Begonien im Frost. Nordkorea im Februar 2004. (1). Eine Reise in memoriam Dr. Rupert Neudeck. Podcast in mehreren Teilen.


Es ist lange her und doch sind die Notizen von dieser besonderen Reise eine Erinnerung wert. Eine Erinnerung an Dr. Rupert Neudeck, mit dem ich befreundet war – eine Erinnerung aber auch an ein Land, über das so wenig bekannt ist und über das deshalb so viele Vorurteile kursieren.
Hier nun sollen Aufnahmen und Notizen bereitgestellt werden, die ich im Februar 2004 in Nordkorea aufgenommen und aufgezeichnet habe. Informationen aus erster Hand. Vielleicht dienen sie ja dazu, sich ein wenig gründlicher mit jenem seltsamen Land zu beschäftigen, von dem der Westen nur in Kategorien wie „Diktatur“, „Atombombe“ und „Hunger“ denken kann. Mehr als zwei Jahre habe ich mich auf diese Reise vorbereitet. Unser Ziel bestand in zweierlei: zu erkunden, ob wir mit den „Grünhelmen“ hilfreich sein könnten und wir wollten zweitens das Thema „Erneuerbare Energien“ politisch platzieren – weshalb ich eine nordkoreanische Übersetzung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes als Gastgeschenk für unsere politischen Gesprächspartner mitgenommen hatte. Das Thema „Energie“ hat uns die ganze Reise über begleitet.
Wir beginnen am Samstag, 14. Februar 2004, dem Tag unserer Anreise:

 

 

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Die Regierung soll endlich aufhören, die Zerstörung des Klimasystems zu finanzieren!


Die CO2-Emissionen steigen und steigen; Deutschland erreicht die selbst gesteckten Ziele der Emissionsminderung nicht nur nicht, sondern bezahlt sogar noch mit öffentlichem Geld weitere Klimazerstörung. Noch verrückter geht es wirklich nicht. Deutschland hängt nicht nur beim Ausbau der Erneuerbaren den eigenen Zielen hinterher, Deutschland schafft nicht nur die Reduktionsziele für CO2 nicht – Deutschland finanziert sogar noch die weitere Zerstörung:
viele Milliarden an Rücklagen für Renten und Pensionen sind nach wie vor in Kohle, Öl und Gas investiert. Die ZEIT hatte darüber berichtet.
Eine solche Zerstörung der Zukunft muss endlich aufhören, da hat der UN-Generalsekretär Antonio Guterres sehr Recht.

Deshalb haben sich nun Netzwerke zusammengetan.
FridaysForFuture, GenerationenStiftung, KlimaDelegation, FossilFree, Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und auch Fuer-unsere-Enkel.org wollen in einem #BündnisDerGenerationen, dass der Bund zur Vernunft kommt.
In einem gemeinsamen Offenen Brief an die Mitglieder des Deutschen Bundestages und an die Ministerinnen und Minister dieser Regierung fordern wir, dass Deutschland endlich aufhört, Zukunftszerstörung weiter zu finanzieren und sich denen anzuschließen, die #Divest längst vollzogen und realisiert haben.
Die weltweite #Divest-Bewegung wächst. Mehr als 5 Billionen Dollar sind bereits aus Kohle, Öl und Gas abgezogen und in Erneuerbare investiert. Wir wissen, dass es funktioniert.
Viele Kirchgemeinde,, kirchliche Banken, staatliche Versicherungsfonds, Versicherungsgesellschaften, sogar große institutionelle Investoren ziehen sich immer mehr aus Investments in Kohle, Öl und Gas zurück.
Es ist höchste Zeit, das auch die Rücklagen für Renten und Pensionen überprüft und „umgeschichtet“ werden: raus aus Kohle, Öl und Gas und angelegt in Erneuerbare Energien.

In einem ersten Anlauf hatte Fuer-unsere-Enkel.org mehr als 15.000 Unterschriften gesammelt, um das Anliegen von #divest in Deutschland zu unterstützen.
Der zuständige Finanz-Staatssekretär hatte auf die Petition mit einem sehr allgemeinen, aber ablehnenden Brief geantwortet. Unser Hinweis, das Land Berlin und andere hätten ja mittlerweile gezeigt, dass #Divestment funktioniere, wurde mit der Beobachtung abgebürstet, der Bund sei „größer als Berlin“, die Sache sei „nicht so einfach“. Mittlerweile gibt es eine Kommission, die die Bundesinvestitionen auf Nachhaltigkeit hin „begleitet“.
Aber entschieden wurde bislang gar nichts, die Sache geht weiter wie gehabt.
Also machen wir das Bündnis breiter.
Und lassen nicht locker.

Den Brief kann man ab sofort hier mitzeichnen. Und man kann die Sache natürlich weitersagen.

Gandhi und Extinction Rebellion (Aufstand gegen das Aussterben). Oder etwas über sehr große Schuhe


Man bezieht sich ausdrücklich auf Mahatma Gandhi und seinen gewaltlosen Widerstand gegen die britischen Kolonialherren. Gewaltlosigkeit soll oberstes Prinzip sein bei den nun beginnenden Aktionen von Extinction Rebellion, was in etwa „Aufstand gegen das Aussterben“ bedeutet. Die Bewegung findet heute (15. April 2019) in 33 Ländern der Welt ihren Anfang und hat in Großbritannien mit der Besetzung von Verkehrsinfrastruktur (Brücken) begonnen.
Die Menschen, die sich bei Extinction Rebellion verbinden, sind bereit, für den Schutz des Planeten ins Gefängnis zu gehen.

Damit also beginnt die Karwoche 2019: mit Demonstrationen einer Organisation, die einen „radikalen Klimaschutz“ einfordert. Man müsse „die Regeln brechen“, die sich ein Wirtschaftssystem gegeben hat, das die Welt zerstört.

Zunächst: der Vortrag, den Nick Holzberg über die Bewegung Extinction Rebellion gehalten hat, und den man sich hier anschauen kann, ist nach meinem Urteil sehr gut. Der Erste Teil bezieht sich auf die wissenschaftlich bekannten Fakten, referiert sie unter Angabe sehr guter Quellen umfänglich und endet mit dem Stichwort „Trauer„. Denn: es ist bereits „fünf nach zwölf“.
Der Zweite Teil (etwa ab Minute 52) befasst sich mit der Frage, was trotz des katastrophalen Befundes noch getan werden kann.

Dieser Aspekt hat mich besonders interessiert, deshalb habe ich mir heute die live-streams aus Oslo, Berlin und Kopenhagen angesehen, in denen zu sehen ist, wie die „Aktionen“ nun beginnen. Überall sieht man heute den „schwarzen Sarg“ getragen von den Menschen, deren Symbol die Sanduhr ist: die Zeit läuft ab.

Dann kamen Reden. Jedenfalls in Berlin. Die haben mich weniger überzeugt und ich fand: die Schuhe, die uns Mahatma Gandhi hinterlassen hat, sind doch ziemlich groß für das, was da heute zu sehen war. Schon die Sprache ließ mich an einer wirklichen Gewaltlosigkeit zweifeln. Gut, die Redner waren verschieden, Charaktere sind verschieden – aber überzeugend fand ich das (noch) nicht.

Es ist ein sehr großer Anspruch, bei Gandhi anzuknüpfen. Wer sich intensiv mit seinem Leben befasst hat, sieht: Gandhi hat vor allem seinen inneren Unfrieden bekämpft, damit er wirklich gewaltfrei sein konnte. Es ist vor allem dieser unbedingte Anspruch an sich selbst, der die Meßlatte so hoch hängt.
Gut, man hat Rudi Dutschke zitiert mit seinem Satz, glaubwürdige Gesellschaftskritik sei unabdingbar verknüpft mit Selbstkritik – in den Worten von Extinction Rebellion Berlin hieß das „wir alle sind Teil des Systems, das die Erde zerstört“ – aber, ob die unbedingte Arbeit an sich selbst wirklich Voraussetzung dafür ist, was man „auf den Straßen“ erreichen möchte, das war zumindest heute noch nicht wirklich zu erkennen.

Bei der Sprache beginnt es nämlich. Und wenn ich jemandem zuhöre, der alles andre als friedlich spricht, dann überzeugt mich das nicht, wenn er von Gewaltlosigkeit redet. Aber: jedem seine Chance.

Was wir in diesen Wochen und Monaten sehen: überall auf der Welt entstehen solche Gruppen und Netzwerke: FridaysForFuture, ParentsForFuture, Scientists4Future, GrandparentsForFuture, Fuer-unsere-Enkel.org (die gibts schon seit September 2017…..), 350.org und nun also auch Extinction Rebellion, deren Mitglieder allerdings mit der Bereitschaft gegebenenfalls auch ins Gefängnis zu gehen.

All diese Netzwerke, Gruppen und „Bewegungen“ stehen miteinander im Kontakt. 
Das wird nicht ohne Auswirkungen bleiben, wenn am 26. Mai 2019 ein neues Europäisches Parlament gewählt wird.  Diese Europwahl muss zur Klima-Wahl werden. Wir haben nur noch 10 Jahre, um das Ruder herumzureißen und die Hälfte dieser Zeit wird das nun zu wählende neue europäische Parlament maßgeblich mitbestimmen.  Meine Hoffnung ist: dass die zivilen Netzwerke bis Mitte Mai immer stärker werden. Wir arbeiten gemeinsam mit vielen Menschen in Europa weiter daran. Am 26. 5. wird dann gewählt.

Jetzt sind Eltern und Großeltern dran: Europawahl. FridaysForFuture, wir haben verstanden!


Europawahl ist Klima-Wahl

„Wir haben verstanden!“ Das muss und wird die Antwort der stimmberechtigten Eltern und Großeltern bei der Europawahl an die Kinder und Jugendlichen von #FridaysForFuture sein.

Am 24. Mai wird FridaysForFuture in ganz Europa nochmal massiv auf die Straßen gehen und klar machen, worum es geht. Und am 26. Mai wird gewählt.

Worum geht es?
Noch etwa 10 Jahre – dann muss der Ausstieg aus der Verbrennung Fossiler Energien unumkehrbar organisiert sein. So sagt es die Klimawissenschaft. Noch etwa 10 Jahre – also im Jahre 2030 muss der Ausstiegsprozess unumkehrbar sein.

Das jetzt zu wählende Europäische Parlament wird die Hälfte dieser entscheidenden Zeit politisch wesentlich mitbestimmen – deshalb kommt es sehr darauf an, wer ins Parlament gewählt wird.

Die Kohle-Parteien haben offenbar mitbekommen, dass sich der Wind gerade mächtig gedreht hat. Sogar der sächsische Ministerpräsident Kretschmer (CDU), findet die Streiks der Schüler richtig, sie seien ein „jugendlicher Ausdruck“ dessen, was die Jugendlichen wollen. Noch unglaubwürdiger kann man allerdings kaum sein, war doch Kretschmer einer der Ministerpräsidenten, die für einen möglichst langen Gebrauch der Braunkohle bis in die vierziger Jahre eingetreten ist.

Die jungen Leute schert das glücklicherweise nicht. Sie tun, was sie tun können: sie mobilisieren Öffentlichkeit. Sie tun das weltweit. Sie machen das auf eine bemerkenswert professionelle Weise nur ausgerüstet mit ihren Laptops und Smartphones.

Nun aber muss die Antwort der Eltern und Großeltern kommen.
Und diese Antwort muss eine politische sein.

Am 26. Mai wählt Europa ein neues Parlament.
Diese Wahl muss und wird zur Klima-Wahl werden. Jeder kann sich daran beteiligen. Sprechen Sie in der Familie darüber, reden Sie mit den Nachbarn, nutzen Sie Ihre Netzwerke,nehmen Sie Ihren guten alten E-Mail-Verteiler zu Hilfe. Es geht nicht um uns. Es geht um unsere Kinder und Enkel. Deshalb engagieren sich große Netzwerke wie Europäische Energiewende und Fuer-unsere-Enkel.org gemeinsam mit anderen für diese so besondere Europa-Wahl.

Und Sie? Nun sind Sie dran!

Gehen Sie zur Europa-Wahl am 26. Mai 2019 und geben Sie Ihre Stimme Kandidatinnen und Kandidaten, die wirklich authentisch und überzeugend für einen wirksamen Klimaschutz auf europäischer Ebene eintreten.

Die Europawahl im Mai entscheidet, ob wirksamer Klimaschutz noch gelingt


Notwendige CO2-Reduktion, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Grafik: Rahmstorf

„Wir werden die Europawahl zu einer Abstimmung über Klimaschutz machen“ sagen die jungen Leute von #FridaysForFuture. Und wir vom Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org werden sie dabei unterstützen.
Denn die Zeit wird sehr knapp. Noch knapp zehn Jahre stehen zur Verfügung, um die CO2-Emissionen drastisch zu senken, dann ist das Budget, zu dem sich Deutschland im Paris-Vertrag verpflichtet hat, aufgebraucht. Professor Stefan Rahmstorf hat schon Ende 2018 in einer anschaulichen Grafik aufgezeigt, um was es geht (vgl. Bild oben). Hätte die Regierung im Jahre 2000 begonnen, CO2 wirksam zu reduzieren, hätte ein Minus von 4% pro Jahr ausgereicht. Mittlerweile müsste Deutschland 18% jährlich CO2 reduzieren und die Kurve wird immer steiler, je länger man zuwartet und nicht handelt. „Das Handlungsfenster schließt sich“ warnt UN-Generalsekretär Antonio Guterres unermüdlich. Zur im September stattfindenden UN-Sonderkonferenz zum Klimawandel sollten die Regierenden „nicht Reden, sondern Pläne mitbringen“, hat er kürzlich öffentlich gemahnt.

Im Mai wird gewählt. Das dann neu zusammengesetzte Europäische Parlament wird die europäische Energie- und Klimaschutzpolitik in den Jahren 2019 bis 2023 mitbestimmen. Das ist beinahe die Hälfte der Zeit, die für engagierten Klimaschutz noch bleibt. 

Deshalb ist diese Europa-Wahl so besonders.
Und deshalb muss es gelingen, diese Wahl zur Abstimmung über den Klimawandel zu machen.

FridaysForFuture hat kürzlich konkrete Forderungen an die Politik veröffentlicht. Diese Forderungen sind im sehr engen Dialog mit der Fachwissenschaft entstanden, sie sind keineswegs „blauäugig“, sondern realistisch erreichbar, wenn man die politische Kraft dafür aufbringt. Deshalb ist es sehr sinnvoll, bei dieser besonderen Wahl die Parteien daraufhin zu befragen, was sie im Europäischen Parlament konkret zu tun gedenken, um die Ziele des Paris-Vertrages zu erreichen. Man kann die Wahlprogramme dazu nachlesen, man soll aber auch die Kandidaten direkt befragen.
Wer nicht wirklich überzeugend für engagierten Klimaschutz auf europäischer Ebene eintritt, ist nicht wählbar.

Bei dieser Wahlentscheidung geht es nicht um die jetzt Älteren, sondern es geht um die Kinder und Jugendlichen, die sehr zu Recht gemeinsam mit über 30.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Politik einfordern:
Handelt endlich!

Heute (10.4.2019) findet die erste Sitzung des „Klimakabinetts“ statt. Bundeskanzlerin Merkel wird die Sitzung selber leiten. Sie hat in den zurückliegenden Tagen zum wiederholten Male die jungen Leute auf den Straßen ermutigt und geäußert, sie fände es „gut, daß ihr uns so einen Druck macht“. Wir werden nun sehen, ob das nur freundliche Worte waren, oder ob nun Taten folgen.
Es ist ihre letzte Legislatur. Sie hat mit dem Klimakabinett die Chance, nun endlich Führungsstärke zu beweisen. Sie muss sich durchsetzen vor allem gegen Industrieinteressen im Verkehrssektor, sie muss auch nicht berechtigte Ansprüche aus der Kohleindustrie zurückweisen. Sie muss die Rechte (!) der jungen Generation als Maßstab ihres Handelns anerkennen.  Gelingt das nicht, dann wird diese Regierung mit allem Fug und Recht bei der nächsten Wahl abgewählt.

 

Dümmer als jeder Esel – Die Menschheit tötet ihre Nachkommen.


Alarmstufe Rot! Antonio Guterres

Eigentlich kümmern und sorgen sich Eltern um ihre Kinder. In der Natur jedenfalls ist das so. Jeder Pinguin macht das, jedes Kamel, jeder Esel.

 

 

Die Menschheit allerdings verhält sich anders als jeder x-beliebige Esel.
Die Menschheit tötet die Nachgeborenen – in dem sie ihnen die Lebensgrundlagen entzieht.

Der Chef der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hat nun gewarnt: die CO2-Emissionen seien „nie zuvor so hoch gewesen“ und so „stark angestiegen wie im Jahr 2018“. Es sei „das stärkste Wachstum der Emissionen seit über einem Jahrzehnt“.  Viele Fachleute halten es deshalb für „sehr unwahrscheinlich“, dass die Menschheit die Ziele des Paris-Vertrages einhalten kann und bis 2050 die Emissionen aus Null bringt.

Die Folge: immer mehr Kipp-Punkte (tipping points) werden überschritten, der Klimawandel befeuert sich immer stärker selbst. Am Ende kann man gar nichts mehr tun.

Die Eisschmelze in der Arktis lässt sich bereits jetzt nicht mehr aufhalten, meldete Spiegel-Online Wissenschaft am 18. 3. 2019 unter Bezugnahme auf eine UN-Studie. Man rechnet damit, dass die Arktis ab 2030 im Sommer völlig eisfrei sein wird.

Was bedeutet das alles? Die Generation der jetzt Mächtigen, also Politiker, Wirtschaftsbosse – kurz, die Welt der jetzt Erwachsenen – zerstört die Lebensgrundlagen der jetzt jungen Menschen und wendet sich damit gegen die Mehrheit der Weltbevölkerung.

Denn: mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist jünger als 25 Jahre.

Deshalb haben #FridaysForFuture sehr Recht. Es reicht jetzt. Es ist genug geredet. Mit dieser Zerstörung muss Schluss sein. Sofort.

Jeder Pinguin kümmert sich um seine Nachkommen. Jedes Kamel tut es und jeder Esel tut es ebenso.

Nur der Mensch tut es nicht.
Der Mensch zerstört – obwohl er die Folgen seines Handelns sehr genau kennt – die Lebensgrundlagen für seine Nachkommen.

Das ist ein Selbstmord auf Raten.

Antonio Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat nun die „Führer der Welt“ dazu aufgerufen, bei der kommenden Klima-Konferenz in New York „mit konkreten Plänen“ anzureisen und nicht nur mit „warmen Worten“. Er hat sehr Recht. Guterres warnt schon seit langem sehr eindringlich. Beim Klima stünde die Alarmanzeige auf „Rot“, hatte er in seiner Neujahrsansprache 2019 mitgeteilt. Wie es allerdings um die Führungsqualitäten der jetzt Regierenden aussieht, konnte man in Deutschland gestern wieder sehen, als die Kommission zur Reform des Verkehrssektors ohne Ergebnis auseinander ging.  Selbst das Handelsblatt kommentierte sehr kritisch „Deutschland braucht einen Verkehrswende-Minister und keinen Bundesverkehrsnostalgiker.“

Die Menschheit weiß, was auf dem „Spiel“ steht. Es geht schon lange nicht um ein „Spiel“. Es geht um Leben und Tod. Gerade hat man es wieder in Mosambik und in den USA gesehen: gewaltige Fluten, die Tausende von Menschenleben fordern und ganze Wirtschaftszweige ruinieren.

Die Menschheit weiß, um was es geht. Die Regierenden wissen, um was es geht.

Aber sie machen weiter, wie bisher.

Sie handeln dümmer als jeder dumme Esel. Der kümmert sich um seine Nachfahren.
Die Menschheit tut das nicht. Die Mehrheit der Menschheit ist den jetzt Erwachsenen im Grunde egal. Das ist die bittere Wahrheit. Es gibt zaghafte Änderungen. #ParentsForFuture und #Scientists4Future, sogar #GrandparentsForFuture stellen sich an die Seite der jungen Leute von #FridaysForFuture.

Ob das aber alles ausreicht, das Ruder herumzureißen, steht dahin. Viel Zeit bleibt nicht mehr. „Maximal 12 Jahre“ sagt die Klimawissenschaft. Im kommen den Jahrzehnt muss es gelingen, die Emissionen dauerhaft zu senken und einen Weg zu beschreiten, der die Emissionen immer weiter reduziert.

Gelingt das nicht, wird unsere Generation als die schäbigste und egoistischste Generation in Erinnerung bleiben, die diese Welt je gesehen hat.

Die Schülerstreiks wirken wie eine ansteckende Gesundheit


Übermorgen ist es soweit.
In 1235 Orten in 98 Ländern (Stand 13. 3. 2019) werden junge Menschen auf die Straßen gehen und ihre Zukunft einfordern.
Das ist die größte selbstorganisierte Klimaschutz-Demonstration, die die Erde bislang gesehen hat.
Das, was da auf den Plakaten zu lesen sein wird, ist keine leichte Kost.
„Eure Klimapolitik tötet“ steht da zum Beispiel.  FridaysForFuture Deutschland hat heute früh erste Entwürfe gepostet und von den Vorbereitungen berichtet.
Darüber wird zu reden sein.
Junge Menschen bedienen sich ihres eigenen Verstandes, organisieren sich weltweit und machen den Mund auf: laut und deutlich.

Mich erinnern diese Tage und Wochen an das Ende der DDR, als aus winzig kleinen Grüppchen, die sich versteckt in den Kirchen zu „Friedensandachten“ versammelt hatten, immer größere Veranstaltungen wurden bis sie so groß wurden, dass die Räume nicht mehr reichten und man auf die Straße musste, ob man wollte oder nicht.
Angst war natürlich ein Thema.
Aber wachsender Mut eben auch.
Und mit jeder öffentlichen Kundgebung, mit jeder noch so kleinen öffentlichen Demonstration wuchs der Mut.
Die Menschen begannen endlich, aufrecht zu gehen.

Eben das kann ich jetzt wiedererkennen bei den Schüler- und Studentengruppen überall auf der Welt. Manchmal sind es winzige Grüppchen, irgendwo in Mecklenburg, manchmal sogar nur ein einzelner Schüler – wie in Uganda zu sehen war -; andernorts sind Zehntausende auf den Straßen, wie kürzlich in Amsterdam, wo sich 40.000 ! Menschen hinter den Schülerinnen und Schülern versammelt haben.

Bediene dich deines eigenen Verstandes und übernimm Verantwortung für dein Leben – darum ging es am Ende der DDR und genau das genau geschieht nun wiederum, allerdings in einem viel größeren Maßstab, denn diesmal geht es rund um die Welt.
Die jungen Leute tun das. Sie lassen sich nicht mehr Angst machen von irgendwelchen Lehrern oder Ministern. Sie gehen aufrecht.

Das wirkt wie eine ansteckende Gesundheit. Immer mehr Menschen kommen dazu, immer mehr solidarisieren sich. Gestern vor der Bundespressekonferenz: „Scientists4Future“: mehr als 12.000 Wissenschaftler sagen: die Schüler haben Recht! Es ist höchste Zeit, konsequenten und engagierten Klimaschutz zu betreiben und sehr viel früher aus der Kohle auszusteigen, als das die „Kohlekommission“ vorgeschlagen hat. Das ist ein bemerkenswerter Vorgang, denn Akademiker sind gewöhnlich in solchen Angelegenheit überaus zurückhaltend. Nun aber ändert sich da was. Da wirkt etwas wie eine ansteckende Gesundheit.

Und die wird so dringend gebraucht angesichts des so sehr verbreiteten Duckmäusertums, angesichts der vielen Verdrossenheit und Verdrießlichkeit, angesichts des so sehr verbreiteten folgenlosen Meckerns über „die Verhältnisse“.

Ein frischer Wind kommt da gezogen.
Diese Streiks sind für die Regierenden sehr unbequem, denn man kann sie nun nicht mehr verschweigen, so groß sind sie geworden. Ich kann nur hoffen, dass sich die jungen Menschen und alle, die sie mittlerweile unterstützen, nicht „einwickeln“ lassen, sondern sehr klar bleiben in ihren Forderungen.
„Wir wollen, dass die Europawahlen eine Abstimmung über den Klimaschutz werden“ hat gestern ein Vertreter von FridaysForFuture in der Bundespressekonferenz gesagt. Das ist eine überaus klare Ansage.
Diese Streiks müssen unbequem sein – sonst ändert sich nichts.
Und gerade weil sie unbequem sind, sind sie auch eine große Wohltat.
Endlich! kommt da etwas in Bewegung.
Endlich! bricht da etwas auf und Neues kann werden.
Es ist höchste Zeit.