Für unsere Enkel. Wie geht es 2018 weiter mit dem Netzwerk?

Für unsere Enkel. Wie geht es 2018 weiter mit dem Netzwerk?

Das Jahresende 2017 ist von gegensätzlichen Trends bestimmt:
Einerseits hatten wir in Deutschland den höchsten Anteil Erneuerbarer Energien im Strommix,
andererseits erreicht Deutschland sein Klimaziel 2020 nicht, wenn es in diesem langsamen Tempo weitermacht.

Einerseits wuchsen die Schäden durch klimabedingte Naturkatastrophen weltweit rasant (die Schweizer Rückversicherung spricht von einer Verdoppelung gegenüber 2016)
andererseits erreichte die weltweite #Divest-Bewegung starke neue Unterstützung. Im Dezember 2017 teilte die Weltbank mit, man werde ab 2019 nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren und New York teilte mit, es werde 200 Milliarden seiner Pensions-Rückstellungen aus den Fossilen Energien abziehen. Ein gewaltiger Schritt.

Einerseits steigen die Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz weltweit (insbesondere in China. Dort will man Weltmarktführer werden)
Andererseits genügen die Klimaschutzmaßnahmen weltweit bei weitem nicht. Bei dem bisherigen Tempo haben wir in 70 Jahren plus 4 oder mehr Grad Durchschnittstemperatur – das wäre katastrophal.

Einerseits ist unser Netzwerk Für-unsere-Enkel.org sehr gut gestartet (erst im Herbst 2017 ging es los). Unsere Arbeit auf facebook ist gut in Gang gekommen. Auch die facebook-Gruppen sind aktiv.
Andererseits sind noch die allermeisten Kommunen in Deutschland ohne #Divestment. Sie investieren also immer noch in eine Beschleunigung des Klimawandels, statt ihn zu bekämpfen.

Unsere Pläne für 2018 sollen angesichts dieses Befundes realistisch und erreichbar bleiben.
Ich wäre sehr zufrieden, wenn wir am Ende des Jahres 2018
1. in jedem Bundesland eine wirklich gut arbeitende Gruppe für unser Netzwerk hätten.
2. in jeder Landeshauptstadt mindestens eine kleine Redaktionsgruppe für unser Netzwerk arbeiten würde.
3. Möglichst in jedem Landkreis mindestens ein Redakteur für unser Netzwerk tätig wäre.
Das Ziel ist klar:
Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Bundesländer, die Kommunen, die Landkreise, die Kirchen, die Gewerkschaften, die großen und kleinen Verbände und Stiftungen Schritt für Schritt (es dürfen ruhig schnelle und große Schritte sein) ihr Geld aus den Fossilen Energien abziehen.

Die jungen Leute alleine werden diese große Aufgabe nicht schaffen.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Ein Anfang ist gemacht. Daran lässt sich anknüpfen im Jahre 2018.
Jede und jeder, der sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.

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In der Ruhe liegt die Kraft.

In der Ruhe liegt die Kraft.

Das Jahr neigt sich zum Ende, aber unser Netzwerk wächst weiter.
Klick für Klick. Posting für Posting. Kontakt für Kontakt.
Eine große Klimakonferenz liegt hinter uns, weitere Konferenzen liegen vor den Staaten der Welt.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für unser Thema schwankt und ist sehr verschieden: während großer Konferenzen ist sie relativ hoch, kurz danach schon wieder verschwindend gering. Aber das irritiert uns nicht.
Denn: Entscheidend ist nicht, was in der Zeitung steht, sondern, ob die Emissionen sinken oder steigen. Im Moment steigen sie wieder.
Wir wollen deshalb weiterhin unseren Beitrag leisten, dass sie sinken.
Wie? Indem wir Einfluss nehmen auf die veröffentlichte Meinung. Und so auf die Öffentliche Meinung. Und so auf Parlamente und Regierungen. Egal, ob auf europäischer, nationaler, Länder- oder kommunaler Ebene. Wir tun das mit den Möglichkeiten des Internets, vor allem mit social media.
Noch längst haben Deutschland, Österreich und die Schweiz die für ein 2-Grad-Szenario notwendigen Reduktionsziele nicht erreicht.
Noch längst haben nicht alle Bundesländer und Regionen in unseren drei Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland de-investiert (also die Pensionsrücklagen für ihre Beamten und Angestellten aus fossilen Energie-Investments abgezogen). Noch längst nicht sind alle Landeshauptstädte de-investiert.
Noch längst nicht haben wir in jeder Großstadt einen oder eine Netzwerkerin, die die Sache vor Ort vorantreiben.
Es liegt also sehr viel Arbeit vor uns.
Aber: Wir machen diese Arbeit nicht für uns. Sondern wir machen sie für die Kommenden.
Deshalb können und werden wir unsere Arbeit ruhig, besonnen und konzentriert fortsetzen. Deswegen wollen wir beharrlich, kontinuierlich, und vor allem: systematisch am weiteren Ausbau des Netzwerks arbeiten.
Bundesland für Bundesland, Kanton für Kanton, Region für Region, Stadt für Stadt.
Wir kommen voran. Aber wir können durchaus noch besser werden. Vor allem können wir noch systematischer werden. Gezielter. Genauer. Dazu wird in den kommenden Wochen und Monaten Gelegenheit sein.
Ich will mich nun am Ende des Jahres auch mal bei Euch und Ihnen allen bedanken. Dafür, dass ihr die Idee zum Netzwerk so positiv aufgenommen habt und dafür, dass daraus ein gutes Miteinander geworden ist.
Für unsere Kinder und Enkel.

Das Phänomen

Das Phänomen

Die Hauptsorge der Deutschen ist der Klimawandel.
Das hat Kantar Emnid für die Funke Mediengruppe im Juli 2017 herausgefunden.
Das ist ein interessanter Befund, könnte man doch angesichts des Diesel-Skandals und der sich daran entzündenden Debatte auch auf anderes schließen.

Phänomenal aber ist die Reaktion der Parteien auf die größte Sorge der Deutschen.
Sie reagieren nämlich gar nicht.
Von den Grünen einmal abgesehen, die sich auf eines ihrer Kern-Themen besonnen haben.
Die Union spricht das Thema nur auf Nachfrage an und antwortet dann mit verschwaschenen, unklaren Worten der Kanzlerin, eine neue Mobilität sei nötig und werde kommen. Wann und mit welchen politischen Maßnahmen – bleibt alles völlig beliebig und offen. Man will sich nicht anlegen mit den Autofahrern, mit den Fahrzeugherstellern ohnehin nicht.
Die SPD fokussiert das Thema „Gerechtigkeit“ – lässt aber Generationen-Gerechtigkeit (und das Thema Klimawandel ist eine Frage der Generationen-Gerechtigkeit!) und Nord-Süd-Gerechtigkeit (Willy Brandt hat schon in den siebziger Jahren von der Verantwortung des Nordens für den Süden gesprochen!) völlig außen vor. Es geht – von ein paar thematischen Ausreißern einmal abgesehen, ausschließlich um innenpolitische Themen. Die Grundlage allen Wirtschaftens jedoch – kommt gar nicht vor in diesem Wahlkampf. Von der Einzelkämpferin Barbara Hendricks einmal abgesehen, die gleichsam qua Amt als Bundesumweltministerin das Thema setzt.
Von der FDP hört man in der Sache gar nichts. Und wenn, dann sei das alles eine Frage des „Marktes“. Fertig.
Die LINKE bleibt diffus und unklar, besonders in den Kohle-Revieren. Man will sich nicht mit den letzten wenigen noch verbliebenen Kohle-Kumpeln verderben.

57 Parteien sind zur Wahl zugelassen.
Die wichtigste Sorge der Deutschen ist der Klimawandel.
Aber der kommt nicht vor in der Auseinandersetzung um die besten Lösungen auf die Fragen, die die Menschen wirklich bewegen.
Man redet über alles Mögliche – aber nicht über das, was die Menschen am meisten bewegt.
Phänomenal.

Für unsere Enkel. Ein Aufruf an die „jungen Alten“.


Klimawandel und Klimaschutz sind keine Themen der Jugend allein. Denn die Entscheidungen fallen jetzt. Aber die Kinder und Enkel müssen die Folgen tragen. Wenn wir jetzt nicht schnell aus Kohle, Öl und Gas aussteigen – dann werden die Kinder, die in diesem Jahr geboren werden, eine Welt vorfinden, die man niemandem wünschen kann. Deshalb gibt es nun die Gruppe “Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an”. https://www.facebook.com/groups/156…
Jüngere Ruheständler, Pensionäre, ehemalige Beamte, ehemalige Berufssoldaten und Polizisten, die Lehrer im Ruhestand, die Ingenieure, Künstler, die ihre aktive berufliche Zeit hinter sich haben – sie sind gemeint und angesprochen.
Menschen zwischen 60 und 75 Jahren.
Menschen mit Lebenserfahrung.
Menschen mit Kontakten.
Menschen mit materiellen Ressourcen.
Menschen mit Zeit.
Menschen, die nichts mehr “riskieren”, wenn sie den Mund aufmachen.
Die Jüngeren brauchen uns.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Deshalb gibt es nun die Gruppe “Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an”.
Wir arbeiten in dieser Gruppe mittlerweile mit sieben Administratoren in drei Ländern, Schwerpunkt ist Deutschland.
Unser Ziel ist es, ein Netzwerk von aktiven Senioren-Gruppen aufzubauen, die bereit sind, ihre Verantwortung zu tragen.
Auch in den USA (The Elders Climate Action https://www.facebook.com/eldersclimateaction/) und in anderen Ländern beginnen die “jungen Alten” sich zu organisieren.
Sie gründen Gruppen, nutzen ihre Clubs und ihre Treffen, nutzen ihre Netzwerke. Und sie mischen sich ein.
Sie stehen national und international über social media mit anderen Menschen in Verbindung, die genau so denken und handeln.
Für einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern.
Für Divest – also den Abzug von Geldern, die z.B. in Pensionsfonds der Kommunen liegen und bislang in “schmutzige Energie” investiert wurde.
Fühlen Sie sich eingeladen.

#Divest. Oder: ein Kapitel über intelligente Politik.


Die weltweite #Divest-Bewegung ist eine der intelligentesten Kampagnen, die ich kenne. Deshalb beteilige ich mich gern.
Die Bewegung ist an Universitäten entstanden und wird breiter und breiter. Diese Bewegung wächst schnell, weil sie konkrete, erreichbare Ziele hat und weil sie Fortschritte macht.  Überall auf der Welt haben sich zumeist kleine Gruppen zusammen gefunden, die ganz konkret in ihrer Kommune, an ihrer Universität, in ihrer Kirchengemeinde, in ihrem Betrieb dafür streiten, dass ihre Kommune, ihre Universität, ihre Kirchengemeinde, ihr Betrieb zum Beispiel die Pensionsrückstellungen, die bei der jeweiligen Hausbank angelegt worden sind, aus fossilen Energiequellen abziehen. Wer den hashtag #divest zum Beispiel bei facebook aufruft, sieht die Fülle an Gruppen, die da mittlerweile entstanden sind und konkret arbeiten.
Überall auf der Welt zieht man nun Geld aus Investments in fossile Energien ab. In Deutschland sind es ganze Landeskirchen (die in Berlin-Brandenburg zum Beispiel), es sind konkrete Kommunen (die Hauptstadt Berlin zum Beispiel), es sind Versicherungskonzerne (Axa zum Beispiel) und viele andere.
Mehr als 5 Billionen Dollar sind bereits abgezogen und zum Beispiel in Erneuerbare Energien investiert worden.
Die Divest-Bewegung ist ein wunderbares Beispiel für das, was Mahatma Gandhi dereinst über sein Engagement gesagt hat:
„Erst belächeln sie dich, dann beschimpfen sie dich, dann bekämpfen sie dich – und am Ende gewinnst du.“
Die Konkretheit im Ziel – das ist die große Stärke der weltweiten Divest-Bewegung.
Es ist die konkrete Stadt, die konkrete Kirchengemeinde, die konkrete Universität, die aufgefordert wird, ihre Rücklagen in Erneuerbare Energien zu investieren, statt in fossile Energieträger.
Damit setzt die Divest-Bewegung den Hebel genau an dem Punkt an, an dem eine kapitalistische Wirtschaftsordnung besonders sensibel reagiert: beim Geld.
Es sind übrigens nicht nur junge Leute, nicht nur Studenten und Schüler, die von der Kampagne überzeugt sind. Es sind internationale Netzwerke wie The Elders zum Beispiel, in dem ehemals führende und nach wie vor einflussreiche Politikerinnen und Politiker weiter Einfluss nehmen. Erfahrene Menschen wie Kofi Annan zum Beispiel. Wenn man sich an der Kampagne beteiligt, ist man in guter Gesellschaft.
Diese intelligente weltweite Kampagne wird einen wirksamen Beitrag dazu leisten, dass die katastrophalen Folgen, die ein ungebremster Klimawandel haben würde, wenigstens etwas gemildert werden.
Wir wissen, dass die in der Folge des Paris-Abkommens nun gerade in Bonn verabschiedeten Reduktionsziele und konkreten Reduktionsvorhaben nicht ausreichen werden, das Ziel von Paris (nicht mehr als 2 Grad Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts) zu erreichen.
Gegenwärtig steht der Kurs auf 2,6 – 3,7 Grad. Das jedoch wäre katastrophal.
Deshalb ist es so wichtig, dass den fossilen Energieträgern das Geld entzogen wird.
Step by step. Schritt für Schritt. Universität für Universität, Stadt für Stadt, Kirchgemeinde für Kirchgemeinde, Betrieb für Betrieb.

Es ist mir ein großes Vergnügen, dass ich mich dank Internet an dieser weltweiten Bewegung beteiligen kann. Und jeder, der einen PC, einen Laptop oder ein Smartphone benutzt, kann sich auch daran beteiligen.
Was für eine große Chance! 

Ein Lob an die Ministerin. Die Debatte ist eröffnet


Dr. Barbara Hendricks hatte gestern (19.04.2017) via social media darauf hingewiesen, dass der Kampf um die Erreichung des sogenannten Zwei-Grad-Ziels im Klimaschutz sicherheitspolitisch (!) klüger sei als die Aufstockung des Militärbudgets auf 2% des BIP, wie es die NATO vor etlichen Jahren verabredet hatte.
Sie hat mit diesem Hinweis völlig Recht.
Denn, wie die Adelphi-Studie im Auftrag des Auswärtigen Amts nun aufzeigt, gibt es einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und sich stark verändernden Sicherheitsstrukturen in der Welt: wenn Staaten instabiler werden, haben terroristische Gruppen bessere Möglichkeiten, zu agieren. Das Auswärtige Amt hatte schon 2006 in einer Studie den Zusammenhang von Sicherheit und Klimaschutz thematisiert.
Diese Auseinandersetzung um die Verwendung der knappen finanziellen Ressourcen zwischen Klimaschutz und Militärbudget muss geführt werden.
Es wird eine harte Auseinandersetzung werden. Aber diese Auseinandersetzung muss geführt werden, denn es geht um Zukunftsfähigkeit.
Sowohl die „Falken“ in den Kreisen der Rüstungsindustrie und in Militärkreisen als auch rechtspopulistische Klimawandel-Leugner sowie Vertreter einer alten Energie-Politik werden sich verbünden, um eine Verbindung der Themen Klimawandel und Sicherheit grundsätzlich zu leugnen und in Frage zu stellen. Das ist erwartbar und deshalb nicht sonderlich aufregend.
Die Frage ist allerdings: wer wird sich auf der anderen Seite dieses Verhandlungstisches niederlassen? Welche Allianzen sind da zu schmieden?

Auf dem Hintergrund dieser zu erwartenden heftigen argumentativen Konfrontation stellt sich mir eine einfache Frage:
Was machen die Grünen eigentlich so?

Das angesprochene Thema berührt ihre Kernthemen: Klimaschutz und Sicherheit.
Aber: man hört nichts. Reineweg nichts.
Man überlässt es der Bundesumweltministerin, dieses zentrale Thema zu platzieren. Das verstehe, wer will.
Mich geht das im Grunde nichts an, bin ich doch nicht verantwortlich für die Partei der Grünen. Aber: mich wundert das schon.
Man tanzt bislang im Bundestagswahljahr auf allerlei kleinen und diversen Sonderbühnen herum, die Umfragen sprechen eine deutliche Sprache, aber das eigentliche Kernthema, die Basis, das Fundament ökologischen Engagements: Klimaschutz und Sicherheit lässt man „links liegen“.
Die Grünen müssen das mit sich ausmachen.

Ich bin jedenfalls Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks ausgesprochen dankbar, dass sie nun dieses zentrale Thema öffentlich angesprochen und damit die Debatte eröffnet hat.

Beobachtungen aus der Provinz


Ähnliche Veranstaltungen habe ich seit 1990 schon viele erlebt. Ich weiß noch, wie mir 1990 in Leipzig ein Freund zuraunte, mit dem ich oben auf der Tribüne stand: „Ein Rauschen im Blätterwald – und weg sind sie“. Was er meinte: politische Stimmungen wechseln.
Und so war es ja dann auch.
Ich habe seither so manchen kommen und auch wieder gehen sehen.
So mancher, der anfangs ähnlich euphorisch gefeiert wurde, wurde wenige Monate später – nicht selten von den eigenen Leuten – heftig angegriffen.
So ist Politik.
Den Nominierungsparteitag in Berlin-Treptow habe ich bei phoenix verfolgt, weil mich interessiert hat, wie „die Stimmung“ derzeit ist und was konkret denn gesagt wird.
Bei dem „was gesagt“ wird, weiß ich wohl, wie solche Reden gemacht werden.
Da wird nur sehr wenig dem Zufall überlassen. Und man hat vorher bereits Aussagen in der Öffentlichkeit „getestet“. Das Team registriert sehr genau, was „ankommt“ und was weniger.
All dieses Handwerkliche ist mir bekannt und auch vertraut.
Und mit diesem geschärften Blick habe ich mir angesehen, was da heute in Berlin-Treptow vor sich gegangen ist.
Manches, was da heute an Stimmung zu beobachten war, wird sich ändern. Bis zur Wahlentscheidung im September ist noch ein sehr langer Weg zu gehen. Und schon vierzehn Tage sind in politics eine lange Strecke. Bis zum September sind es aber noch Monate.
Schulz weiß das. Und sein Team weiß das auch.
Aber drei Punkte sind aus meiner Sicht dennoch besonders:
1. Es gab noch nie in der langen Geschichte der Sozialdemokratie eine Wahl zum Vorsitz, die mit 100% für den Kandidaten entschieden wurde. Selbst die legendären Ergebnisse von Kurt Schumacher lagen darunter. Insofern ist das Datum eines, das in die Chroniken eingehen wird.
2. Wer der Rede des Kandidaten aufmerksam zugehört hat, wer seine Körpersprache, seine Mimik, seine Gestik zu interpretieren wusste, wer gemerkt hat, wo die „Textbausteine“ anfingen und wo es engagiert persönlich wurde – der konnte finden, dass der Kandidat beim Thema „Europa“ und bei der Auseinandersetzung mit den „Rechten“ besonders engagiert wurde. Da hat ein Mann gesprochen, dem Europa wirklich und aus tiefster Überzeugung am Herzen liegt. Und zwar deshalb, weil er Europa sehr gut kennt.
Das ist – gerade in der gegenwärtigen Situation – nicht nur wichtig, das ist nötig. Deshalb ist es gut und ein wichtiger Impuls für die ganze nun folgende Auseinandersetzung, dass da von Anfang an dieser starke europäische Impuls zu hören und zu sehen war.
3. Die politische Auseinandersetzung mit den Völkischen wird nun aufgenommen. Und zwar tritt da eine Partei an, die sich – anders lässt sich das Wahlergebnis nicht interpretieren – geschlossen hinter ihrem Kandidaten versammelt hat. Da kämpft nicht nur ein Kandidat. Da kämpft nun eine Mann- und Frauschaft von über 400.000 Mitgliedern.
Die Sozialdemokraten haben sehr viel Erfahrung in der Auseinandersetzung mit völkischem Gedankengut. Und diese Erfahrung werden sie nun einbringen.

Für mich ist diese Veranstaltung deshalb durchaus eine besondere gewesen, auch wenn ich sie nur aus der Provinz beobachten konnte. Sie war keine, „wie andere auch“.
Der politische Wettbewerb wird nun nach und nach konkreter werden und er wird auch an Schärfe gewinnen. Es ist eine große Sache. Denn Deutschland ist kein kleines Land in Europa.
Deshalb fand ich es sehr beachtlich, dass da ein politisch in Europa beheimateter, sehr erfahrener Kandidat von „Würde“ sprach. Und davon, für die eigenen Positionen zu werben. Damit war der Stil angesprochen, mit dem man die Auseinandersetzung zu führen gedenkt.
Derlei ist – gerade in Zeiten von fake news, überbordendem Hass und schlechtem Umgangsstil insbesondere in social media – durchaus bemerkenswert.

Ich habe so manche Wahlauseinandersetzung erlebt, auch selbst bestritten und manchmal habe ich in den zurückliegenden Jahren auch Müdigkeit empfunden.
Aber auf diese Auseinandersetzung, auf die freue ich mich.