Leben in zwei Systemen. Kapitel 2. Umwelt


Es wird wohl ein „Wörterbuch“ werden. Ein Wörterbuch als Ordnungsprinzip, um das viele erlebte Material aus dreißig Jahren Diktatur und knapp dreißig Jahren Bundesrepublik handhabbar zu machen. Ein solches Wörterbuch ist auch deshalb sinnvoll, damit wir zunächst einmal klären, was wir denn eigentlich meinen, wenn wir ein Wort sagen. Worte sind gefüllt mir Erfahrung, gefüllt mit Erlebtem. Der Kontext gibt einem Wort einen Teil seiner Bedeutung. Deshalb ist Sorgfalt beim Wort nicht egal. Die Verwendung vieler Worte war zu Zeiten der Diktatur nämlich durchaus völlig verschieden von der Nutzung heutzutage. So eine Wort-Klärung kann zudem jüngeren Menschen helfen, genauer zu verstehen, was ein Leben in der Diktatur bedeutet hat. Dass alle die nun folgenden Beiträge streng persönlich sind, hatte ich im Teil I ja schon notiert.
Nun also „Umwelt“.
Dass wir Kinder in einem Pastorenhaushalt in der DDR zu den Privilegierten insofern gehörten, als wir Zugang zu Literatur hatten, hatte ich in Teil I ja schon berichtet. Deshalb konnten wir zum Beispiel „Die Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome 1972) lesen. Und wir lasen. Und zwar gründlich. Der „Acker“ war nämlich schon gut vorbereitet, wir waren schon als Jugendliche aufmerksam ausgerichtet auf die globalen Fragen. Unsere politische Bildung bezogen wir in der Familie vom SFB und vom Deutschlandfunk, manchmal auch vom RIAS. Vor allem die politischen Features vom SFB halfen uns, den Blick weltweit offen zu halten, obwohl wir hinter dem Zaun festsaßen. Ich erinnere mich gern an die „Abende am Radio“, bei denen wir diese Sendungen hörten.
„Ihr seid über vieles bei uns besser informiert als wir“ – sagten uns West-Besucher deshalb nicht selten.
Wer „Die Grenzen des Wachstums“ aufmerksam las, konnte sehen, dass eine Politik, die auf Wachstum ausgerichtet war, nicht mehr länger zielführend sein konnte. Das galt in West, aber auch in Ost, denn auch der Osten war auf Wachstum ausgerichtet. Und eben das führte zum Konflikt.
„Umwelt“ war in der DDR ein hochpolitisches Wort. Wer sich mit Umweltfragen befasste, wurde beobachtet. Denn Umweltprobleme gab es offiziell nicht.
Jeder sah, dass es stank in Merseburg; jeder sah die Schaumteppiche, die die Saale von Saalfeld herabgezogen kamen – aber Umweltprobleme gab es nicht.
Der Ruß aus dem Heizkraftwerk in Jena-Winzerla kam sogar durch die geschlossenen Doppelfenster in meine Wohnung in der Johannisstraße 14 im Zentrum der Stadt, aber ein Umweltproblem gab es nicht – das teilte uns jedenfalls der damalige Oberbürgermeister Spahn beim jährlichen Staat-Kirche-Gespräch offiziell mit. Wir wussten aber von Kirchenältesten, die im Heizkraftwerk arbeiteten, was dort tatsächlich vor sich ging.
Wer sich mit den „Ereignissen um die Umweltbibliothek in Berlin“ einmal befassen will, kann das googlen, ich erspare mir deshalb hier einen Exkurs. Man sieht aber auch an diesem Beispiel: Umwelt war ein hochpolitisches, aufgeladenes Wort und jeder, der sich wirklich vom Staat unabhängig eine fundierte Meinung bilden wollte, war sofort verdächtig. Es mangelte zum Beispiel an verlässlichen Informationen, vor allem an Messdaten. Umweltinformationsdienste waren geheim und nur „den staatlichen Stellen“ vorbehalten.
Ich gründete deshalb, als ich im Stadtjugendpfarramt in Jena meinen Dienst als Jugendpastor begann, gleich zu Beginn einen „Arbeitskreis für Umweltfragen beim Stadtjugendpfarramt“. Die Stasi-Akte hat gut protokolliert, was wir damals unternahmen. Aus heutiger Sicht völlig harmlose Aktionen waren das. Zum Beispiel fertigten wir in meinem fensterlosen Badezimmer Fotopostkarten an, auf denen ein Zentraler Platz in Jena abgebildet war, auf dem Bäume standen. (in Wahrheit gabs da keine Bäume, nur Beton). Von diesen Postkarten fertigten wir 250 Stück an und klemmten sie den dort parkenden Autos hinter den Scheibenwischer. Die Botschaft war simpel: „pflanzt endlich ein paar Bäume ins Stadtzentrum, dieser Platz ist viel zu heiß und staubig“.
Die Aufregung bei der Stasi war erheblich.
Heute lächle ich über diese Dinge, weil sie, gemessen an der eigentlichen Aufgabe, wirklich harmlos waren. Aber: unsere Möglichkeiten waren auch sehr begrenzt. Kopierer hatten wir nicht. Fotos auf Matrizen vervielfältigen ging technisch nicht – also blieb die Vervielfältigung mit dem Fotoapparat.
Das, was wir an Literatur zur Verfügung stellen konnten, stellten wir Kirchenleute zur Verfügung. Einige jedenfalls taten das: sie öffneten ihre Bibliotheken. Umwelt-Bibliotheken entstanden. Nicht nur in Berlin. Auch in Jena und in anderen Städten.
Das „Kirchliche Forschungsheim“ in Wittenberg war besonders wichtig, um die zaghaften kleinen Umwelt-Gruppen, die „im Raum der Kirche“ angefangen hatten, zu sammeln und weiterzubilden. Auch das „Kirchliche Forschungsheim“ unter Leitung von Dr. Hanspeter Gensichen war der Obrigkeit selbstverständlich ein Dorn im Auge. Die einschlägigen Akten berichten davon. Es ging ganz fix, dann war einer, der sich um Umweltfragen kümmerte, ein „Staatsfeind“ und wurde entsprechend behandelt.
Was geblieben ist aus jenen Jahren ist die Einsicht: wer sich wirklich gründlich mit Umweltfragen befasst, stößt sofort auf staatlichen Widerstand. Und auf den Widerstand der Konzerne natürlich, die mit dem Verkauf von schmutziger Energie ihr Geld verdienen.
Weil ein Staat, der auf Wachstum aus ist, in seinen Grundfesten angefragt wird, wenn man über wirklichen Umweltschutz redet. Zu „Ost-Zeiten“ (auch so ein terminus, der erst nach der „Wende“ entstanden ist) befassten wir uns mit schmutzigen Gewässern, schmutziger Luft, chemischen Rückständen. Von „Klimawandel“ etc. war noch keine Rede. Das kam erst noch.
Zu „Ost-Zeiten“ gabs noch keinen „Klimawandel“. Die Kohle-Kumpel jedenfalls kämpften in jedem Winter in den Braunkohletagebauen einen „heldenhaften Kampf“ zur „Versorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen“. Wer sich mal Zeitungsberichte einer beliebigen Zeitung aus einem beliebigen Wintermonat daraufhin anschaut, der sieht sofort, wie existentiell die Versorgung mit Braunkohle für die gesamte DDR-Wirtschaft war.  Wer über „Kohle“ sprach, sprach über Politik und zwar über die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, über den ökonomischen Kern der DDR also. Und die „Kumpels in der Kohle“ waren entsprechend „Helden“.
Das muss man wissen, wenn man den Widerstand, der heutzutage zum Beispiel im Lausitzer Revier gegen die Schließung von Braunkohlekraftwerken vorhanden ist, verstehen will.
Also: dass es der Umwelt schlecht geht – das galt schon damals nach Ansicht des „Staates“ als „persönliche Meinung“ und war in seinen Augen von Objektivität meilenweit entfernt. Wer sich wirklich für Umweltschutz engagierte, war gefährlich.
Nun aber waren da die Kirchengemeinden, die sich in kleinen Lesegruppen und -zirkeln nicht beirren ließen und lasen. Die sich Informationen beschafften bei Treffen mit Partnergemeinden zum Beispiel. Die sich vernetzten. Die wenigen Treffen der Umwelt- und Friedensgruppen in der DDR waren entscheidend für den Informationsaustausch und sie haben ihren wirksamen Beitrag geleistet für den Fall der Mauer.
Was die Weltkirche anbetraf – da war der „Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ der Maßstab, der insbesondere die frühen achtziger Jahre bestimmte. Nicht wenige Gruppen konnten sich innerhalb dieses Prozesses sehr gut international verknüpfen und die Delegierten, die an den internationalen Treffen teilnehmen durften (nicht jeder durfte ausreisen, um an einer solchen Tagung teilzunehmen…..), waren begehrte Gesprächspartner nach ihrer Rückkehr.
Unter dem „Dach der Kirche“ fand also einiges statt.
Ich weiß vom VEB Carl Zeiss Jena, dass es auch innerhalb großer Kombinate wie dem Zeiss-Kombinat  im kleinsten Kreise  einiger Kollegen kritische Gespräche gab. Wurde man jedoch dabei erwischt und denunziert, war die Karriere in Gefahr.

Nun, etliche Jahrzehnte später, drückt uns nicht nur das Thema „Klimawandel“ und „Plastik“, sondern „Überfischung der Meere“ und vieles andere, weil die großen Volkswirtschaften unübersehbar tatsächlich an ihre „Grenzen des Wachstums“ gekommen sind. Mehr geht nicht.
Man hatte schon in den siebzigern davor gewarnt. Die Warnungen wurden in den Wind geschlagen. In Ost und in West.
Würden alle Menschen der Welt so leben, wie wir Deutschen, bräuchte man dreieinhalb Erden. Wir wissen das. Aber wir machen einfach weiter.
Das kann aber nicht funktionieren. Unser Lebensstil kann kein Maßstab sein, weil er mehr verbraucht, als da ist.
Wenn wir über die gegenwärtigen, verschärften ökologischen Themen sprechen, über Klimawandel beispielsweise, über „Energiewende“, über „Kohleausstieg“ – dann reden wir über Weltwirtschaft. Der Blick ist sofort global. Das wussten wir schon lange. Das wissen wir schon lange. Und dennoch wird
putzigerweise wird ökologisch, d.h. global denkenden Menschen heutzutage nicht selten ein „Tunnelblick“ vorgeworfen, wenn sie darauf hinweisen, dass beim Thema „Klimawandel“ die Existenz der Menschheit auf dem Spiele steht.
Dabei geht es um das glatte Gegenteil, als um einen „Tunnelblick“. Es geht darum, den kleinkarierten Blick auf die eigene Umgebung, auf die eigene Nation und die eigene Volkswirtschaft endlich zu weiten und die Zusammenhänge anzuerkennen.
Aber noch immer werden diese Zusammenhänge geleugnet. „Was kann denn Deutschland schon beitragen zum weltweiten Klimaschutz?“ so fragen diejenigen, die partout nichts ändern wollen.
Oder sie sagen: „Früher war es auch schon heiß. Es gibt keinen Klimawandel.“
Oder sie sagen: „Dass ein erhöhter CO2-Ausstoß seit der Industrialisierung für den sich immer stärker beschleunigenden Klimawandel verantwortlich ist, ist „ihre persönliche Meinung“.
Wissenschaftliche Grundlagenforschung, wissenschaftliche gesicherte Erkenntnisse werden als „persönliche Meinung“ abgetan. Mir kommt das sehr bekannt vor.
Das ganze ist jedoch nicht banal, denn es findet organisiert statt.
Die Interessenkonflikte liegen ja offen auf der Hand. Da sind diejenigen, die eine einigermaßen intakte Umwelt sich selbst und für ihre Kinder wollen und da sind andere, die zum Beispiel mit Kohle Geld verdienen. Dieser Konflikt muss jetzt zügig entschieden werden. Der Worte sind nämlich genug gewechselt.
Wir haben nämlich ein wirkliches Problem: trotz aller Umweltkonferenzen und Umweltabkommen steigen die Emissionen.
Es besteht die große Gefahr, dass sich nach fast 50 Jahren „Die Grenzen des Wachstums“ die politischen Parteien aus dem Kampf gegen den Klimawandel verabschieden mit dem Argument: nun ist es zu spät.
All die Jahre, die ich nun mittlerweile mit dem Thema verbracht habe – anfangs als junger Pastor mit interessierten jungen Menschen, später als Bundestagsabgeordneter (ich erinnere mich sehr gern an jenen Tag, als wir mit Dr. Hermann Scheer und Hans-Josef Fell und anderen die Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes endlich politisch durchsetzen konnten und gefeiert haben) und Mitglied der Energie-Enquete und noch später als Staatssekretär im Bundesforschungsministerium (Energieforschung!) und im Bundesverkehrsministerium (Verkehrswende, neue Antriebe!) – all die Jahre haben mir vor allem eines gezeigt: unser Engagement war nicht ausreichend, nicht entschlossen genug, nicht entschieden genug.
Denn trotz aller Anstrengungen, trotz aller Beschlüsse, Gesetze und Entscheidungen: die Emissionen steigen dramatisch schnell an.
Nicht nur bei uns, überall auf der Welt.
Wir haben nicht mehr viel Zeit. Zehn Jahre vielleicht. Wahrscheinlich sind es weniger Jahre, um das Ruder noch herumzureißen.
Die britische staatliche Meteorologie-Agentur rechnet damit, dass die besonders gravierenden 1,6 Grad Temperaturanstieg in den kommenden vier Jahren erreicht werden. 1,6 Grad – das bedeutet dass ein weiter „tipping point“ kippt: das Abschmelzen des Grönlandeises wird bei plus 1,6 Grad unumkehrbar.

Nach all den Jahren bin ich nun seit Anfang des Jahres im „Ruhestand“.
Aber ich mache weiter mit dem Thema.
Was unter den Bedingungen der Diktatur auch mit Mitteln der Staatssicherheit bekämpft wurde, was unter den Bedingungen der offenen Gesellschaft belächelt oder als „persönliche Meinung“ abgetan wird, das muss endlich „geregelt“ werden. Und zwar so, dass kommende Generationen auch noch leben können.
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Mitglied im Club of Rome, mit dem ich in der Energie-Enquete zusammengearbeitet habe und der mein Kollege in der Fraktion war, hat kürzlich öffentlich gemeint:
„Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann werden unsere Kinder und Enkel nichts mehr zu lachen haben, wenn sie denn überhaupt überleben können.“
Deshalb gibt es nun „Fuer-unsere-Enkel.org„. Ein internationales Netzwerk von Menschen, die nicht vor der Zeit aufgeben wollen.

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Egoismus kann man nicht essen

Egoismus kann man nicht essen

Status update:
Frau Merkel ist knapp zur Kanzlerin gewählt, Stephen Hawking ist gestorben, Trump kündigt seinem Außenminister per twitter und die britische Universität East Anglia veröffentlicht gemeinsam mit dem WWF eine Studie, wonach bis zum Jahre 2080 (das ist schon übermorgen) jede zweite (!) Tier- und Pflanzenart ausgestorben sein wird – wenn der Klimawandel so ungebremst weiter geht, wie gegenwärtig.

Gestern hatten sich 22 Nationale Akademien der Wissenschaften mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort gemeldet: der Klimawandel sei derart besorgniserregend, dass höchster Handlungsbedarf bestehe. Die Grundlagen des Wirtschaftens seien in Gefahr.

In diesem Februar ist der Nordpolarwirbel zusammengebrochen, was dazu führt, dass extreme Kälte-Einbrüche bis tief nach Europa vordringen können. Der Nordpolarwirbel ist stark, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Nordpol und Äquator hoch sind. Wird es aber warm am Nordpol, schwindet der Temperaturunterschied und der Wirbel wird schwächer und kann die extreme Kaltluft nicht mehr im Norden halten – es wird kälter im Norden Europas.
Klimaforscher, insbesondere Eis-Spezialisten hatten in den zurückliegenden Tagen vielfach auf die Katastrophe am Nordpol hingewiesen. Es ist extrem warm dort, das Winter-Eis war nie so gering wie in diesem Winter.

Das IPCC wird dreißig Jahre. Seit dreißig Jahren dokumentiert diese Welt-Agentur das Versagen der Politik in Sachen Klimawandel. Trotz aller Konferenzen und Papiere steigen die Emissionen, nehmen die Schäden dramatisch zu.

Je länger ich diese Entwicklungen wahrnehme und beobachte, um so klarer frage ich mich, ob es noch gelingen kann, den Klimawandel zu mildern.
Im Moment deutet rein gar nichts darauf hin.
China investiert zwar sehr viel in Erneuerbare Energien, schickt sogar die Armee zum Aufforsten, Ägypten beginnt die größte Solaranlage der Welt zu bauen – die Erneuerbaren treten ihren Siegeszug an – aber die Emissionen sinken dennoch nicht. Weiterhin wird viel zu viel mit Kohle, Öl und Gas gearbeitet. Der auftauende Permafrost setzt zusätzlich Methan frei. Der Klimawandel ist in einem Stadium angekommen, in dem wesentliche Kipp-Punkte bereits überschritten sind – eine sich selbst verstärkende Entwicklung ist in Gang gekommen.

Es deutet im Moment rein gar nichts darauf hin, dass „die Politik“, also UNO, große Nationalstaaten und Bündnisse wie die Europäische Union eines ist, in der Lage wären, die größte Herausforderung des Jahrhunderts auch nur in Ansätzen adäquat zu lösen. Man agiert viel zu unentschieden, vertagt in Komissionen (so wie in Deutschland der dringend notwendige Kohle-Ausstieg in Komissionen verschoben wurde), entscheidet nichts – und die Temperaturen steigen weiter.

Die Institute warnen. Große Nationale Akademien und ihre Zusammenschlüsse warnen. Die Messwerte sind völlig eindeutig.
Aber die Politik ist gelähmt.

Professor Hans-Joachim Schellnhuber fragt am Ende seines enormen Buches „Selbstverbrennung“ nach der Hoffnung.
Die lässt sich nur sehr schwer begründen. Es gibt allerdings zaghafte Lichter am finsteren Horizont: die weltweite Divest-Bewegung macht Fortschritte, überall gründen sich Netzwerke wie Fuer-unsere-Enkel. org oder 350.org oder The Elders. Die Zivilgesellschaft organisiert sich.

Nur: die entscheidende Frage ist die nach der menschlichen Aggressivität, da hat Stephen Hawking völlig Recht.
Wenn es uns nicht gelingt, die menschliche Aggressivität und den menschlichen Egoismus zu überwinden, dann hat die Menschheit keine Chance, so seine Mahnung.
Denn, wenn jede zweite Art bei Pflanzen und auch bei Tieren in etwa 60 Jahren ausgestorben sein wird, dann wird man sehen: Egoismus kann man nicht essen.

„Selbsternannte Umweltschützer“. Etwas von der Sprache

„Selbsternannte Umweltschützer“. Etwas von der Sprache

Es handelt sich um ein Schimpfwort. So jedenfalls ist es gedacht.
„Selbsternannt“ ist jemand, der kein Mandat hat.
Das ist jemand, der nicht befugt ist; einer, der sich etwas anmaßt.
Ein „selbsternannter Umweltschützer“ ist also jemand, der sich anmaßt, die Umwelt zu schützen.
Das ist einer, der nicht befugt ist, die Umwelt zu schützen.
Das ist einer, der kein Mandat hat, die Umwelt zu schützen.

Das ist der Sinn der abfällig gemeinten Rede vom „selbsternannten Umweltschützer“.
Diese Rede wird von Menschen vorgetragen, denen unbequem ist, was diese „selbsternannten Umweltschützer“ vortragen.
Es dient der eigenen Abwehr.

Wenn diese „selbsternannten Umweltschützer“ zum Beispiel verlangen – und sie verlangen es weltweit, sie verlangen es in den Kirchen und in den Parteien, sie verlangen es in Parlamenten und außerhalb von Parlamenten, sie verlangen es auf Straßen und Plätzen dieser Welt – wenn sie also verlangen: „hört mit der Verstromung von Braunkohle endlich auf! Braunkohle ist die fossile Energiequelle mit den meisten CO2-Emissionen und deshalb besonders schädlich für unser Klima!“
Dann ärgert solche Rede selbstverständlich jemanden, der zum Beispiel mit der Braunkohle sein Geld verdient.

Es handelt sich also um einen Konflikt. Es handelt sich um gegensätzliche Interessen.
Der eine will in Ruhe sein Geld verdienen.
Der andere will, dass die Naturzerstörung weniger wird.

Der eine weist darauf hin, dass die Nutzung der fossilen Energieträger in den zurückliegenden 200 Jahren einerseits gesellschaftlichen Reichtum erzeugt, andererseits aber auch die Stabilität des Klimas zerstört hat – was katastrophale Folgen vor allem für die Menschen hat und haben wird.
Der andere erkennt, dass er auf verlorenem Posten steht, wenn er weiter an der Kohleverstromung festhält und er geht zum Angriff über:
ihr Umweltschützer, ihr seid ja nur „selbsternannt“. Ihr habt kein Mandat. Ihr dürft das gar nicht tun, was ihr tut. So geht seine Rede.

Das ist eine sinnlose Rede. Denn natürlich hat jeder, der sich für den Schutz der Umwelt einsetzt ein Mandat.
Und das ergibt sich zunächst aus seinem Gewissen.

„Wir dürfen unser Gewissen nicht länger betrügen, wenn es um Entscheidungen über die Umwelt geht“ sagt die Enzyklika „Laudato Si“ deshalb völlig zu Recht.

Ein zweites tritt hinzu: Wer sich den biblischen Texten verpflichtet weiß – und das sind weit über eine Milliarde Menschen auf der Welt – , der kennt einen der ältesten Texte unserer Tradition. Der handelt vom Menschen. Vom Menschen wird gesagt, er sei auf dieser Welt „wie in einen Garten gesetzt“. Und seine Aufgabe in diesem Garten bestehe darin, „ihn zu pflegen und zu bewahren.“ (Genesis 2).

Daraus ergibt sich ein zwingendes Mandat.
Uns gehört diese Erde nicht.
Aber sie ist uns anvertraut.
Damit wir sie pflegen und bewahren.

Und zwar für diejenigen, die nach uns kommen. Und das ist der dritte Bezug, der zum Auftrag führt, sich um den Schutz der natürlichen Grundlagen des Lebens zu kümmern. Es geht um das Recht der Kinder und Enkel.
Wir haben kein Recht, die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel zu zerstören. Dafür hat niemand ein Mandat.

Deshalb muss es ein schnelles Ende haben mit der energetischen Nutzung fossilen Energieträger, zu allererst der Braunkohle.

Denn diejenigen, die das Klima weiter zerstören, die haben dafür nun wirklich kein Mandat.

Für unsere Enkel. Wie geht es 2018 weiter mit dem Netzwerk?

Für unsere Enkel. Wie geht es 2018 weiter mit dem Netzwerk?

Das Jahresende 2017 ist von gegensätzlichen Trends bestimmt:
Einerseits hatten wir in Deutschland den höchsten Anteil Erneuerbarer Energien im Strommix,
andererseits erreicht Deutschland sein Klimaziel 2020 nicht, wenn es in diesem langsamen Tempo weitermacht.

Einerseits wuchsen die Schäden durch klimabedingte Naturkatastrophen weltweit rasant (die Schweizer Rückversicherung spricht von einer Verdoppelung gegenüber 2016)
andererseits erreichte die weltweite #Divest-Bewegung starke neue Unterstützung. Im Dezember 2017 teilte die Weltbank mit, man werde ab 2019 nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren und New York teilte mit, es werde 200 Milliarden seiner Pensions-Rückstellungen aus den Fossilen Energien abziehen. Ein gewaltiger Schritt.

Einerseits steigen die Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz weltweit (insbesondere in China. Dort will man Weltmarktführer werden)
Andererseits genügen die Klimaschutzmaßnahmen weltweit bei weitem nicht. Bei dem bisherigen Tempo haben wir in 70 Jahren plus 4 oder mehr Grad Durchschnittstemperatur – das wäre katastrophal.

Einerseits ist unser Netzwerk Für-unsere-Enkel.org sehr gut gestartet (erst im Herbst 2017 ging es los). Unsere Arbeit auf facebook ist gut in Gang gekommen. Auch die facebook-Gruppen sind aktiv.
Andererseits sind noch die allermeisten Kommunen in Deutschland ohne #Divestment. Sie investieren also immer noch in eine Beschleunigung des Klimawandels, statt ihn zu bekämpfen.

Unsere Pläne für 2018 sollen angesichts dieses Befundes realistisch und erreichbar bleiben.
Ich wäre sehr zufrieden, wenn wir am Ende des Jahres 2018
1. in jedem Bundesland eine wirklich gut arbeitende Gruppe für unser Netzwerk hätten.
2. in jeder Landeshauptstadt mindestens eine kleine Redaktionsgruppe für unser Netzwerk arbeiten würde.
3. Möglichst in jedem Landkreis mindestens ein Redakteur für unser Netzwerk tätig wäre.
Das Ziel ist klar:
Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Bundesländer, die Kommunen, die Landkreise, die Kirchen, die Gewerkschaften, die großen und kleinen Verbände und Stiftungen Schritt für Schritt (es dürfen ruhig schnelle und große Schritte sein) ihr Geld aus den Fossilen Energien abziehen.

Die jungen Leute alleine werden diese große Aufgabe nicht schaffen.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Ein Anfang ist gemacht. Daran lässt sich anknüpfen im Jahre 2018.
Jede und jeder, der sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.

In der Ruhe liegt die Kraft.

In der Ruhe liegt die Kraft.

Das Jahr neigt sich zum Ende, aber unser Netzwerk wächst weiter.
Klick für Klick. Posting für Posting. Kontakt für Kontakt.
Eine große Klimakonferenz liegt hinter uns, weitere Konferenzen liegen vor den Staaten der Welt.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für unser Thema schwankt und ist sehr verschieden: während großer Konferenzen ist sie relativ hoch, kurz danach schon wieder verschwindend gering. Aber das irritiert uns nicht.
Denn: Entscheidend ist nicht, was in der Zeitung steht, sondern, ob die Emissionen sinken oder steigen. Im Moment steigen sie wieder.
Wir wollen deshalb weiterhin unseren Beitrag leisten, dass sie sinken.
Wie? Indem wir Einfluss nehmen auf die veröffentlichte Meinung. Und so auf die Öffentliche Meinung. Und so auf Parlamente und Regierungen. Egal, ob auf europäischer, nationaler, Länder- oder kommunaler Ebene. Wir tun das mit den Möglichkeiten des Internets, vor allem mit social media.
Noch längst haben Deutschland, Österreich und die Schweiz die für ein 2-Grad-Szenario notwendigen Reduktionsziele nicht erreicht.
Noch längst haben nicht alle Bundesländer und Regionen in unseren drei Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland de-investiert (also die Pensionsrücklagen für ihre Beamten und Angestellten aus fossilen Energie-Investments abgezogen). Noch längst nicht sind alle Landeshauptstädte de-investiert.
Noch längst nicht haben wir in jeder Großstadt einen oder eine Netzwerkerin, die die Sache vor Ort vorantreiben.
Es liegt also sehr viel Arbeit vor uns.
Aber: Wir machen diese Arbeit nicht für uns. Sondern wir machen sie für die Kommenden.
Deshalb können und werden wir unsere Arbeit ruhig, besonnen und konzentriert fortsetzen. Deswegen wollen wir beharrlich, kontinuierlich, und vor allem: systematisch am weiteren Ausbau des Netzwerks arbeiten.
Bundesland für Bundesland, Kanton für Kanton, Region für Region, Stadt für Stadt.
Wir kommen voran. Aber wir können durchaus noch besser werden. Vor allem können wir noch systematischer werden. Gezielter. Genauer. Dazu wird in den kommenden Wochen und Monaten Gelegenheit sein.
Ich will mich nun am Ende des Jahres auch mal bei Euch und Ihnen allen bedanken. Dafür, dass ihr die Idee zum Netzwerk so positiv aufgenommen habt und dafür, dass daraus ein gutes Miteinander geworden ist.
Für unsere Kinder und Enkel.

Für unsere Enkel. Ein Aufruf an die „jungen Alten“.


Klimawandel und Klimaschutz sind keine Themen der Jugend allein. Denn die Entscheidungen fallen jetzt. Aber die Kinder und Enkel müssen die Folgen tragen. Wenn wir jetzt nicht schnell aus Kohle, Öl und Gas aussteigen – dann werden die Kinder, die in diesem Jahr geboren werden, eine Welt vorfinden, die man niemandem wünschen kann. Deshalb gibt es nun die Gruppe “Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an”. https://www.facebook.com/groups/156…
Jüngere Ruheständler, Pensionäre, ehemalige Beamte, ehemalige Berufssoldaten und Polizisten, die Lehrer im Ruhestand, die Ingenieure, Künstler, die ihre aktive berufliche Zeit hinter sich haben – sie sind gemeint und angesprochen.
Menschen zwischen 60 und 75 Jahren.
Menschen mit Lebenserfahrung.
Menschen mit Kontakten.
Menschen mit materiellen Ressourcen.
Menschen mit Zeit.
Menschen, die nichts mehr “riskieren”, wenn sie den Mund aufmachen.
Die Jüngeren brauchen uns.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Deshalb gibt es nun die Gruppe “Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an”.
Wir arbeiten in dieser Gruppe mittlerweile mit sieben Administratoren in drei Ländern, Schwerpunkt ist Deutschland.
Unser Ziel ist es, ein Netzwerk von aktiven Senioren-Gruppen aufzubauen, die bereit sind, ihre Verantwortung zu tragen.
Auch in den USA (The Elders Climate Action https://www.facebook.com/eldersclimateaction/) und in anderen Ländern beginnen die “jungen Alten” sich zu organisieren.
Sie gründen Gruppen, nutzen ihre Clubs und ihre Treffen, nutzen ihre Netzwerke. Und sie mischen sich ein.
Sie stehen national und international über social media mit anderen Menschen in Verbindung, die genau so denken und handeln.
Für einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern.
Für Divest – also den Abzug von Geldern, die z.B. in Pensionsfonds der Kommunen liegen und bislang in “schmutzige Energie” investiert wurde.
Fühlen Sie sich eingeladen.

#Divest. Oder: ein Kapitel über intelligente Politik.


Die weltweite #Divest-Bewegung ist eine der intelligentesten Kampagnen, die ich kenne. Deshalb beteilige ich mich gern.
Die Bewegung ist an Universitäten entstanden und wird breiter und breiter. Diese Bewegung wächst schnell, weil sie konkrete, erreichbare Ziele hat und weil sie Fortschritte macht.  Überall auf der Welt haben sich zumeist kleine Gruppen zusammen gefunden, die ganz konkret in ihrer Kommune, an ihrer Universität, in ihrer Kirchengemeinde, in ihrem Betrieb dafür streiten, dass ihre Kommune, ihre Universität, ihre Kirchengemeinde, ihr Betrieb zum Beispiel die Pensionsrückstellungen, die bei der jeweiligen Hausbank angelegt worden sind, aus fossilen Energiequellen abziehen. Wer den hashtag #divest zum Beispiel bei facebook aufruft, sieht die Fülle an Gruppen, die da mittlerweile entstanden sind und konkret arbeiten.
Überall auf der Welt zieht man nun Geld aus Investments in fossile Energien ab. In Deutschland sind es ganze Landeskirchen (die in Berlin-Brandenburg zum Beispiel), es sind konkrete Kommunen (die Hauptstadt Berlin zum Beispiel), es sind Versicherungskonzerne (Axa zum Beispiel) und viele andere.
Mehr als 5 Billionen Dollar sind bereits abgezogen und zum Beispiel in Erneuerbare Energien investiert worden.
Die Divest-Bewegung ist ein wunderbares Beispiel für das, was Mahatma Gandhi dereinst über sein Engagement gesagt hat:
„Erst belächeln sie dich, dann beschimpfen sie dich, dann bekämpfen sie dich – und am Ende gewinnst du.“
Die Konkretheit im Ziel – das ist die große Stärke der weltweiten Divest-Bewegung.
Es ist die konkrete Stadt, die konkrete Kirchengemeinde, die konkrete Universität, die aufgefordert wird, ihre Rücklagen in Erneuerbare Energien zu investieren, statt in fossile Energieträger.
Damit setzt die Divest-Bewegung den Hebel genau an dem Punkt an, an dem eine kapitalistische Wirtschaftsordnung besonders sensibel reagiert: beim Geld.
Es sind übrigens nicht nur junge Leute, nicht nur Studenten und Schüler, die von der Kampagne überzeugt sind. Es sind internationale Netzwerke wie The Elders zum Beispiel, in dem ehemals führende und nach wie vor einflussreiche Politikerinnen und Politiker weiter Einfluss nehmen. Erfahrene Menschen wie Kofi Annan zum Beispiel. Wenn man sich an der Kampagne beteiligt, ist man in guter Gesellschaft.
Diese intelligente weltweite Kampagne wird einen wirksamen Beitrag dazu leisten, dass die katastrophalen Folgen, die ein ungebremster Klimawandel haben würde, wenigstens etwas gemildert werden.
Wir wissen, dass die in der Folge des Paris-Abkommens nun gerade in Bonn verabschiedeten Reduktionsziele und konkreten Reduktionsvorhaben nicht ausreichen werden, das Ziel von Paris (nicht mehr als 2 Grad Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts) zu erreichen.
Gegenwärtig steht der Kurs auf 2,6 – 3,7 Grad. Das jedoch wäre katastrophal.
Deshalb ist es so wichtig, dass den fossilen Energieträgern das Geld entzogen wird.
Step by step. Schritt für Schritt. Universität für Universität, Stadt für Stadt, Kirchgemeinde für Kirchgemeinde, Betrieb für Betrieb.

Es ist mir ein großes Vergnügen, dass ich mich dank Internet an dieser weltweiten Bewegung beteiligen kann. Und jeder, der einen PC, einen Laptop oder ein Smartphone benutzt, kann sich auch daran beteiligen.
Was für eine große Chance!