Gysi als Festredner zu 30 Jahren Friedliche Revolution in Leipzig. Das ist sicher ein Versehen


Gestern Abend kam dieser Zeitungstext durch das Internet zu mir geflogen. Aus ihm geht hervor, dass die Philharmonie Leipzig am 9. November 2019 in der Peterskirche zu Leipzig ein Gedenkkonzert anlässlich von 30 Jahren Friedlicher Revolution abzuhalten gedenkt, bei dem der Herr Dr. Gregor Gysi die Festansprache halten solle. Und dann steht da noch – als ich das las, war der Moment gekommen, wo ich mir dann doch ein kleines Schnäpschen gegönnt habe:
„Für die Philharmonie Leipzig ist es eine Ehre, dass Gregor Gysi an diesem historischen Datum die Festrede hält. Er gilt in Politik, Wissenschaft und Medien seit vielen Jahren als kompetenter Meinungsführer und ist ein gefragter Autor und Interviewpartner. Sachsen und seinen Menschen fühlt sich Gysi stark verbunden“.

Jürgen, hörst du das? Mein lieber Jürgen Fuchs, hast du das mitgekriegt? Der Gregor Gysi soll in Leipzig die Festrede zu 30 Jahren Friedliche Revolution halten?
Da rumpelt er in seinem Grabe, der gute Jürgen.
Das geht dann ja doch vielleicht ein wenig gar zu weit. Das findet nicht nur er. Das finde ich auch.

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk hat sich schon im Jahre 2006 über „das kurze Gedächtnis“ vieler Menschen gewundert und jetzt sind wir etliche Jahre später – die Menschen scheinen mittlerweile ihr Gedächtnis völlig verloren zu haben. Ich erlaube mir deshalb, diesen Text von Dr. Kowalczuk hier nochmals zu erinnern, denn er gehört zum Zusammenhang.

Was sagen eigentlich Freya Klier und Katja Havemann zu dem Vorgang?
Was sagen eigentlich die vielen Menschen, die im Stasiknast in Hohenschönhausen gesessen haben, zu diesem Vorgang? Beifall werden sie nicht klatschen, das ist eher unwahrscheinlich. Ich habe diesen Stasiknast jeden Tag vor meiner Nase, denn ich wohne in der Gegend.
Meine 19 Spitzel, die die olle DDR auf mich „angesetzt“ hatte, die werden sich freuen, da bin ich gewiss. Endlich widerfährt ihnen Gerechtigkeit und der Gysi hält die Festrede zu 30 Jahren Friedliche Revolution. Na, da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Wo leben wir denn?
Nicht nur deshalb widerstrebt es mir gewaltig, ausgerechnet Herrn Dr. Gregor Gysi zum 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution als Festredner ertragen zu müssen.
Gysi war nämlich einer, der das System stabilisiert hat, das wir Bürgerrechtler bekämpften.
Gysi stand für uns „auf der anderen Seite“. Und es ist wirklich schwer zu ertragen, was da vor sich gehen soll. Ich finde auch, das kann nicht so bleiben.

Mir ist auch, als wolle Wolf Biermann gleich wieder zur Gitarre greifen und ein fröhlich Liedlein anstimmen.

Nein, also, liebe Philharmoniker da in Leipzig, ich weiß ja nicht, welcher Teufel euch da geritten hat, als ihr ausgerechnet auf den Herrn Dr. Gregor Gysi als Festredner zu 30 Jahren Friedlicher Revolution verfallen seid – mit historischer Sachkenntnis hat diese Einladung jedenfalls gar nichts zu tun und der Gysi hat mit der Friedlichen Revolution ungefähr so viel zu tun wie eine Nonne mit einem Puff, nämlich gar nichts.
Diese Einladung ist vielmehr eine Beleidigung gegenüber all denen, die das System, das Gysi gestützt hat, bekämpften, also das glatte Gegenteil der Würdigung der Leistung der Bürgerrechtler, die die olle DDR niedergerungen haben.

Vielleicht schlafen Sie ja nochmal über diese Sache. Ein oder zwei Nächte vielleicht. Und dann hören Sie sich mal die Lebensgeschichten derer an, die in der DDR gelitten haben. Und dann vergegenwärtigen Sie sich doch bitte nochmals gründlich die Rolle, die Gysi in der DDR gespielt hat.
Wenn Sie alleine nicht weiterkommen, nehmen Sie doch einfach die Sachkenntnis der Stiftung Aufarbeitung des DDR Unrechts zu Hilfe. Wir haben diese Stiftung nämlich vor einigen Jahren mit kluger Absicht eingerichtet, weil wir verhindern wollten, dass die Menschen vergesslich werden.

Und wenn Sie das alles getan haben, dann lassen Sie zum Jubiläum vielleicht eine oder einen Bürgerrechtler sprechen, der wirklich beteiligt war am Ende der DDR, ein paar davon leben ja noch……

 

 

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Zeitungstext. Für unsere Enkel.


Die Katastrophe in Zahlen: 415.09 pars per million

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nein, niemand kann die Welt retten. Die Rede vom „Retten der Welt“ ist eine sehr dumme Rede. Die Welt ist so alt und hat schon so viel kommen und auch wieder gehen sehen – sie hat vermutlich noch nicht mal bemerkt, dass wir auf ihr herumlaufen und uns selber umbringen, indem wir die Grundlagen zerstören, von denen wir leben.
Wenn es gut geht, können wir uns selber retten – aber auch das ist mittlerweile mehr als zweifelhaft.  Denn die Fakten sind erdrückend.

Folgt man den veröffentlichten nüchternen naturwissenschaftlichen Messergebnissen und Beobachtungen, lässt sich leicht bestätigen, was Sir David Attenborough, einer der einflussreichsten Naturfilmer der Gegenwart so ausdrückt: „Den Garten Eden gibt es nicht mehr. Wir haben ihn zerstört.“
Gerade haben die Vereinten Nationen einen großen Bericht zum weltweiten Artensterben vorgelegt:
„Die Rate der globalen Veränderungen in der Natur in den vergangenen fünf Jahrzehnten ist beispiellos für die Geschichte des Menschen“, so das Fazit der Wissenschaftler. Schlussendlich trage dies dazu bei, dass der Homo sapiens seine eigene Existenz bedrohe: „Die Gesundheit der Ökosysteme, von der wir und alle anderen Spezies abhängen, verschlechtert sich schneller als je zuvor. Wir zerstören damit die Grundlagen unserer Wirtschaft, der Ernährungssicherheit, unseres gesundheitlichen Wohlergehens und unserer Lebensqualität“, konstatiert der IPBES-Vorsitzende Robert Watson. (Quelle: IPBES Global Assessment Report 6. Mai 2019).

Beim Klimawandel sieht es nicht besser aus. Am 3. Mai 2019 erreichte die Messskala im für die Klimadaten maßgeblichen Mauna Loa Obervatory den Wert von 415,09 ppm Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre.
Dieser Wert ist katastrophal.
Es ist der höchste je gemessene CO2-Wert in der Geschichte der Menschheit. Der menschliche Körper kennt eine solche CO2-Konzentration nicht. Wir leben wie auf einem fremden Planeten – wir gehen in unbekanntem Gelände. Solange es die Menschheit gibt, gab es einen solch hohen Wert nicht – und die CO2-Konzentration steigt weiter an.
Weil wir immer mehr Kohle, Öl und Gas verbrennen, statt einzuhalten.
Wir sind dabei, uns umzubringen.
„Das gleicht einem kollektiven Selbstmord“ sagt Professor Hans-Joachim Schellnhuber in seinem bemerkenswerten wissenschaftlichen „Testament“, in seinem 700 Seiten starken Buch „Selbstverbrennung“. Schellnhuber war Gründungsdirektor und langjähriger Chef am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in Deutschland und ist einer der weltweit anerkanntesten Klimaforscher.
Das ist keine „Panikmache“, wie so oft abwehrend behauptet wird, das sind Messergebnisse. Nüchterne Daten und Messreihen und diese gemessenen Werte haben selbstverständlich Folgen, denn die Natur folgt ihren Gesetzen konsequent.
Wir wissen beispielsweise seit 1824, dass es den „Treibhaus-Effekt“ gibt: je mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre ist, um so stärker heizt sie sich auf. Man kennt diese Zusammenhänge schon sehr lange und hat sie seither immer genauer untersucht und versteht sie mittlerweile sehr genau. Mit modernsten Höchstleistungscomputern kann man mittlerweile sogar Modelle rechnen, die, je nach angenommener CO2-Konzentration bereits sehr exakt angeben können, wozu welche CO2-Konzentration führen wird. Solche „Szenarien“ sollen der Politik helfen, kluge Entscheidungen zu treffen.
Je wärmer die Atmosphäre ist, je mehr Energie enthält sie – die Wetter werden extremer, Hitzewellen häufen sich; Extremwetterereignisse (Fluten, Dürren) häufen sich, die Meere steigen – der Mensch gerät in Gefahr.
Die größten Städte der Welt sind Küstenstädte, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in solchen Mega-Cities – wenn der Meeresspiegel weiter so dramatisch schnell steigt, erleben wir in diesem Jahrhundert eine Völkerwanderung „biblischen Ausmaßes“, wie der frühere Chef des UN-Umweltprogramms, Professor Klaus Töpfer einmal formuliert hat.

Wir wissen das alles spätestens seit 1972, seit dem Bericht des Club of Rome über „die Grenzen des Wachstums“. Aber: wir machen weiter, als wäre nichts gewesen. Schlimmer noch, wir machen immer schneller weiter. Das Eis in der Arktis schmilzt mittlerweile sechsmal schneller als noch in den neunziger Jahren.
„Kehrt um!“ möchte man rufen. Diesen uralten prophetischen Ruf, von dem die Heiligen Schriften berichten, möchte man anstimmen.
„Kehrt um! Wenn ihr so weiter macht, werdet ihr euch und eure Kinder töten!“
Plötzlich klingen für mich diese uralten Worte sehr modern.
Nicht zuletzt deshalb sind die Weltreligionen und alle Konfessionen gefordert, sich dem Wahnsinn entgegen zu stellen. Der Vatikan hat mit der Enzyklika Laudato Si (2015) wichtiges beigesteuert. Die Ökumene hat mit dem Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung schon in den achtziger Jahren wesentliches beigetragen. Und möglicherweise werden die Kirchen und Weltreligionen das entscheidende Zünglein an der Waage sein, denn die politischen Parteien alleine sind ja ganz offensichtlich nicht in der Lage, das Problem zu lösen. Sie brauchen Unterstützung aus der ganzen Gesellschaft.

Wir haben nur noch etwa 10 Jahre Zeit. So sagte es die beim letzten Welt-Klima-Gipfel in Katowice 2018 versammelte Klimawissenschaft. Wenn wir unter 2 Grad Erhitzung bleiben wollen – und das müssen wir, weil uns sonst die Welt um die Ohren fliegt, weil sie aus dem Gleichgewicht geraten ist – wenn wir unter 2 Grad bleiben wollen, dann haben wir nur noch ein CO2-Budget von maximal 10 Jahren.
In dieser Zeit muss es gelungen sein, den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas unumkehrbar gemacht zu haben. Das ist eine gewaltige Aufgabe, weil schon so viele Jahrzehnte ungenutzt verstrichen sind.

Damit das aber vielleicht doch noch gelingen kann, werden die älteren Menschen gebraucht.
Die jungen Leute von FridaysForFuture alleine schaffen das nicht. Alle werden gebraucht.
Deshalb habe ich gemeinsam mit vielen anderen das Europäische Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org ins Leben gerufen, angelehnt an eine Idee von Nelson Mandela und Kofi Annan, die das Netzwerk The Elders gegründet haben. Ältere, erfahrene Menschen tun sich mit all ihren Kontaktnetzwerken, mit all ihrer Erfahrung und all ihren Ressourcen zusammen, um die jungen Leute beim größten Kampf dieses Jahrhunderts zu unterstützen, dem Kampf gegen den Klimawandel.
Unsere Kinder und Enkel werden nichts mehr ändern können an der Veränderung der Erdatmosphäre. Wir sind die letzte Generation, die das wenigstens noch versuchen kann.
Es ist unser Kampf. Aber wir fechten ihn nicht mehr für uns, sondern für unsere Enkel.  Ob es gelingt, steht dahin. Dietrich Bonhoeffer wusste auch nicht, ob sein Kampf erfolgreich sein würde. Er sagte über sein Engagement und ich beziehe es auf unsere Arbeit:
„Es mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir unsere Arbeit für eine bessere Welt aus der Hand legen. Vorher aber nicht.“

 

Gandhi und Extinction Rebellion (Aufstand gegen das Aussterben). Oder etwas über sehr große Schuhe


Man bezieht sich ausdrücklich auf Mahatma Gandhi und seinen gewaltlosen Widerstand gegen die britischen Kolonialherren. Gewaltlosigkeit soll oberstes Prinzip sein bei den nun beginnenden Aktionen von Extinction Rebellion, was in etwa „Aufstand gegen das Aussterben“ bedeutet. Die Bewegung findet heute (15. April 2019) in 33 Ländern der Welt ihren Anfang und hat in Großbritannien mit der Besetzung von Verkehrsinfrastruktur (Brücken) begonnen.
Die Menschen, die sich bei Extinction Rebellion verbinden, sind bereit, für den Schutz des Planeten ins Gefängnis zu gehen.

Damit also beginnt die Karwoche 2019: mit Demonstrationen einer Organisation, die einen „radikalen Klimaschutz“ einfordert. Man müsse „die Regeln brechen“, die sich ein Wirtschaftssystem gegeben hat, das die Welt zerstört.

Zunächst: der Vortrag, den Nick Holzberg über die Bewegung Extinction Rebellion gehalten hat, und den man sich hier anschauen kann, ist nach meinem Urteil sehr gut. Der Erste Teil bezieht sich auf die wissenschaftlich bekannten Fakten, referiert sie unter Angabe sehr guter Quellen umfänglich und endet mit dem Stichwort „Trauer„. Denn: es ist bereits „fünf nach zwölf“.
Der Zweite Teil (etwa ab Minute 52) befasst sich mit der Frage, was trotz des katastrophalen Befundes noch getan werden kann.

Dieser Aspekt hat mich besonders interessiert, deshalb habe ich mir heute die live-streams aus Oslo, Berlin und Kopenhagen angesehen, in denen zu sehen ist, wie die „Aktionen“ nun beginnen. Überall sieht man heute den „schwarzen Sarg“ getragen von den Menschen, deren Symbol die Sanduhr ist: die Zeit läuft ab.

Dann kamen Reden. Jedenfalls in Berlin. Die haben mich weniger überzeugt und ich fand: die Schuhe, die uns Mahatma Gandhi hinterlassen hat, sind doch ziemlich groß für das, was da heute zu sehen war. Schon die Sprache ließ mich an einer wirklichen Gewaltlosigkeit zweifeln. Gut, die Redner waren verschieden, Charaktere sind verschieden – aber überzeugend fand ich das (noch) nicht.

Es ist ein sehr großer Anspruch, bei Gandhi anzuknüpfen. Wer sich intensiv mit seinem Leben befasst hat, sieht: Gandhi hat vor allem seinen inneren Unfrieden bekämpft, damit er wirklich gewaltfrei sein konnte. Es ist vor allem dieser unbedingte Anspruch an sich selbst, der die Meßlatte so hoch hängt.
Gut, man hat Rudi Dutschke zitiert mit seinem Satz, glaubwürdige Gesellschaftskritik sei unabdingbar verknüpft mit Selbstkritik – in den Worten von Extinction Rebellion Berlin hieß das „wir alle sind Teil des Systems, das die Erde zerstört“ – aber, ob die unbedingte Arbeit an sich selbst wirklich Voraussetzung dafür ist, was man „auf den Straßen“ erreichen möchte, das war zumindest heute noch nicht wirklich zu erkennen.

Bei der Sprache beginnt es nämlich. Und wenn ich jemandem zuhöre, der alles andre als friedlich spricht, dann überzeugt mich das nicht, wenn er von Gewaltlosigkeit redet. Aber: jedem seine Chance.

Was wir in diesen Wochen und Monaten sehen: überall auf der Welt entstehen solche Gruppen und Netzwerke: FridaysForFuture, ParentsForFuture, Scientists4Future, GrandparentsForFuture, Fuer-unsere-Enkel.org (die gibts schon seit September 2017…..), 350.org und nun also auch Extinction Rebellion, deren Mitglieder allerdings mit der Bereitschaft gegebenenfalls auch ins Gefängnis zu gehen.

All diese Netzwerke, Gruppen und „Bewegungen“ stehen miteinander im Kontakt. 
Das wird nicht ohne Auswirkungen bleiben, wenn am 26. Mai 2019 ein neues Europäisches Parlament gewählt wird.  Diese Europwahl muss zur Klima-Wahl werden. Wir haben nur noch 10 Jahre, um das Ruder herumzureißen und die Hälfte dieser Zeit wird das nun zu wählende neue europäische Parlament maßgeblich mitbestimmen.  Meine Hoffnung ist: dass die zivilen Netzwerke bis Mitte Mai immer stärker werden. Wir arbeiten gemeinsam mit vielen Menschen in Europa weiter daran. Am 26. 5. wird dann gewählt.

Jetzt sind Eltern und Großeltern dran: Europawahl. FridaysForFuture, wir haben verstanden!


Europawahl ist Klima-Wahl

„Wir haben verstanden!“ Das muss und wird die Antwort der stimmberechtigten Eltern und Großeltern bei der Europawahl an die Kinder und Jugendlichen von #FridaysForFuture sein.

Am 24. Mai wird FridaysForFuture in ganz Europa nochmal massiv auf die Straßen gehen und klar machen, worum es geht. Und am 26. Mai wird gewählt.

Worum geht es?
Noch etwa 10 Jahre – dann muss der Ausstieg aus der Verbrennung Fossiler Energien unumkehrbar organisiert sein. So sagt es die Klimawissenschaft. Noch etwa 10 Jahre – also im Jahre 2030 muss der Ausstiegsprozess unumkehrbar sein.

Das jetzt zu wählende Europäische Parlament wird die Hälfte dieser entscheidenden Zeit politisch wesentlich mitbestimmen – deshalb kommt es sehr darauf an, wer ins Parlament gewählt wird.

Die Kohle-Parteien haben offenbar mitbekommen, dass sich der Wind gerade mächtig gedreht hat. Sogar der sächsische Ministerpräsident Kretschmer (CDU), findet die Streiks der Schüler richtig, sie seien ein „jugendlicher Ausdruck“ dessen, was die Jugendlichen wollen. Noch unglaubwürdiger kann man allerdings kaum sein, war doch Kretschmer einer der Ministerpräsidenten, die für einen möglichst langen Gebrauch der Braunkohle bis in die vierziger Jahre eingetreten ist.

Die jungen Leute schert das glücklicherweise nicht. Sie tun, was sie tun können: sie mobilisieren Öffentlichkeit. Sie tun das weltweit. Sie machen das auf eine bemerkenswert professionelle Weise nur ausgerüstet mit ihren Laptops und Smartphones.

Nun aber muss die Antwort der Eltern und Großeltern kommen.
Und diese Antwort muss eine politische sein.

Am 26. Mai wählt Europa ein neues Parlament.
Diese Wahl muss und wird zur Klima-Wahl werden. Jeder kann sich daran beteiligen. Sprechen Sie in der Familie darüber, reden Sie mit den Nachbarn, nutzen Sie Ihre Netzwerke,nehmen Sie Ihren guten alten E-Mail-Verteiler zu Hilfe. Es geht nicht um uns. Es geht um unsere Kinder und Enkel. Deshalb engagieren sich große Netzwerke wie Europäische Energiewende und Fuer-unsere-Enkel.org gemeinsam mit anderen für diese so besondere Europa-Wahl.

Und Sie? Nun sind Sie dran!

Gehen Sie zur Europa-Wahl am 26. Mai 2019 und geben Sie Ihre Stimme Kandidatinnen und Kandidaten, die wirklich authentisch und überzeugend für einen wirksamen Klimaschutz auf europäischer Ebene eintreten.

Die Europawahl im Mai entscheidet, ob wirksamer Klimaschutz noch gelingt


Notwendige CO2-Reduktion, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Grafik: Rahmstorf

„Wir werden die Europawahl zu einer Abstimmung über Klimaschutz machen“ sagen die jungen Leute von #FridaysForFuture. Und wir vom Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org werden sie dabei unterstützen.
Denn die Zeit wird sehr knapp. Noch knapp zehn Jahre stehen zur Verfügung, um die CO2-Emissionen drastisch zu senken, dann ist das Budget, zu dem sich Deutschland im Paris-Vertrag verpflichtet hat, aufgebraucht. Professor Stefan Rahmstorf hat schon Ende 2018 in einer anschaulichen Grafik aufgezeigt, um was es geht (vgl. Bild oben). Hätte die Regierung im Jahre 2000 begonnen, CO2 wirksam zu reduzieren, hätte ein Minus von 4% pro Jahr ausgereicht. Mittlerweile müsste Deutschland 18% jährlich CO2 reduzieren und die Kurve wird immer steiler, je länger man zuwartet und nicht handelt. „Das Handlungsfenster schließt sich“ warnt UN-Generalsekretär Antonio Guterres unermüdlich. Zur im September stattfindenden UN-Sonderkonferenz zum Klimawandel sollten die Regierenden „nicht Reden, sondern Pläne mitbringen“, hat er kürzlich öffentlich gemahnt.

Im Mai wird gewählt. Das dann neu zusammengesetzte Europäische Parlament wird die europäische Energie- und Klimaschutzpolitik in den Jahren 2019 bis 2023 mitbestimmen. Das ist beinahe die Hälfte der Zeit, die für engagierten Klimaschutz noch bleibt. 

Deshalb ist diese Europa-Wahl so besonders.
Und deshalb muss es gelingen, diese Wahl zur Abstimmung über den Klimawandel zu machen.

FridaysForFuture hat kürzlich konkrete Forderungen an die Politik veröffentlicht. Diese Forderungen sind im sehr engen Dialog mit der Fachwissenschaft entstanden, sie sind keineswegs „blauäugig“, sondern realistisch erreichbar, wenn man die politische Kraft dafür aufbringt. Deshalb ist es sehr sinnvoll, bei dieser besonderen Wahl die Parteien daraufhin zu befragen, was sie im Europäischen Parlament konkret zu tun gedenken, um die Ziele des Paris-Vertrages zu erreichen. Man kann die Wahlprogramme dazu nachlesen, man soll aber auch die Kandidaten direkt befragen.
Wer nicht wirklich überzeugend für engagierten Klimaschutz auf europäischer Ebene eintritt, ist nicht wählbar.

Bei dieser Wahlentscheidung geht es nicht um die jetzt Älteren, sondern es geht um die Kinder und Jugendlichen, die sehr zu Recht gemeinsam mit über 30.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Politik einfordern:
Handelt endlich!

Heute (10.4.2019) findet die erste Sitzung des „Klimakabinetts“ statt. Bundeskanzlerin Merkel wird die Sitzung selber leiten. Sie hat in den zurückliegenden Tagen zum wiederholten Male die jungen Leute auf den Straßen ermutigt und geäußert, sie fände es „gut, daß ihr uns so einen Druck macht“. Wir werden nun sehen, ob das nur freundliche Worte waren, oder ob nun Taten folgen.
Es ist ihre letzte Legislatur. Sie hat mit dem Klimakabinett die Chance, nun endlich Führungsstärke zu beweisen. Sie muss sich durchsetzen vor allem gegen Industrieinteressen im Verkehrssektor, sie muss auch nicht berechtigte Ansprüche aus der Kohleindustrie zurückweisen. Sie muss die Rechte (!) der jungen Generation als Maßstab ihres Handelns anerkennen.  Gelingt das nicht, dann wird diese Regierung mit allem Fug und Recht bei der nächsten Wahl abgewählt.

 

Tod und Sterben werden Thema bei den Schülerstreiks


Die in FridaysForFuture Rhein Sieg 15.3.2019

Das ist bemerkenswert. Junge und sehr junge Menschen gehen seit Monaten „wegen Klimaschutz“ auf die Straßen – aber nun bringen sie die Themen „Tod“ und „Sterben“ zur Sprache. Am 15. März 2019 ist das geschehen und die Gruppe von FridaysForFuture Rhein Sieg hat diese im Jargon „Die in“ genannte Aktion durchgeführt und fotografiert.
Sie schreiben dazu auf ihrer facebook-Seite:

„Auf der Demo am Freitag fanden sich spontan Jugendliche zusammen um mit einem Die-In auf die Klimakrise und deren Folgen aufmerksam zu machen.

Auch passte diese Aktion zur Rede der Internationale Jugend Rheinland,
die darauf aufmerksam machte, dass Millionen Menschen aufgrund der Umweltzerstörung ihre Heimat verlassen müssen oder durch die vom Klimawandel entstehenden Dürren, Überschwemmungen,… sterben.

Passionszeit 2019. Fastenzeit. Gesonderte Zeit.

Zeit, über die Themen „Tod“ und „Sterben“ nachzudenken.  Nicht nur individuell, auf eigenes Leid, auf den eigenen Tod bezogen – sondern politisch.
Bezogen auf die polis, auf die Bürgerschaft dieser Einen Welt.

Für mich ein sehr starker Impuls, die Passionszeit 2019 einmal anders wahrzunehmen und zu gestalten als sonst.
Anlass, das „Leiden der Welt“ (bei Paulus ist vom „Seufzen aller Kreatur“ die Rede) hinein zu nehmen in mein Nachdenken über das, was uns trägt.

Niemand hat das Recht, diesen Jugendlichen Oberflächlichkeit vorzuwerfen. Politiker wie Frau Kramp-Karrenbauer oder Herr Lindner tun das gern. Sie meinen, die Jugendlichen gingen auf die Straßen „um zu schwänzen“. Diese Leute haben gar nichts verstanden und sie äußern sich aus eiskaltem strategischem politischem Kalkül. Denn die Jugendlichen, die sich „zum Sterben auf die Straßen legen“ sind ihnen gefährlich geworden.
Über 1,5 Millionen Menschen waren am 15. März 2019 auf den Straßen der Welt. Das ging von Asien über Europa und Afrika bis nach Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland – die Welt steht auf.
Und zwar die junge Welt.  Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist um die oder unter 15 Jahre alt. Dort sind die Mehrheiten.

Und diese jungen Leute überall auf der Welt kümmern sich nun mit höchstem Engagement, auch viel Mut um ihre eigene Zukunft. Sie machen Zusammenhänge deutlich, die die „Alten“ gern verdrängen: wegen unserem Lebensstil sterben in anderen Teilen der Welt bereits Menschen.

Zeit, inne zu halten.

12.000 Wissenschaftler stützen #FridaysForFuture – und wie geht’s weiter?


Zunächst: heute ist ein guter Tag, denn das sehr gut begründete Engagement von vielen Zehntausenden Schülern rund um die Welt hat eine wichtige Unterstützung bekommen: in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützen (Stand 12.3.2019) mehr als 12.100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Text, der kurz und bündig zusammengefasst lautet: „Die Jugendlichen haben sehr Recht, wenn sie wirkliche engagierten Klimaschutz verlangen.“ Dr. Gregor Hagedorn, Wissenschaftlicher Leiter am Naturkundemuseum in Berlin hatte mir den Text in der Vorwoche gemailt mit der Bitte, doch „mal drüber zu schauen“, was ich gern getan habe. Heute nun war die Bundespressekonferenz, bei der Dr. Eckhart von Hirschhausen, Prof. Dr. Maja Göpel und Prof. Volker Quaschning die Erklärung der Wissenschaftler öffentlich vorgestellt haben. Unterstützt wurde die Sache unter anderem vom früheren Chef der Berliner Charité, Professor Ganten.

Aber, wie nun weiter?
Nun, am 15. März wird zunächst ein weltweiter „Klimastreik“ stattfinden. Die größte Klimademonstration aller Zeiten. Auf die Beine gestellt von jungen Menschen, denen ihre Zukunft nicht egal ist. In mehr als 900 Städten in über 80 Ländern der Erde wird es Klimastreiks geben. Großartig.

Aber, wie dann weiter?
Das wird von Land zu Land unterschiedlich sein. In Europa geht es darum, „die Europawahlen zur Abstimmung über engagierten Klimaschutz zu machen“. Denn demnächst sind Europa-Wahlen und das Thema Klimawandel muss ganz oben auf die Agenda. Wer sich nicht wirklich glaubwürdig und engagiert für wirksamen Klimaschutz einsetzt, wird nicht mehr gewählt. Da haben die Vertreter von FridaysForFuture heute in der Bundespressekonferenz den Finger genau auf die richtige Stelle gelegt, als man sie fragte, „wie lange“ sie denn „noch streiken“ wollen. „Bis sich endlich etwas ändert“ ist die glasklare Antwort.

Der nächste Schritt also: Europa-Wahlen. 23. – 26. Mai 2019 europaweit.
Bis dahin muss das Thema Klimawandel/Klimakrise/climate change ganz oben auf die Agenda.

Dabei unterstützen wir von Fuer-unsere-Enkel.org die jungen Leute sehr gern.
Und wir wissen, dass die neuen Netzwerke parents-for-future und scientists-for-future ähnlich arbeiten werden.