hat sie hingerichtet.
Nicht nur einzeln, sondern in Massen.

Es ist nicht banal, was da vor sich geht.
Der amerikanische Präsident benutzt die Sprache des Terrors.
Und wer solche Sprache benutzt, denkt auch in ihren Vorstellungen.
Und ist bereit, umzusetzen, was er sagt.

Wer andere Menschen als „Feinde des Volkes“, als „Volksfeinde“ bezeichnet, denkt in Kategorien des Terrors.

Vicor Klemperer hat immer wieder darauf hingewiesen, wie bedeutsam und wichtig die Sprache als Seismograf für kommende Veränderungen ist. Man kann an ihr ablesen, was kommt. Seine Beobachtungen waren präzise und sie haben sich bestätigt.

Im Weißen Haus hat nicht nur ein Mann gesprochen, den mittlerweile nicht wenige für „verrückt“ halten.
Da hat jemand gesprochen, der in den Kategorien des Terrors denkt.
Seine Sprache verrät ihn.

Weshalb ich den Marsch nach Aleppo unterstütze


Man kann etwas tun. Mit den eigenen Händen, mit dem eigenen Handy, mit dem eigenen Laptop, mit der eigenen Geldbörse, mit den eigenen Füßen.
Man kann Hoffnung weitergeben.
Und die jungen Leute unterstützen, die von Berlin nach Aleppo gehen, um auf das Flüchtlingselend mitten in Europa aufmerksam zu machen.
Der Marsch für Aleppo ist eine sehr gute Sache, die alle Unterstützung verdient.
Weshalb?
Weil man sich daran beteiligen kann. Zum Beispiel via facebook.
Zum Beispiel via twitter.
Man kann mitgehen. Einer der Teilnehmer hat sogar seinen Job gekündigt und wird fünf Monate bis nach Aleppo laufen. Andere gehen einen Tag mit oder zwei. Wieder andere geben Geld. Es geht sehr einfach, die Homepage der Kampagne ist dafür gut eingerichtet.
Wieder andere schreiben über den Marsch, geben Informationen weiter, die nicht in den Tageszeitungen stehen, verbreiten die gute Nachricht, dass sich da etwas bewegt quer durch Europa, geben auf diese Weise Unterstützung.
Nein, wir müssen uns nicht tatenlos damit abfinden, dass die Regierenden auf Abschottung setzen.
Nein, wir müssen uns nicht tatenlos damit abfinden, dass Ressentiments geschürt werden.
Nein, wir müssen uns nicht tatenlos mit dem Gegebenen abfinden, sondern wir können Hoffnung weitersagen. Wir können diejenigen unterstützen, die mit ihrem „Marsch nach Aleppo“ öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen, sich mit anderen verbünden, Überzeugungsarbeit leisten und sich selbst ganz und gar in ein Projekt einbringen, das Hoffnung stiften kann.
Als Gandhi sich zum Großen Salzmarsch auf den Weg machte, wurde er belächelt.
Am Ende mussten die Briten Indien verlassen.
Dieser Marsch nach Aleppo wird den Krieg in Syrien nicht beenden. Er wird auch die völlig falsche Flüchtlingspolitik der Europäischen Union nicht beseitigen.
Aber er wird Menschen verändern.
Und das ist die Hoffnung.

Wahlen werden auf dem flachen Lande verloren. Oder gewonnen. Etwas über endogene Regionalentwicklung


Donald Trump hat die entscheidenden Wahlmännerstimmen in den „Overfly Countrys“ gewonnen, jenen Regionen Amerikas, die nicht städtisch geprägt sind. Clinton hatte vor allem auf die Städte gesetzt, in der Hoffnung, deren Stimmen würden reichen.
Die AfD und andere holen sich ihre Stimmen ebenfalls aus solchen Regionen, die sich „abgehängt“ vorkommen. Die AfD benutzt reale Probleme, um Wählerstimmen für ihre wirren Ziele zu bekommen.
Diese „Wahlerfolge“ sind ein ernster Hinweis: es gibt Regionen, die sich „vergessen“ vorkommen, weil sich staatliche Förderpolitik (die mehr ist als Wirtschaftsförderung) in den zurückliegenden Jahren zu sehr auf die Städte und Metropolregionen konzentrierte hatte. Diese Konzentration hatte ihre Berechtigung, weil Züge nun mal „Lokomotiven“ benötigen, aber nun ist erkennbar, dass eine Vernachlässigung des „flachen Landes“ einen hohen politischen Preis hat.
Deshalb muss Politik reagieren.
In strukturschwachen Regionen wie Pommern konnte man beobachten, dass Politiker selbst in schwierigstem Umfeld dann gewählt werden, wenn die Menschen von ihnen den Eindruck hatten, dass sie sich glaubwürdig dieser Probleme annehmen (examplarisch dafür: Direktmandat für Patrick Dahlemann). Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Zusagen eingehalten werden und gegenseitige Achtung den Dialog bestimmen. Regionen wie Pommern vermissen Wertschätzung. Die Menschen reagieren ärgerlich und wählen zornig. Man kann das verstehen.
Allerdings darf man Abgeordnete wie Patrick Dahlemann nicht alleine lassen. Land und auch Bund müssen sich nun mal wirklich um die Fläche kümmern.
Die zurückliegenden 25 Jahre haben gezeigt, daß eine Konzentration auf die „Wachstumskerne“ nicht genügt. Man sieht es an den Wahlergebnissen.
Die zurückliegenden 25 Jahre haben auch gezeigt, daß man mit der üblichen Teilung der Zuständigkeiten zwischen der verschiedenen politischen Ebenen (Kommune, Kreis, Land, Bund, Europa) nicht wirklich voran kommt.
Man sieht es an den Wahlergebnissen.

Deshalb sind neue Ansätze erforderlich, um die man sich dann auch wirklich kümmern muss.
Ich lebe bewusst in einer solchen strukturschwachen, vom demografischen Wandel besonders hart getroffenen Region. Und ich will deshalb, auch auf dem Hintergrund meiner zurückliegenden Zeit als Abgeordneter und für den „Aufbau Ost“ zuständiger Mitarbeiter eines Bundesministeriums folgenden Vorschlag machen:
Wenn man sich anschaut, was in anderen europäischen Ländern unternommen wird, um in strukturschwachen Regionen voran zu kommen, dann kann man sehen, dass die „soft skills“ oft wichtiger sind als die „hardware“.  (Besonders gute Beispiele gibt es in den Niederlanden und auch in Skandinavien).
Kommunikation ist in vielen Fällen wichtiger als Infrastruktur. (von befahrbaren Landstraßen und guter Internet-Verbindung einmal abgesehen).
Es wäre deshalb sinnvoll, ein bundesfinanziertes „Moderatorenprogramm“ aufzulegen.
100 gut ausgebildete Moderatoren aufs Land. Programmlaufzeit: zunächst fünf Jahre. Nach einem Monitoring Entscheidung über Fortsetzung.

Diese externen, bundesfinanzierten Moderatoren haben die Aufgabe, die endogenen Potenziale der jeweiligen Region, mit den verschiedenen notwendigen politischen Ebenen (Kommune, Kreis, Land, Bund) und geeigneten Hochschulen (möglichst aus der Region) so miteinander in einen Entwicklungsprozess zu bringen, dass man zu neuen Ergebnissen kommen kann. Grundvoraussetzung ist Wertschätzung.
Es geht vor allem darum, Kreativität freizusetzen.
Kreativität ist zunächst wichtiger als das übliche „Geld für Infrastruktur“.
Das klingt zunächst sehr abstrakt, ist es aber in Wahrheit gar nicht. Denn die Probleme, vor denen eine Region wie Pommern steht, sind konkret.
Da geht es um die Verknüpfung von Unternehmen und Hochschulen; da geht es um Nahverkehr; da geht es um Betreuung im Alter; da geht es um Schulen (die Chancen des Internets für Schulen auf dem Lande sind bei weitem noch nicht erschöpft!)
Das Stichwort heißt: endogene Regionalentwicklung. Oder, einfacher gesagt: Bindet die Menschen vor Ort mit denen zusammen, die in der Kommune, im Kreis, im Land und im Bund Verantwortung tragen. Und nehmt die Hochschulen hinzu.
Endogene Regionalentwicklung bedeutet vor allem anderen: Kommunikation.

Man kann auch weitermachen wie bisher.
Man kann bei der üblichen Aufgabenteilung zwischen Kommune, Kreis, Land, Bund und Europa bleiben. Dann schiebt man sich weiter die Probleme gegenseitig in die Schuhe und es ändert sich nichts.
Aber dann soll man sich nicht über Wahlergebnisse wundern.