Für unsere Enkel. Zum Stand der Dinge.


Eigentlich hatte ich mir die Sache für den „Unruhestand“ vorgenommen, aber dann doch damit begonnen: ein bundesweites Netzwerk von Seniorengruppen aufzubauen, die sich um das Thema Klimaschutz konkret kümmern.
Weshalb?
Weil die jungen Leute allein damit überfordert sind.
Sie brauchen die Unterstützung der Älteren.
Und die können durchaus etwas beisteuern, denn sie haben Zeit, sie haben Kontakte, sie haben Erfahrung, vielleicht auch Geduld. Manchmal haben sie sogar Geld, aber das ist gar nicht nötig.
Bislang (nach etwa 14 Tagen) ist der Stand der Dinge folgender:
1. Es gibt eine Homepage.
2. Es gibt eine bundesweite facebook-Gruppe, auf der die Landesgruppen-Seiten zusammenlaufen.
3. Es gibt Gruppen-Seiten in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Thüringen (Stand: 12. 7. 2017).
Und die Sache spricht sich von Tag zu Tag weiter herum, neue Leute kommen dazu. Menschen, die nicht nur zuschauen wollen, sondern Menschen, die sich einbringen wollen.
Ganz bequem von zu Hause aus.
Worum geht es? Was ist das Ziel?
Wir müssen so schnell wie irgend möglich aus der Nutzung fossiler Energien aussteigen. Denn Mutter Natur richtet sich ausschließlich nach ihren eigenen Gesetzen.
Dazu gibt es viele Wege.
Abwarten jedenfalls ist kein Weg.
Wohl aber ist das Divestment, der Abzug investierter Gelder aus Kohle, Öl und Gas ein gangbarer Weg.
Mittlerweile sind mehr als 5 Billionen US-Dollar aus fossilen Investments abgezogen. Die Bundesländer Berlin und Bremen sind dabei, der Norwegische Staatsfonds, die ALLIANZ. Insgesamt über 700 Investoren.
Die Finanzwelt orientiert sich neu.
Und das nun entstehende Netzwerk von Senioren-Gruppen (ehemalige Staatssekretäre darunter, ehemalige Abgeordnete, ehemalige Lehrer, Journalisten und Angestellte) wird helfen, dass auch andere Bundesländer, Städte und Unternehmen ihre Investments überdenken und sich neu orientieren.
Ein Anfang ist gemacht.
Und wir kommen schneller voran, als ich das für möglich gehalten hätte.

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Verschont mich mit bunten Bildchen! Werdet konkret


Das kommende Wahlkampf-Jahr wird uns wieder eine Flut von bunten Bildchen bescheren. Die bunten Bildchen interessieren mich aber nicht.
Ich hätte es gern konkreter.
Ich will vor allem von den kandidierenden Parteien zwei Fragen beantwortet haben
1. Ab welchem Jahr werden auch in Deutschland keine Fahrzeuge mehr zugelassen, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden?
Norwegen hat sich festgelegt: dort soll das ab 2025 der Fall sein.

2. Bis wann wird der Bund die Rückstellungen für die Pensionen der Bundesbeamten aus Investments in fossile Energien abgezogen haben?

Von der Beantwortung dieser beiden Fragen werde ich meine Wahlentscheidung abhängig machen.

Selbstverbrennung. Eine Ankündigung


Was einer der weltweit einflussreichsten Klimaforscher pünktlich zum Welt-Klima-Gipfel in Paris in seinem neuesten Buch zu sagen hat, muss man kennen, wenn man sich mit der vermutlich wichtigsten Frage der Gegenwart seriös befassen will.
„Selbstverbrennung“ heißt das nun angekündigte Buch von Prof. Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
Schellnhuber hat die Kanzlerin beraten und die britische Regierung, er hat die Enzyklika von Papst Franziskus voran getrieben und dieser nüchterne Naturwissenschaftler greift nun zu drastischen Worten: „Selbstverbrennung“.
So beschreibt er die gegenwärtige Situation.
Selbst, wenn es gelingen sollte – aber derzeit sieht es überhaupt nicht danach aus – die „2 Grad“ zu halten – selbst dann würde der Meeresspiegel um 6 Meter ansteigen. Das ist die nüchterne Auskunft.
Doch statt auf dem Pfad zu „2 Grad“ befinden wir uns gegenwärtig eher auf einem Pfad, der „3-4 Grad“ erwarten lässt.
Damit sind Konflikte, Flüchtlingsströme und extrem hohe Folge-Kosten vorprogrammiert.
Wenn die Menschheit nicht umsteuert.

Wenn ein Naturwissenschaftler energisch wird, auch energisch in der Wortwahl, dann tut er das nicht ohne Grund.
Denn dann ist derlei energisches Reden not-wendig.

Am 2. November wird dieses wichtige Buch bei C. Bertelsmann erscheinen.
Man kann es jetzt schon bestellen.
Hans-Joachim Schellnhuber. „Selbstverbrennung“.

Vom Ende unseres Wirtschaftssystems. Zum Stand der Debatte


„Post-Wachstumsgesellschaft“ heißt das Stichwort der weltweiten Diskussion um zukunftsfähige Wirtschaftsformen.
Das alte Modell hat ausgedient. Da sind sich die Diskutanten weitgehend einig.
Es hat aus verschiedenen Gründen ausgedient:
1. Die Ressourcen sind erschöpft
2. die „Senken“ sind gefüllt und können nicht noch mehr „Abfall“ unserer Lebens- und Produktionsweise aufnehmen
3. der Klimawandel ist in den Augen vieler, die sich an der Debatte beteiligen „the last challenge“.

Was einmal als „Fortschritt“ daher kam, erweist sich nun als „Stolperstein“.
Die wichtige Frage lautet: ist eine Weltgesellschaft vorstellbar, die eine Ökonomie „ohne Wachstum“ zur Grundlage hat?
Darüber ist – etwa seit der Jahrtausendwende – eine der wichtigsten und interessantesten weltweiten Diskussionen entbrannt.
Klar ist: einfach so weitergehen kann es nicht. Das würde die Erde nicht aushalten.
Die Frage ist also: was denn dann? Gibt es Alternativen? Gibt es ein Entrinnen aus der Sackgasse? Gibt es Ansätze, die Hoffnung machen?
Die Universität Jena hat nun mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Kolleg „Postwachstumsgesellschaften“ eingerichtet, das sich mit eben diesen, nicht einfach zu beantwortenden Fragen auseinandersetzt.
Bei diesem international besetzten Kolleg kann man sich online registrieren und so an der Diskussion teilnehmen.
Dankenswerter Weise haben die Jenaer Professoren eine „kommentierte Literaturliste“ erarbeitet, die es ermöglicht, sich zügig in die gängigen Argumente der überaus spannenden Debatte einzuarbeiten. Man kann das paper in etwa einer Stunde aufmerksam zur Kenntnis nehmen und ist damit in etwa auf dem aktuellen Stand der Debatte.
Wer nicht nur diverse Zeitungsmeinungen ungeprüft weitergeben, sondern sich qualifiziert an der Diskussion beteiligen will, dem sei deshalb dieses Kolleg empfohlen.

Ok. Reden wir vom Geld


5021 Milliarden € hatten die Deutschen im Jahr 2013 auf ihren Sparkonten. Das ist etwa das Zwanzigfache (!) des Jahres 1970.
Schellnhuber Das ist ne Menge. Eine große Menge. Etwa so groß wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Europäischen Union!
Die Frage ist, was die Banken, denen wir unser Geld anvertrauen, die also das Giro- und vielleicht auch ein kleines Sparkonto betreuen, damit machen.
Ich will gar nicht wissen, bei welcher Bank Sie Ihr Konto haben, aber vielleicht wollen Sie ja wissen, was Ihre Bank mit Ihrem Geld so macht? Haben Sie Ihre Bank schon mal danach gefragt? Online-Auskünfte sind ja meist dürftig. Von Ausnahmen einmal abgesehen.
Also: Erster Schritt: ich frage meine Bank, was sie mit meinem Geld eigentlich so tut. In welche Fonds oder Aktien oder Branchen sie investiert. Es mag sein, dass der Kollege am Bankschalter ein wenig irritiert ist über diese Frage, aber das macht ja nichts.

Und dann kann ich mich entscheiden, ob ich das „so lassen“, oder ob ich „das ändern“ will.
Es gibt eine weltweite Kampagne von überwiegend jungen Leuten, die den Hebel für verantwortliches Investment genau an dieser Stelle ansetzt. Unter dem Titel „De-invest“ fordert sie dazu auf, das eigene Geld aus solchen Branchen abzuziehen, die klimaschädliche Investitionen tätigen.

5021 Milliarden € privates Geldvermögen. Nur in Deutschland. Immobilien und anderes sind da noch nicht mitgerechnet.
Darum geht es.

Das Spendenaufkommen in Deutschland betrug im Jahr 2014 knapp 5 Milliarden €, also nur ein Bruchteil der Summe, über die eigentlich zu sprechen wäre.
Es ist erfreulich, dass die Deutschen so viel spenden. Gewiss.
Aber der Hebel, den sie eigentlich in ihren Händen halten, ist größer. Etwa tausendfach größer: 5021 Milliarden.

Schritt 2 ist also: ich kann mir überlegen, ob ich die Bank wechsle und mein Geld einer solchen Bank anvertraue, die nicht an klimaschädlichen Investitionen beteiligt ist. Ich kann entscheiden, ob ich mein Geld aus klimaschädlichen Investitionen abziehe, so, wie es die Kampagne „Deinvest“ tut.
Zu Recht werden in diversen Kampagnen und Zeitungsartikeln, Fernseh- und Radiosendungen klimaschädliche Investitionen kritisiert. Das ist auch einfach. Man muss ja dabei selber nichts tun.
Die Frage allerdings, was ich mit meinen Spargroschen anfange, die muss ich schon selber beantworten. Da wird die Sache konkret.
5021 Milliarden €. Darum geht es.

Egal, wie Sie sich entscheiden. Sie treffen in jedem Fall eine Entscheidung.
Entweder Sie investieren Ihr Geld in die Zerstörung des Planeten, oder in seine Erhaltung.
Sie haben die Wahl.

Angemerkt sei:
natürlich hat auch jede Kirchgemeinde, jede Kommune, jeder Landkreis, jede Universität, jedes Unternehmen, jeder Verein und jede Stiftung die Wahl, wo die Spargroschen anlegt werden. Und wenn die Abgeordneten oder anderen Aufsichtsgremien in einem Kommunalparlament oder in einem Kreistag oder anderswo entscheiden, wie es angelegt werden soll, dann übernehmen auch sie damit Verantwortung.

 

Samstagsfoto


Mobilität
Mobilität

Die Sonne bringt einen schönen Herbsttag, die Luft ist kühl.
Das Foto finde ich bei Google+ und betrachte es lange.
Wohin sind die Menschen auf diesem Bild unterwegs? Wohin entwickeln sich die Städte? Was ist das Ziel von Politik?
Das Bild springt mich an mit solchen Fragen.
„Der helle Wahnsinn“ kommentiert ein Facebook-User das Bild spontan.
Ich weiß von vielen Reisen rund um die Welt, dass über die Hälfte der Weltbevölkerung in megacities lebt. Solche Städte sind nicht selten das Ziel der Wünsche der Menschen, weil sie hoffen, dort ausreichend Nahrung und Arbeit zu finden für sich und ihre Kinder.
Das Bild ist Symbol für die Leistungsgesellschaft westlicher Prägung; Synonym für Industriealisierung, Mobilität, Energieverbrauch, Naturzerstörung, Krieg um letzte Rohstoffe, Massengesellschaft. Das Individuum, der einzelne Mensch – wird zur Nummer, zum Datensatz, zur Kennziffer.
Ist ein solcher Lebensraum ein für Menschen lohnendes Ziel?
Leben Menschen glücklicher in solchen Städten?
„Die Stadt“ ist zum Synonym geworden für eine unkontrollierbare Entwicklung, Synonym für Zerstörung. Der Seelen vor allem.
Die Menschen verlieren den Kontakt zu sich und zur Natur. Lichtsmog und Lärm vernebeln ihnen die Sinne. Sie können nur noch schwer wahrnehmen, was an Reichtum eigentlich da ist.
„Entschleunigung“ ist ein Wort unserer Tage. Auch „Depression“. Die Zahl seelischer Erkrankungen in den Industrienationen wächst stark.
Was wären „Maßstäbe des Menschlichen“?
Lässt sich überhaupt eine Politik denken, die solche Prozesse zu steuern noch in der Lage ist?
Ein hochrangiger Kommunalpolitiker in Neu Delhi sagte mir auf einer Dienstreise: „Diese Stadt kann man eigentlich nicht regieren. Wir wissen ja nicht mal, wo sie anfängt…..“.
Das Bild ist ein Synonym geworden für „noch mehr“, „noch schneller“, „noch gewaltiger“. Ich sehe es in den Tagen, in denen über „Rettungsschirme“ gesprochen wird. Der „Zusammenbruch des Euroraumes“ wird befürchtet, die „Griechenland-Krise“ wirft ihre Schatten.
Das Bild zeigt: wir leben über unsere Verhältnisse. Seit etwa 150 Jahren nutzt man das Auto. In dieser Zeit haben wir mehr als die Hälfte der Rohstoffe durch die Motoren gejagt, die in Milliarden von Jahren in der Erde entstanden sind. Nimmt man das Lebensalter der Erde zum Maßstab und setzt es als vierundzwanzig Stunden bis heute, dann haben wir in den letzten Sekunden verbrannt, was während des ganzen Lebens gewachsen ist. Es ist wie ein Feuerwerk. Der Wahnsinn nennt es „Fortschritt“. Und in den Hirnen vieler Menschen, vor allem in Wirtschaft und Politik, geistert das Wort vom „Wachstum“ immer noch als lohnenswertes Ziel.
Die Prozesse der Naturzerstörung beschleunigen sich.
Aber vielleicht wächst durch die zunehmende Vernetzung der Menschen untereinander durch die neuen sozialen Netzwerke auch ein Bewusstsein dafür, wie sehr wir abhängig sind von der Erde, die unsere Zivilisation trägt. Es ist nur eine vage Hoffnung, denn die Netzwerke werden auch genutzt, um das Wachstum der Wirtschaft noch schneller voran zu treiben.
Auf vielen Dienstreisen rund um die Welt hatte ich oft Gelegenheit, solche Riesenstädte aus der Luft zu sehen – beim Landeanflug auf einen der vielen Flughäfen, die solche Städte oftmals haben.
Fliegt man über Städte wie Tokyo, Delhi, Hongkong, Buenos Aires und andere, kann einen der Gedanke anwehen, als wären diese Städte wie wildwuchernde Krebsgeschwüre auf der Haut der Erde…..
In solche Städte fliegt die Umwelt-Community, um wieder mal eine Konferenz zum Klimaschutz abzuhalten. Man jettet von Großstadt zu Großstadt, um die Welt zu retten. Vergeblich. Denn die Emissionen steigen weiter stark an, die Zerstörung nimmt weiter zu.

Das Bild lässt mich auch ratlos. Denn es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, wie denn diesen Wahnsinn Einhalt geboten werden könnte. Zu vernetzt ist die Zivilisation. Komplex verwoben ist sie. Wenn sich etwas in einem Teil der Erde verändert, verändert sich das gesamte System. Weshalb einfache Antworten nicht mehr möglich sind. Immer wenn ich in politischen Programmen lese „nur so“ sei die Lösung eines Problems erreichbar, blättere ich weiter. Denn „nur so“ ist vereinfachtes Denken, das der Komplexität unserer Welt nicht mehr angemessen ist.

Ein Weg ist natürlich, bei sich selbst zu beginnen und diesen „Wahnsinn“ nicht mehr mitzumachen. Viele Menschen gehen diesen Weg, so gut sie können.
Aber, schaut man auf den Globus, kann man sehen, dass der größere Teil der Weltbevölkerung weiterhin in diese Städte zieht. Umweltzerstörung, Klimawandel, Hoffnung auf ein wenig mehr Nahrung und Arbeit treiben die Menschen hin zum Moloch.

Aus einem Langstreckenflieger oder gar aus dem Weltall können solche Städte auch „schön“ aussehen, wenn sie in der Dunkelheit leuchten. Aber, kaum ist man gelandet, zeigt „die Stadt“ ihre andere Seite.

Es ist Samstag.
Herbst.
Die Sonne wärmt einen schönen Tag.
Die Erde dreht sich weiter um sich selbst und umkreist die Sonne. Politiker reden, Zeitungen schreiben, Musiker spielen, Kinder lachen, Mönche schweigen.
Und die alte Sonne wärmt das alles, gibt Wasser und Brot, wie sie es seit Jahrmilliarden getan hat….

Es ist Krieg – entrüstet Euch! Nachdenken über das Motto der Friedensdekade


Das  Motto klingt anstößig. Frech vielleicht sogar. Klingt in den Ohren schrill.
Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland veranstalten nun schon seit langen Jahren immer im Herbst, kurz vor der Adventszeit, die „Friedens-Dekade“.
Zehn Tage, an denen schwerpunktmäßig die Themenfelder abgeschritten und bedacht sein wollen, die unsere Welt oft so unfriedlich sein lassen.

Ich finde, dieses Motto „Es ist Krieg – entrüstet Euch!“  ist von den Vorbereitungsgruppen für die diesjährige Dekade glücklich gewählt worden.
Denn: es ermöglicht eine breite Diskussion, vielfältige Zugänge, die Wurzeln des Unfriedens freizulegen.

a. Der Zugang zum militärisch verursachten Unfrieden: da fallen mir die vielen militärischen Konflikte und Kriege ein, an denen auch Deutsche beteiligt oder in sie „verwickelt“ sind: Afghanistan, Horn von Afrika, Bürgerkriege in Afrika, Irak etc. Wir haben eine breite Debatte in unserem Land über die Frage, ob es im Januar eine weitere Verlängerung des Mandats für deutsche Soldaten in Afghanistan geben sollte. Ich gehöre zu denen, die für einen schnellstmöglichen Abzug plädieren.

b. Der Zugang zum ökologischen Unfrieden: Wir wissen, daß die Zerstörung der Welt exponentiell wächst, nicht linear. Die Stichworte: Artensterben (ökonomische Schäden von mehreren Billionen Dollar stehen uns bevor, wenn wir nicht umsteuern); Klimawandel: unsere Fachleute im Ministerium, internationale Experten der Klimaforschung, Sicherheitsexperten z.B. des amerikanischen Militärs sagen uns: der Klimawandel ist die Herausforderung schlechthin, vor der die Menschheit steht.  Der Stern-Report von Sir Nicolas Stern hat ökonomisch vorgerechnet, weshalb schneller und wirksamer Klimaschutz nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist: wir könnten die Schäden nämlich nicht mehr bezahlen und die Folgen für den Globus wären, was zunehmende Kriegsgefahren, Völkerwanderungen (Klimaflüchtlinge) etc. anbetrifft nur noch von den „reichen“ Staaten zu bewältigen.

c) Der Zugang zum sozialen Unfrieden: die Konflikte zwischen Arm und Reich nehmen zu. Bildungsarme Schichten gegen Bildunseliten; einkommensarme Schichten gegen eine kleine Gruppe von Menschen, die man zu den „Superreichen“ zählt – die sozialen Spannungen wachsen. Bei uns im Land und im globalen Maßstab. Die Ursachen sind zahlreich, Lösungen nicht einfach.

c) Der Zugang zum Unfrieden in der Sprache. Es fällt auf, daß in unserer von Massenmedien (wozu ich auch das Internet und Web 2.0 zähle) geprägten Welt die Bereitschaft zur gewaltsamen Sprache zunimmt.
Solche Sprache ist Folge gewaltsamen Denkens. Und Folge der gewaltsamen Sprache ist Gewalt in der Gesellschaft.

Dies deutet darauf hin, daß in unserem Inneren offenbar etwas nicht mehr „stimmt“: woher kommt die Bereitschaft zu zunehmend gewaltsamem „Denken“ – zu gewaltbereiter, unüberlegter Sprache und in der Folge zur Gewaltbereitschaft auch im Tun?

Wir werden also durch das Motto der Dekade auch auf die seelischen Prozesse hingewiesen, die in uns ablaufen und unser Tun bestimmen.

Ein sehr breiter Fächer tut sich auf, in diesen Tagen im Herbst 2010 gründlich inne zu halten, nach- zu denken. Neue Wege zu entdecken.

Damit wir friedlicher werden.

Im Denken.
In der Sprache.
Und im Tun.

Mich hat der Ökumenische Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung politisch geprägt. Ich bin sozusagen „zu Hause“ in diesen Themen. Der Prozess hat mich eines Tages gar in die Politik geführt.
Es ist gut, wieder inne zu halten. Zu stoppen für 10 Tage. Das Nach-Denken zu üben.

Damit wir nicht Wege weitergehen, die sich als falsch herausgestellt haben.