Was wollen wir unseren Kindern eigentlich vererben? Überlegungen eines Älteren


Karneval. Nicht nur in Köln. Auch bei der SPD. Wir sind im Februar des Jahres 2018. Berlin macht einen durch und durch närrischen Eindruck. Eine Regierung gibt es noch nicht, obwohl schon im September gewählt wurde. Jetzt ist Februar. Es gibt einen Vertragsentwurf, alles andre ist unklar. Insbesondere das Personal. Man verzettelt sich im Klein Klein, streitet, gerät sich in die Haare, sägt sich gegenseitig den Stuhl weg.
Nirgends ist mehr eine große Linie zu erkennen; nirgends ist jemand zu sehen, der in der Lage wäre, diesen Hühnerhof zur Ordnung zu bringen; nirgends ist jemand zu sehen, der in der Lage wäre, sich um die wirklich zentralen Herausforderungen so zu kümmern, dass wir uns einer Lösung wenigstens annähern könnten.
Die Berliner Republik macht auf mich in diesen frühen Tagen des Jahres 2018 den Eindruck, als sei nun auch der letzte Hopfen und das letzte Malz verloren gegangen.
Was soll man mit diesem politischen Durcheinander noch Sinnvolles anfangen?

Seit Anfang Januar betrachte ich mir das Getümmel aus noch größerem Abstand. Seit Anfang Januar kann ich mich nun völlig frei von beruflichen Verpflichtungen um das Thema kümmern, das mir schon seit langen Jahren wirklich am Herzen liegt. Ich tue das als junger Pensionär, die mit grade mal 60 Jahren seine Lebenszeit dafür verwenden will, seinen Beitrag zur Lösung des wichtigsten Problems unseres Jahrhunderts zu leisten.

Die Zeit drängt. Die Nachrichten aus aller Welt werden immer bedrohlicher, der Zustand der Natur verschlechtert sich dramatisch.

Nehmen wir nur ein paar wenige, völlig willkürlich gegriffene Zeitungsmeldungen unserer Tage:
1. amerikanische Atomwissenschaftler stellen die Uhr zum „Doomsday“ auf 2 Minuten vor 12. Die weltweiten Gefahren hätten zugenommen. Insbesondere sei die Gefahr eines Atomkrieges gestiegen und der Klimawandel habe sich weiter beschleunigt. Die „doomsday clock“ misst seit 1947 den Abstand zum Weltuntergang…..

2. In zwanzig Jahren wird es keinen Skitourismus in den Alpen mehr geben, lese ich in einer österreichischen Zeitung. Man wird ihn mit künstlicher Beschneiung vielleicht noch etwa 15 Jahre aufrecht erhalten können – danach ist Schluss.

3. die Meere haben sich dramatisch erwärmt. Die Folge: sie können weniger CO2-speichern als früher. Der Klimawandel beschleunigt sich weiter.

4. die nicht nur russischen Tundraböden tauen auf und setzen nicht nur Methan, sondern auch Millionen Tonnen von Quecksilber frei……

Ich könnte solche Meldungen, wie man sie Anfang des Jahres 2018 oft in den Zeitungen lesen kann, noch lange weiterführen.

Was aber würde sich dadurch verändern? Wenig.
Die Menschen sind mit ihrem Alltag und mit den alltäglichen Aufregern beschäftigt. Um Klimawandel sollen sich mal „die Grünen“ kümmern.

Ich kann so nicht denken. So konnte ich noch nie denken. Mein Denken war immer von der Frage bestimmt, wozu wir in Verantwortung für die kommenden Generationen gerufen sind. Wenn wir nur an uns und unsere Generation denken würden, dann dürften wir in den Tag hinein leben.
Nach uns kommen aber auch noch welche.
Unsere Kinder. Und deren Kinder.

Was für einen Planeten wollen wir unseren Nachkommen eigentlich vererben?
Einen Plastik-Müllplatz?
Leergefischte Meere?
Ein völlig verändertes Klima? Wir haben mit 410 gemessenen ppm mittlerweile eine Atmosphäre, die es zuletzt vor 6 Millionen Jahren gegeben hat.
Unser Körper kennt eine solche Atmosphäre nicht.
Ist das unsere Erbschaft, die wir an Kinder und Enkel weitergeben!?

Ich kann und will das nicht akzeptieren. Deshalb unterstütze ich Netzwerke wie The Elders (gegründet von Kofi Annan) und 350.org (gegründet von Bill McKibben, dem Träger des Alternativen Nobelpreises). Deshalb unterstützte ich Gruppen wie fossil free und #Divest.
Und deshalb gibt es nun das Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org.

Sollen sie Karneval feiern.
Sollen sie immer verrückter werden mit ihrem unprofessionellen politischen Agieren.
Sollen sie sich gegenseitig lähmen mit ihrem kurzfristigen Denken.

Ich gönne mir den Abstand.
Und ich kümmere mich – gemeinsam mit mittlerweile vielen Menschen – um „Fuer-unsere-Enkel.org„.
Wer sich daran beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.

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In der Ruhe liegt die Kraft.

In der Ruhe liegt die Kraft.

Das Jahr neigt sich zum Ende, aber unser Netzwerk wächst weiter.
Klick für Klick. Posting für Posting. Kontakt für Kontakt.
Eine große Klimakonferenz liegt hinter uns, weitere Konferenzen liegen vor den Staaten der Welt.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für unser Thema schwankt und ist sehr verschieden: während großer Konferenzen ist sie relativ hoch, kurz danach schon wieder verschwindend gering. Aber das irritiert uns nicht.
Denn: Entscheidend ist nicht, was in der Zeitung steht, sondern, ob die Emissionen sinken oder steigen. Im Moment steigen sie wieder.
Wir wollen deshalb weiterhin unseren Beitrag leisten, dass sie sinken.
Wie? Indem wir Einfluss nehmen auf die veröffentlichte Meinung. Und so auf die Öffentliche Meinung. Und so auf Parlamente und Regierungen. Egal, ob auf europäischer, nationaler, Länder- oder kommunaler Ebene. Wir tun das mit den Möglichkeiten des Internets, vor allem mit social media.
Noch längst haben Deutschland, Österreich und die Schweiz die für ein 2-Grad-Szenario notwendigen Reduktionsziele nicht erreicht.
Noch längst haben nicht alle Bundesländer und Regionen in unseren drei Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland de-investiert (also die Pensionsrücklagen für ihre Beamten und Angestellten aus fossilen Energie-Investments abgezogen). Noch längst nicht sind alle Landeshauptstädte de-investiert.
Noch längst nicht haben wir in jeder Großstadt einen oder eine Netzwerkerin, die die Sache vor Ort vorantreiben.
Es liegt also sehr viel Arbeit vor uns.
Aber: Wir machen diese Arbeit nicht für uns. Sondern wir machen sie für die Kommenden.
Deshalb können und werden wir unsere Arbeit ruhig, besonnen und konzentriert fortsetzen. Deswegen wollen wir beharrlich, kontinuierlich, und vor allem: systematisch am weiteren Ausbau des Netzwerks arbeiten.
Bundesland für Bundesland, Kanton für Kanton, Region für Region, Stadt für Stadt.
Wir kommen voran. Aber wir können durchaus noch besser werden. Vor allem können wir noch systematischer werden. Gezielter. Genauer. Dazu wird in den kommenden Wochen und Monaten Gelegenheit sein.
Ich will mich nun am Ende des Jahres auch mal bei Euch und Ihnen allen bedanken. Dafür, dass ihr die Idee zum Netzwerk so positiv aufgenommen habt und dafür, dass daraus ein gutes Miteinander geworden ist.
Für unsere Kinder und Enkel.

Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an. Das Netzwerk für Engagierte.


Was tut man als jemand, der sich auf den Ruhestand vorbereitet? Man gründet ein internationales Netzwerk.
„Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an“ soll einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Älteren zu Wort melden können. Denn uns sind unsere Kinder und Enkel nicht egal. Sie müssen schließlich in der Welt leben, die wir ihnen hinterlassen.
Deshalb gibt es nun diese Arbeitsgruppe bei facebook, in der sich jeder einbringen kann, der wirklich aktiv etwas dazu beitragen möchte, dass unsere Kinder und Enkel nicht „ausbaden“ müssen, was wir ihnen hinterlassen.
Die Gruppe startet nun. Von Anfang an international. Wir haben Administratoren für den Bereich der UN, für Deutschland und Österreich, für Marokko und Ägypten. Das ermöglicht von Anfang an einen internationalen Informationsgewinn aus „erster Hand“ und hilft bei der Vernetzung.
Wir wollen möglichst in jedem Bundesland einen Administrator haben, der sich um engere Kontakte zu Seniorenverbänden, -gruppen und aktiven Einzelpersonen bemüht, damit ein politisch wirksames Netzwerk entstehen kann.
Parteiübergreifend.
Konfessionsübergreifend.
Uns verbindet – bei allen politischen und weltanschaulichen Unterschieden – eines: die Sorge um die Welt, in der unsere Kinder und Enkel werden leben müssen.
Deshalb mischen wir uns ein.
Jeder, der aktiv daran teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen.

Tag 20. Erfolge und Stationen


Zwei Tage haben wir gebraucht, um via Internet und social media einen Brief an den Präsidenten der EU-Kommission mit den gewünschten 100% zu unterzeichnen. Die Initiative dazu war von Amnesty International Österreich ausgegangen und Deutschland hat seinen Beitrag geleistet. Ein schönes Beispiel internationaler Kooperation über Grenzen hinweg.
Gleichzeitig aber erreichten uns immer weitere Bilder von den katastrophalen Zuständen in den winterlichen Flüchtlings-Camps in Italien, in Griechenland und in Serbien.
Es geht jetzt darum, die EU-Kommission und die nationalen Regierungen zu einem sofortigen Handeln zu bewegen. Es geht um Nothilfe.
Niemand hat das Recht, Menschen an den Grenzen Europas einfach erfrieren zu lassen.
Noch gibt es keinerlei öffentliche Hinweise darauf, dass sich die europäischen Staats- und Regierungschefs auf eine solche Soforthilfe verständigen wollen.
Aber der Winter wartet nicht. Bei zweistelligen Minusgraden und katastrophalen humanitären Bedingungen zählt jede Stunde.
Die Gruppe, die nach Aleppo geht, ist heute kurz vor Prag eingetroffen.
Der Wegabschnitt lag zwischen Veltrusy und Roztoky u Prahy.
Morgen wird man Prag erreichen. Man wird dort erwartet. Es wird Gespräche geben, Begegnungen, Diskussionen. Das Programm des Tages ist vielfältig.
Der Vernetzungsprozess wird weiter voran gehen. Die Sache wird immer mehr bekannt.
Morgen dann beginnt die neue Woche. Es ist Sonntag.

Da muss man einfach zur Feder greifen und unterstützen.


Es gibt Projekte, die bedürfen einfach der Unterstützung.
Das Zentrum für Folteropfer in Ulm ist so ein Projekt.
Was kann ich tun?
Ich kann zur Feder greifen und auf dieses Zentrum hinweisen.
Ich verbinde das mit der Bitte, sowohl die Homepage als auch die fb-site aktiv zu „teilen“.
Weshalb? Nun, hier wird nicht gehetzt, wie es Mode geworden ist, sondern hier wird geholfen.
Sehr konkret.
Sehr mühsam.
Ehrenamtlich.
Von Profis.
Was dort geleistet wird, erfährt man zum Beispiel in diesem kleinen Artikel.

Die fb-site des Zentrums für Folteropfer hat im Moment (ich schreibe diese wenigen Zeilen am 20.11.2015 abends) 60 likes. Das kann ja wohl nicht wahr sein.
Ich wünsche mit 10.000 likes auf dieser Seite. Das ist nicht zu viel verlangt bei einer Bevölkerung von 80 Millionen, von denen etwa 40 Millionen social media nutzen.
Meine Hoffnung ist auch, dass sich der eine oder die andere findet, vielleicht sogar ein Unternehmer samt seiner Belegschaft, die ihre diesjährige Weihnachtsgabe dem Zentrum zur Verfügung stellen.

social media und Weltkonferenzen. Etwas zur Orientierung im Medien-Dschungel


Havanna Februar 2015 Hafenstraße Malecon. Windstärke 3 an einem normalen TagDie wichtigste bevorstehende internationale Konferenz ist die Welt-Klima-Konferenz vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris.
In Vorbereitung dieser Welt-Tagung ist ein weltweiter Prozess im Gang, an dem sich nationale Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Verbände, Lobby-Gruppen der Wirtschaft und natürlich auch Massenmedien beteiligen.
In den USA findet beispielsweise gegenwärtig ein regelrechter Medien-Krieg um die Deutungshoheit des Wortes „Klimawandel“ (climate change) statt. Gruppen, die sich für De-Investitionen bei fossilen Energien einsetzen und für verstärkte Investitionen bei Erneuerbaren, stehen in scharfer Auseinandersetzung mit denjenigen, die alles beim Alten lassen und vor allem mit fossilen Energien Geld verdienen wollen. Da „climate change“ ein Wahlkampfthema bei den nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlen sein wird, wird auch dieser Auseinandersetzung um die „öffentliche Meinung“ noch weiter an Schärfe zunehmen. Mittlerweile positionieren sich nicht nur Präsidenten und Präsidentschaftsbewerber, sondern auch der Vatikan (die Umwelt-Enzyklika wird Mitte Juni erwartet), sondern auch amtierende und frühere UN-Generalsekretäre. Frankreich hat einen besonderen Ehrgeiz, dass die Konferenz 2015 in Paris „ein Erfolg“ wird. Die Frage allerdings ist, ob es tatsächlich gelingt, ein Abkommen zu erzielen, dass auch die verbindlichen Instrumente zur Erreichung des 2-Grad-Ziels festschreibt. Gegenwärtig ist das mehr als fraglich.
Glücklicherweise ist man bei der Meinungsbildung nicht mehr allein auf die „alten“ Massenmedien wie Fernsehen, Rundfunk oder Zeitungen (print) angewiesen, sondern kann sich zusätzlich dazu mit Hilfe von social media informieren, sich beteiligen, oder sogar Einfluss nehmen. Plattformen wie facebook, twitter, instagram und andere gewinnen jeden Tag mehr an politischem Gewicht. Sie sind blitzschnell und erreichen, wenn sie gut organisiert sind, eine große Schlagkraft rund um den Globus.
Weltweite Kampagnen wie 350.org zeigen, dass solches Engagement Ergebnisse bringt: der größte staatliche Fonds in Norwegen hat letzte Woche entschieden, aus Kohle-Investmehts auszusteigen. (900 Milliarden) Ebenso AXA (divest von 500 Mio; invest von 1,5 Milliarden in Erneuerbare).
In Vorbereitung auf den Paris-Gipfel hat allein twitter einen „blogger-Treffpunkt“ mit mehr als 3.000 bloggern aus aller Welt (Stand 3.6.2015). Unter https://twitter.com/PlaceToBcop21 findet sich die Szene von Wissenschaftlern, Fachjournalisten, Lobbyisten und Kampagneros.
Diese Kommunikation ist möglicherweise entscheidend. Denn via social media kann sich vor allem die Zivilgesellschaft engagiert in die internationale Debatte einbringen.  Das Thema ist auch viel zu wichtig, als dass man es allein der Politik überlassen dürfte.
Die „alten“ Medien verlieren zunehmend an Einfluss bei der Meinungsbildung.
Denn man kann sich nun (das war früher durchaus anders!) via social media direkt an die UN, an den Generalsekretär, an die Organisationen der UN „andocken“, man kann direkt erfahren, was der Vatikan vorhat (was angesichts von über 2 Milliarden Christen weltweit nicht ganz nebensächlich ist); man kann direkt an der Quelle der Information erfahren, was Forschungsinstitute publizieren und man kann eben nun auch tagesaktuell erfahren, wie Teilnehmer der Konferenz den Debattenstand, die Konfliktpunkte, die Streitfragen kommunizieren.
Man ist nun nicht mehr angewiesen auf die Vermittlung durch Journalisten. Das ist neu und das ist wichtig.
Der hashtag machts möglich.
#Paris2015 oder #COP21 bei facebook oder twitter bringen den Überblick.
Lesen und kommentieren muss man allerdings immer noch selbst…..

black out. Etwas vom Versagen


Havanna Februar 2015 Hafenstraße Malecon. Windstärke 3 an einem normalen Tag
Havanna Februar 2015 Hafenstraße Malcon. Windstärke 3 an einem normalen Tag

Unsere gegenwärtigen politischen Systeme sind offensichtlich nicht in der Lage, dieses im Bild sichtbare Problem angemessen zu lösen: Klimawandel. Die wohl größte Herausforderung unseres Jahrhunderts.

Was man hier sehen kann, ist ein „normaler Tag“. Die Prognose beim kompletten Abschmelzen des Grönlandeises sieht einen Anstieg des Meeresspiegels um etwa 6 Meter. Einige Szenarien rechnen gar mit 8 Metern. Noch in diesem Jahrhundert, von dem schon 15 Jahre vergangen sind. Havanna wird im Wasser stehen.
Dieses Bild steht für viel: denn etwa ein Drittel der Menschheit lebt in Hafenstädten in einem Küstenstreifen von ca. 50 Kilometern.
Es besteht dringender Handlungsbedarf. Aber die Klimaverhandlungen kommen nicht voran. Das 2-Grad-Ziel ist ganz offensichtlich nicht mehr zu erreichen. Weil der CO-2-Kreislauf ein träger Kreislauf ist. Selbst wenn man alle Emissionen sofort auf Null stellen würde, würden die Emissionen weiter steigen.
Klaus Töpfer, mit dem ich in Tokyo darüber sprechen konnte, rechnet mit etwa 500 Millionen Umweltflüchtlingen (gegenwärtig hat die Welt etwa 51 Millionen). Deshalb zwingt der Klimawandel zu einer vernünftigen Flüchtlingspolitik. Doch davon ist weltweit nichts zu erkennen. Der Trend heißt: Abschottung. Doch das wird keine Lösung sein.
Wir beobachten weltweit eine Zunahme von Konflikten. Große Länder wie China stecken ein Vielfaches ihrer Umwelt-Ausgaben in Aufrüstung. Auch in Deutschland spricht man über mehr Geld fürs Militär.
Das wird jedoch herzlich wenig helfen, die notwendigen Anpassungen der Infrastruktur nicht nur in den Hafenstädten zu finanzieren…..
Erheblich betroffen ist die Landwirtschaft. Wassermangel auf dem Festland. Wassermangel auf den Inseln. Denn das steigende Salzwasser dringt in die Grundwässer ein und versalzt sie. Dürren verhindern eine Bewässerung der Felder auf dem Festland. Landwirtschaft ist das zentrale Thema für etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Die andere Hälfte lebt bereits in den Mega-Städten dieser Welt.
Ist die Entwicklungszusammenarbeit auf den Klimawandel vorbereitet? Offensichtlich nicht. Wenn, dann nur in ersten Ansätzen. Beispiel: die Gelder, die Mosambique für Entwicklungshilfe erhält, benötigt das Land, um steigende Spritpreise zu finanzieren…..Und ein paar Solaranlagen in ein paar abgelegenen Dörfern werden das Problem auch nicht wirklich lösen – wenn es am Wasser mangelt.
Was wir sehen können: die enorme Herausforderung Klimawandel zeigt ein komplettes Versagen der bestehenden politischen Systeme. Die langsamen Verfahren, denen Politik unterworfen ist; das enge nationalstaatliche Denken – all das verhindert eine sinnvolle und effektive internationale Kooperation, die dringend erforderlich wäre. Weil die Auswirkungen dieser größten Herausforderung unseres Jahrhunderts so hoch komplex sind, dass sie nur in internationaler Arbeitsteilung zu lösen sind. Nationalstaaten allein können das nicht mehr schaffen. Auch die reichsten Länder der Welt können das nicht mehr alleine. Aber von wirklicher, zielgerichteter Kooperation ist weit uns breit nichts oder nur sehr wenig zu entdecken. Was man finden kann zu Hauf: nationalstaatliche Eigeninteressen.
Statt mehr Kooperation erleben wir gegenwärtig mehr Abgrenzung. Exemplarisch zu studieren am Verhältnis Europas zu Russland. Wir erleben also das glatte Gegenteil dessen, was eigentlich erforderlich wäre. Sir Nicolas Stern hat schon vor Jahren eine Zahl genannt: nötig wären Klimaschutz-Investitionen von etwa 5% des BIP.
Wir sind meilenweit davon entfernt.

Gleichzeitig erleben wir, dass neue Handelsabkommen geschlossen werden sollen, die vor allem ein Ziel haben: noch mehr wirtschaftliches Wachstum. Stichworte sind TTIP und andere.
Das bedeutet: noch mehr Emissionen. Denn: eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen ist bislang nicht gelungen. Der zu erwartende Trend heißt also:
noch schneller steigende und noch mehr Emissionen.
Ökologen sagen uns: wir haben es bei den Zerstörungen mit einem exponentiellen Wachstum zu tun. All das ist seit vielen Jahren bekannt, es ist „nichts neues“ (als ob das ein Kriterium wäre!).
Neu ist die Nachricht vom vergangenen Jahr: das Schmelzen des Eises auf der Südhalbkugel ist offenbar unumkehrbar. Da ist ein weiterer Kipp-Punkt erreicht worden.

Deshalb ist für mich die alles entscheidende, zentrale Frage, um die sich aber alle Parlamente und Regierungen herumdrücken: Wie viel ist genug?

Jede Politik, die auf „mehr Wachstum“ setzt, ist eine zerstörerische, antiquierte Politik und den eigentlichen Herausforderungen unseres Jahrhunderts nicht gewachsen.
Viele Menschen sehen diese Entwicklungen mit großer Sorge. Viele fühlen sich ohnmächtig angesichts der hohen Komplexität der beschriebenen Herausforderung. Viele haben resigniert, weil trotz jahrelanger Klimadiplomatie, trotz Demonstrationen und trotz so mancher sinnvoller Gesetzgebung die Emissionen dennoch weiter stark ansteigen und sich das zerstörerische Rad immer schneller dreht. Ich kann solche Reaktionen verstehen.

Weltweit sind glücklicherweise auch andere Entwicklungen zu beobachten: da finden sich Menschen, die sich vom immerwährenden wirtschaftlichen Wachstum verabschieden. Sie leben in Genossenschaften, entwickeln behutsame Tourismuskonzepte, arbeiten an Modellen von besserer wirtschaftlicher Gerechtigkeit, sorgen für mehr fairen Handel, investieren klug. Zaghafte, winzige, erste Ansätze einer dringend notwendigen neuen Ökonomie. Das Internet gibt die Möglichkeit, sich schnell miteinander zu verbinden. Das ist eine Chance. Immerhin.

Allerdings ist wohl eines abzusehen: die bestehenden politischen Systeme, die von Egoismen, Einzelinteressen und „Denken bis zum eigenen Tellerrand“ geprägt sind, werden weiter an Bedeutung verlieren – wenn sie sich nicht dazu aufraffen, die wirklich großen politischen Themen zu fokussieren und gezielt und in internationaler Kooperation anzugehen.
Ich weiß nicht, wozu diese zu beobachtende Entwicklung führen wird.
Ich gestehe aber: meine Skepsis nimmt zu, je älter ich werde. Gerade weil ich das politische Geschäft von innen kenne. Stephe Hawkins hat kürzlich gemeint: wenn es den Menschen nicht gelingt, ihre Aggression (die sich ja auch im immerwährenden wirtschaftlichen Wachstum zeigt!) in den Griff zu bekommen und lebenserhaltend einzusetzen, dann sieht er wenig Chancen für eine gute Entwicklung.

Bedrückend ist dabei vor allem: diejenigen, die für den Klimawandel am wenigsten können, werden am stärksten seine Folgen spüren.
Manchmal stelle ich mir vor, dass die Generation der kommenden Enkel uns eines Tages fragen wird: ihr habt das alles gewusst. Was habt ihr unternommen?
Und dann werden da Tage sein, da wird man noch lauter als jetzt schon einen Internationalen Umwelt-Straf-Gerichtshof fordern, vielleicht ja auch in Den Haag, um diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die dafür Verantwortung trugen. Bei genauem Hinsehen wird sich dann aber schnell zeigen: das sind wir alle mit unseren Erwartungen, unseren Zielen, unserem Alltagsverhalten.
Das, was sich abzeichnet, ist ein black out. Ein komplettes Versagen.
Ich weiß, dass diese Zeilen hier „in den Wind geschrieben“ sind.
Das macht aber nichts. Sie mussten geschrieben werden.