Category Archives: Energie

Vom Ende unseres Wirtschaftssystems. Zum Stand der Debatte


“Post-Wachstumsgesellschaft” heißt das Stichwort der weltweiten Diskussion um zukunftsfähige Wirtschaftsformen.
Das alte Modell hat ausgedient. Da sind sich die Diskutanten weitgehend einig.
Es hat aus verschiedenen Gründen ausgedient:
1. Die Ressourcen sind erschöpft
2. die “Senken” sind gefüllt und können nicht noch mehr “Abfall” unserer Lebens- und Produktionsweise aufnehmen
3. der Klimawandel ist in den Augen vieler, die sich an der Debatte beteiligen “the last challenge”.

Was einmal als “Fortschritt” daher kam, erweist sich nun als “Stolperstein”.
Die wichtige Frage lautet: ist eine Weltgesellschaft vorstellbar, die eine Ökonomie “ohne Wachstum” zur Grundlage hat?
Darüber ist – etwa seit der Jahrtausendwende – eine der wichtigsten und interessantesten weltweiten Diskussionen entbrannt.
Klar ist: einfach so weitergehen kann es nicht. Das würde die Erde nicht aushalten.
Die Frage ist also: was denn dann? Gibt es Alternativen? Gibt es ein Entrinnen aus der Sackgasse? Gibt es Ansätze, die Hoffnung machen?
Die Universität Jena hat nun mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Kolleg “Postwachstumsgesellschaften” eingerichtet, das sich mit eben diesen, nicht einfach zu beantwortenden Fragen auseinandersetzt.
Bei diesem international besetzten Kolleg kann man sich online registrieren und so an der Diskussion teilnehmen.
Dankenswerter Weise haben die Jenaer Professoren eine “kommentierte Literaturliste” erarbeitet, die es ermöglicht, sich zügig in die gängigen Argumente der überaus spannenden Debatte einzuarbeiten. Man kann das paper in etwa einer Stunde aufmerksam zur Kenntnis nehmen und ist damit in etwa auf dem aktuellen Stand der Debatte.
Wer nicht nur diverse Zeitungsmeinungen ungeprüft weitergeben, sondern sich qualifiziert an der Diskussion beteiligen will, dem sei deshalb dieses Kolleg empfohlen.

Dekarbonisierung. Klingt gut. Ist verdammt schwer


Schellnhuber“Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts”.
So tönt es aus Bayern vom G7-Gipfel.
Was ist davon zu halten?
Zunächst: da haben sich nur 7 getroffen. Ohne Russland, ohne China, ohne Indien, ohne Brasilien.
Sie können also nicht für “die Weltwirtschaft” sprechen, sondern bestenfalls für ihre eigenen Volkswirtschaften.
Ok. Das wäre geklärt.
Weiter: was bedeutet (eine Nummer kleiner) “Dekarbonisierung der Volkswirtschaft”?
Es bedeutet den kompletten Verzicht auf den Einsatz von fossilen Energien. Und zwar für die “Volkswirtschaft”, also für alle Bereiche: Bei der Stromerzeugung, im Verkehr, bei der Heizung, in der Chemischen Industrie.
Wenn man das wirklich will, dann bedeutet das:
1. keine Erkundung neuer Lagerstätten
denn: die Erkundung neuer Lagerstätten hat ja zum Ziel den Verbrauch des Erkundeten. Den jedoch will man ja nun nicht mehr. Sind die Regierungen der G 7 dazu wirklich bereit und auch in der Lage, das politisch durchzusetzen?
2. De-Invest: man muss dann noch in fossile Energien investiertes Geld abziehen. Und in Erneuerbare bzw. Energieeffizienz investieren.
3. keine neuen Kohle- und Gaskraftwerke
4. eine wirkliche Beschleunigung in der Bestromung auch des Individualverkehrs (der öffentliche Nahverkehr ist ja weitgehend schon mit Strom versorgt, es geht also vor allem um den Individualverkehr). Dafür müssen die Systemkosten dramatisch gesenkt werden. Und: der Strom muss aus Erneuerbaren Energien stammen.
Völlig unklar ist, wie schwere LKW, große Frachter und vor allem die Luftfahrt “decarbonisiert” mit Treibstoffen versorgt werden können. Denn selbst der Gewinn von bio-fuels aus Meeresalgen, wie sie EADS seit längerem testet, stößt unter anderem an Kapazitätsgrenzen, während der Luftverkehr weiter wächst.
5. Eine Systemrevolution in der Chemischen Industrie. Denn die hängt an fossilen Energien wie der Junkie an der Nadel. Es hat immer schon Versuche gegeben, Erdöl und Erdgas als Basis für chemische Industrie zu substituieren. Das jedoch ist über Anfänge nie hinaus gekommen, auch, weil die Preise für fossile Energieträger zu niedrig waren. Wer eine “Dekarbonisierung der Volkswirtschaft” vollmundig verspricht, noch dazu “bis zum Ende des Jahrhunders” – das sind nur noch 85 Jahre! der muss BASF & Co mal in Ruhe erläutern, wie er sich das eigentlich vorstellt.

Was also ist von dem “Beschluss der G-7” im Kern zu halten?
Die Richtung ist richtig.
Aber der Teufel steckt im Detail.
Es ist ganz offensichtlich der Versuch, sich als “modern” hinzustellen. Sicher auch der Versuch, auf den Weltklimagipfel im Dezember des Jahres Einfluss zu nehmen und “mit gutem Beispiel” voran zu gehen. Das ist richtig und sinnvoll, wenn man denn wirklich ernsthaft das “2-Grad-Ziel” erreichen will.
Nur: wer sich die Details anschaut, der kann sehr schnell erkennen, wie vollmundig dieses “Versprechen” daher kommt. Die tatsächlichen gegenwärtigen Trends laufen in die entgegengesetzte Richtung. Wer eine Dekarbonisierung wirklich will, der muss jetzt eine Vollbremsung organisieren!
Denn von einer “Dekarbonisierung der Weltwirtschaft” kann man gegenwärtig jedenfalls überhaupt nicht sprechen.
Denn nach wie vor werden neue Lagerstätten fossiler Energieträger erkundet, jede Woche gehen überall auf der Welt neue Kohlekraftwerke ans Netz, die Gas- und Ölverbräuche steigen. Insbesondere der Individualverkehr wächst ungebrochen. Und die Chemische Industrie tastet niemand an.

Politik muss Ziele formulieren. Ok.
Das Ziel ist richtig.
Aber: Politik muss auch sagen, wie man diese Ziele erreichen will.
Davon ist allerdings nichts zu lesen.
Wer eine Dekarbonisierung wirklich “in diesem Jahrhundert” erreichen will, der muss sich nun wirklich mal auf die Socken machen. Denn die Einführung neuer Technologien, neuer Treibstoffe, dezentraler Energieversorgungssysteme, die Umstellung der Chemischen Industrie – all das benötigt Zeit. Man kann ja nicht einfach “einen Schalter umlegen”.
Deshalb hat Fritz Vorholz (ZEIT) sehr Recht:
Man wird an den konkreten Entscheidungen ab dem heutigen Tage (9.6.2015) sehr genau ablesen können, ob der Beschluss der G-7 ernst gemeint ist oder nur eine politische Sprechblase war. Viele heiße Luft eben.

Klimaschutz eine Aufgabe der Nationalen Verteidigung? Neue Töne aus den USA


Klimaschutz ist nix für irgendwelche Ökopaxe. Das ist nun Angelegenheit des Militärs.
Neue Töne aus den USA.
Präsident Obama hat in einer Rede vor Kadetten, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, genauer erläutert, wie er das sieht mit dem Klimawandel (climate change) und dem Militär. Es lohnt, diese Rede genauer zu studieren.
Was ist der Kern seiner Rede?
“And this brings me to the challenge I want to focus on today — one where our Coast Guardsmen are already on the front lines, and that, perhaps more than any other, will shape your entire careers — and that’s the urgent need to combat and adapt to climate change“.

Klimawandel – nur etwas für Ökopaxe? Weit gefehlt, denn nun führt er seine Unterstützer ein:
“But the best scientists in the world know that climate change is happening. Our analysts in the intelligence community know climate change is happening. Our military leaders — generals and admirals, active duty and retired — know it’s happening. Our homeland security professionals know it is happening. And our Coast Guard knows it’s happening”.

Das sind neue Töne.
Klimawandel wird zum Thema von Geheimdiensten, Militär und sogar vom “Homeland Security”. Und da hört für einen Amerikaner nun wirklich der Spaß auf.
Das ist Chefsache.

Nun weiß der aufmerksame Beobachter der amerikanischen Politik, dass sowohl Geheimdienste als auch Militär schon vor etwa drei Jahren davon gesprochen haben, der Klimawandel sei für die USA “ein größeres Risiko als der internationale Terrorismus”.
Aber wenn nun der “Oberbefehlshaber” in einer öffentlichen Rede, die auch noch ausführlich vom Weißen Haus in alle Welt kommuniziert wurde, klar macht, dass die “nationale Sicherheit” berührt sei, dann muss man das registrieren.
Denn es wird Auswirkungen haben. Zum Beispiel auf die NATO.
Die werden sich nun nach einer Rede des Präsidenten nicht gleich alle grüne Mützchen aufsetzen oder eine Solaranlage auf den Panzer schrauben, aber sie werden miteinander besprechen, was denn der Klimawandel für die Sicherheit des Bündnisses bedeutet.
Kritiker meinen: “So eine Rede hat keinerlei Bedeutung. Obama ist eine “lamed duck”, eine “lahme Ente”, weil er gar nicht die benötigten Mehrheiten in Kongress und Senat hat, um konkrete Politik zu ändern. Mag sein.
Dennoch ist er noch im Amt. Er kann freier sprechen, als wenn er noch eine Wahl zu bestehen hätte.
Er kann Orientierung geben.
Noch ist er der Oberbefehlshaber des amerikanischen Militärs.

Und interessanter Weise hat Hillary Clinton das Thema “climate change” zum Wahlkampfthema gemacht.

Man darf gespannt sein, was sich da tut jenseits des großen Teichs.

De-invest. Oder: wie Kapitalismus funktioniert. Geld und Klimawandel


Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Heute (7.5.2015) kam wieder so eine dieser guten Nachrichten:
Eine der weltweit größten Banken, die Bank of America zieht ihr Geld aus Kohle-Projekten ab.
Ebenso die Church of England.
Nach und nach greift eine weltweite Kampagne, die ein De-Investment zum Ziel hat.
Zieht das Geld ab aus Investments in klimaschädliche Projekte! Das ist die simple Botschaft.
Es ist nicht unerheblich, was sich gerade in den USA tut.
Gemessen an den gewaltigen Aufgaben sind es zwar immer noch erst kleine Schritte, selbst, wenn nun eine so große Bank wie die Bank of America neue Wege geht.
Aber: die amerikanische Wirtschaft ist nach wie vor wichtig für die Weltwirtschaft. Sie hat nach wie vor Auswirkungen auf andere Wirtschaftsräume.
Und die Amerikaner nutzen die Hebel des Kapitalismus: Investitionen und De-Investments.
Denn: Geld regiert die Welt.
Es ist nicht unerheblich, was Banken mit dem ihnen anvertrauten Geld tun.
Europa glaubt, vor allem mit Förderprogrammen und Verboten, mit Normen und Regelwerk voran zu kommen.
Der stärkere Hebel aber ist das Geld selbst: man kann es abziehen aus schädlichen Projekten.
Und in klimafreundlichere Projekte investieren.

Vielleicht ist es nicht zufällig, dass die De-Invest-Bewegung in den Mutterländern des Kapitalismus, in Großbritannien und den USA beginnt. Man kann den stärksten Hebel dieser Wirtschaftsordnung nutzen, um im Klimaschutz voran zu kommen. Das geht schneller, als Parlamente brauchen, um neue Gesetze erlassen können.

An dieser weltweiten Bewegung können sich nicht nur Kirchen und Gewerkschaften beteiligen, nicht nur einzelne Banken und der Staat selbst, sondern vor allem die Kunden der Banken können sehr Sinnvolles tun:
Sie können klimaschädlichen Projekten das Geld entziehen.
Mehr als 5 Billionen haben allein die Deutschen auf ihren Konten.

Die weltweite Kampagne “De-invest”, die vor allem von 350.org betrieben wird, zeigt erste Wirkungen.
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten.

Konkret. Praktisch. Gut. The Guardian


Dass eine große und weltweit anerkannte Zeitung wie “The Guardian” eine journalistisch hervorragend gearbeitete Kampagne gegen den Klimawandel organisiert, ist eine Wohltat.
Mit den besten Mitteln eines modernen Journalismus stellt sich diese Zeitung klar auf die Seite derjenigen, die konkrete Entscheidungen treffen wollen, um die Weltwirtschaft Schritt für Schritt umzubauen.
Deshalb geht es um Geld.
Um sehr viel Geld.
Allein die Deutschen haben über 5 Billionen (!) Euro auf ihren Sparkonten.
Und sie können entscheiden, was die Banken, denen sie ihr Geld anvertrauen, mit diesem Geld machen.
“De-invest” heißt deshalb die Kampagne, die The Guardian weltweit unterstützt.
“De-investieren” – zieht euer Geld ab aus Technologien, die den Klimawandel weiter beschleunigen.
Steckt es in Technologien, die zukunftsfähiger sind.

“Keep it in the Ground” ist eine Teilkampagne.
Die zwei weltgrößten Privaten Stiftungen (eine davon ist die Bill-Gates-Foundation) werden aufgefordert, ihr Kapital nicht mehr länger in “alte Technik” zu investieren.
Es geht darum, das Öl, das Gas, die Kohle in der Erde zu lassen. Mutter Natur hat offenbar aus sehr guten Gründen diese Energiequellen unter die Erde gepackt.
Es geht darum, Energieeinsparung, Effizienz und Erneuerbare Energien weltweit zu unterstützen.

Was kann ein Einzelner tun?
Er kann via social media die Kampagne von The Guardian teilen.
Er kann via blog von der Kampagne berichten.
Er kann andere dazu ermuntern, sich zu beteiligen.

Das sind konkrete Möglichkeiten, die jeder hat.
Weshalb ich nun diesen kurzen Text geschrieben habe, damit diese wichtige Sache Verbreitung findet in der Informationsflut.

Zur Kampagne geht es hier lang.

Ok. Reden wir vom Geld


5021 Milliarden € hatten die Deutschen im Jahr 2013 auf ihren Sparkonten. Das ist etwa das Zwanzigfache (!) des Jahres 1970.
Schellnhuber Das ist ne Menge. Eine große Menge. Etwa so groß wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Europäischen Union!
Die Frage ist, was die Banken, denen wir unser Geld anvertrauen, die also das Giro- und vielleicht auch ein kleines Sparkonto betreuen, damit machen.
Ich will gar nicht wissen, bei welcher Bank Sie Ihr Konto haben, aber vielleicht wollen Sie ja wissen, was Ihre Bank mit Ihrem Geld so macht? Haben Sie Ihre Bank schon mal danach gefragt? Online-Auskünfte sind ja meist dürftig. Von Ausnahmen einmal abgesehen.
Also: Erster Schritt: ich frage meine Bank, was sie mit meinem Geld eigentlich so tut. In welche Fonds oder Aktien oder Branchen sie investiert. Es mag sein, dass der Kollege am Bankschalter ein wenig irritiert ist über diese Frage, aber das macht ja nichts.

Und dann kann ich mich entscheiden, ob ich das “so lassen”, oder ob ich “das ändern” will.
Es gibt eine weltweite Kampagne von überwiegend jungen Leuten, die den Hebel für verantwortliches Investment genau an dieser Stelle ansetzt. Unter dem Titel “De-invest” fordert sie dazu auf, das eigene Geld aus solchen Branchen abzuziehen, die klimaschädliche Investitionen tätigen.

5021 Milliarden € privates Geldvermögen. Nur in Deutschland. Immobilien und anderes sind da noch nicht mitgerechnet.
Darum geht es.

Das Spendenaufkommen in Deutschland betrug im Jahr 2014 knapp 5 Milliarden €, also nur ein Bruchteil der Summe, über die eigentlich zu sprechen wäre.
Es ist erfreulich, dass die Deutschen so viel spenden. Gewiss.
Aber der Hebel, den sie eigentlich in ihren Händen halten, ist größer. Etwa tausendfach größer: 5021 Milliarden.

Schritt 2 ist also: ich kann mir überlegen, ob ich die Bank wechsle und mein Geld einer solchen Bank anvertraue, die nicht an klimaschädlichen Investitionen beteiligt ist. Ich kann entscheiden, ob ich mein Geld aus klimaschädlichen Investitionen abziehe, so, wie es die Kampagne “Deinvest” tut.
Zu Recht werden in diversen Kampagnen und Zeitungsartikeln, Fernseh- und Radiosendungen klimaschädliche Investitionen kritisiert. Das ist auch einfach. Man muss ja dabei selber nichts tun.
Die Frage allerdings, was ich mit meinen Spargroschen anfange, die muss ich schon selber beantworten. Da wird die Sache konkret.
5021 Milliarden €. Darum geht es.

Egal, wie Sie sich entscheiden. Sie treffen in jedem Fall eine Entscheidung.
Entweder Sie investieren Ihr Geld in die Zerstörung des Planeten, oder in seine Erhaltung.
Sie haben die Wahl.

Angemerkt sei:
natürlich hat auch jede Kirchgemeinde, jede Kommune, jeder Landkreis, jede Universität, jedes Unternehmen, jeder Verein und jede Stiftung die Wahl, wo die Spargroschen anlegt werden. Und wenn die Abgeordneten oder anderen Aufsichtsgremien in einem Kommunalparlament oder in einem Kreistag oder anderswo entscheiden, wie es angelegt werden soll, dann übernehmen auch sie damit Verantwortung.

 

Die Skepsis überwiegt. Eine ungehaltene Neujahrsrede.


Schaue ich mir die erkennbaren langfristig wirkenden Entwicklungen im zurückliegenden Jahr an, überwiegt die Skepsis. Man muss nicht erst Erwin Chargaff lesen, um zum begründeten Skeptiker zu werden.
Fukushima: in San Francisco hat man mittlerweile erhöhte Radioaktivität gemessen. Das, was da tagtäglich in Fukushima ins Meer fließt an hochkontaminiertem Wasser ist durch die Meeresströmungen nun in Amerika angekommen. Und wird sich weiter über die Welt verteilen. 650 Jahre etwa dauert das, wie Meeresforscher wissen. Bei einer Halbwertzeit von 16.000 Jahren kein Problem. “Fukushima ist überall” haben einige zutreffend formuliert. Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass die maßgeblichen Industrienationen das Desaster nicht wirklich begriffen haben. Denn es fehlt an einem wirksamen Ausstieg aus dieser Art der Energiegewinnung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Kraftwerk in die Luft fliegt. Günther Anders hatte Recht: der Mensch steht entsetzt vor den von ihm erschaffenen Maschinen und beherrscht sie schon längst nicht mehr. Fukushima ist längst das Symbol für eine zerstörende Art des des Wirtschaftens geworden.
“Diese Wirtschaft tötet” hatte Papst Franziskus kürzlich markant formuliert. Sie tötet nicht nur Andere, Schwächere, Marginalisierte. Sie tötet sich selbst.

TTIP. Das geplante Freihandels-Abkommen zwischen der EU und den USA. Streng geheim verhandelt unter Ausschluss der Parlamente. Es sieht einen “Investitionsschutz” für Multis vor, der es ihnen ermöglichen soll, Staaten auf Schadenersatz zu verklagen, falls deren nationale Gesetzgebung geplante Investitionen – in Kraftwerke beispielsweise – “behindert”. Der Widerstand dagegen formiert sich zwar, ist aber bislang völlig ohne Einfluss. Nicht mal die Berichterstatter im EU-Parlament sind über das Abkommen informiert. Nur weniges sickert an die Öffentlichkeit.
Dieses Abkommen wird zu einer weiteren Beschleunigung der Zerstörung natürlicher Ressourcen führen, denn das durch das Abkommen beabsichtigte Wachstum ist nicht nachhaltig. Es geht im Kern darum, die bestehende Art des Wirtschaftens noch “effektiver” zu machen. Hauptziel: Gewinnmaximierung. Das zwischen den USA und Europa geplante Abkommen ist ja nicht das einzige seiner Art. Der Prozess der beschleunigten Gewinnmaximierung im Namen des Wachstums wird ja auch durch zahlreiche vergleichbare Abkommen gesichert.

Geheimdienste. Der Chaos-Computer-Club hat nun auf seiner Jahrestagung in Hamburg die schlichte, aber verstehbare Formulierung gefunden: “Der NSA gehört das Internet”.  Totale Überwachung der weltweiten Kommunikation durch die “Dienste” der reichen Welt. Egon Bahr warnt deshalb vor einem Krieg: “Es wäre das erste Mal, dass eine grundlegend neue Technik nicht für einen Krieg eingesetzt würde”. Hört man solche Stimmen? Nein.
Das Grundgesetz gilt nicht mehr. Die Grundrechte der Bürger, einst streng durch die Verfassung geschützt, sind beliebig geworden. Die Geheimdienste schert das alles nicht. Das Parlament und die Regierung auch nicht. Das ist katastrophal. Denn das Fundament der Demokratie hat keine wirksame Verteidigung mehr. Das Fundament wankt.
Es gibt keinen wirksamen Widerstand gegen diese Entwicklung. Weder in den Parlamenten, noch in den Regierungen, noch in den Bevölkerungen. Das Wort vom “cyber war” ist längst gängiger Sprachgebrauch. Und die Sprache zeigt wie ein Seismograf, was zu erwarten ist.

Europa. Die Fundamentalismen nehmen zu. Rechtsorientierte Parteien werden stärker. Der bevorstehende Europa-Wahlkampf wird dies überdeutlich zeigen. Das Mittelmeer ist zu einem Massengrab geworden. Über 20.000 Flüchtlinge sind mittlerweile auf dem Weg nach Europa ertrunken. Und die Union schottet sich immer mehr ab (FRONTEX etc.). Der Widerstand dagegen ist marginal (von einigen Weihnachtsansprachen abgesehen) und völlig folgenlos. Leute wie der unermüdliche Jean Ziegler werden zwar gelesen, man klatscht ihm auch Befall. Aber es bleibt folgenlos.

Der Kampf um die Sicherung der letzten Rohstoffe nimmt weiter an Schärfe zu. Sogar der international eher bedeutungslose deutsche Koalitionsvertrag nimmt das Stichwort von der “Rohstoffsicherung” auf und verlangt entsprechende “Maßnahmen”, um der “Wirtschaft” den “Zugang zu den Ressourcen” zu ermöglichen. Man erwartet von der Politik, “behilflich” zu sein. In Afrika vor allem. Denn dort lagern die für eine IT-gestützte Wirtschaft die wertvollen seltenen Erden.
Die Spannungen zwischen reicher und armer Welt nehmen zu.
Das Tempo der Zerstörung der natürlichen Grundlagen des menschlichen Lebens nimmt zu.
Der politische Widerstand gegen solche Zerstörungstendenzen ist minimal, eigentlich gar nicht vorhanden, denn der Glaube an das “Wachstum” ist ungebrochen.

Demokratie. Politische Stiftungen haben darauf längst hingewiesen: die Skepsis sehr vieler Menschen gegenüber demokratischen Systemen nimmt weltweit ab. Fundamentalismen gewinnen Oberwasser. Die Spannungen steigen weiter an, weil die Ungerechtigkeit wächst. In der stärksten Volkswirtschaft Europas führt die übergroße Koalition zu einer weiteren Entmachtung des Parlaments, ein schon seit längerem zu beobachtender Trend. Die politische Klasse, insbesondere Regierungen und Parlamente haben eine erschreckend geringe Akzeptanz.

Zynismus. Verfolgt man die öffentliche Debatte insbesondere in den Netzwerken, fällt der zunehmende Zynismus, der sich als “Humor” tarnt, sofort ins Auge. Viele Menschen haben im Grunde ihre Fahne eingezogen, haben “resigniert”, retten sich ins Kabarettistische und in den Zynismus, verkriechen sich in noch verbliebene private Nischen.

Nun ist es zwar auch so, dass ausserparlamentarische Initiativen und Netzwerke durch das Internet an Bedeutung gewinnen. Die Zivilgesellschaft organisiert sich auf diesem Wege weltweit. Das ist eine tröstliche Entwicklung. Ihre politische Wirksamkeit jedoch ist – abgesehen von einigen wenigen Petitionen – marginal.

Nun habe ich nicht wenige Jahre meines Lebens – um genau zu sein, mehr als die Hälfte des bisher gelebten Lebens – als politisch aktiver Mensch verbracht. Während der zweiten deutschen Diktatur und in dem Vierteljahrhundert danach.
Mir sind Abläufe und Gepflogenheiten in Parlament und Regierung aus eigener Arbeit und eigenem Erleben durchaus vertraut.
Vielleicht auch gerade deshalb überwiegt die Skepsis, ob es noch gelingen kann, wirklich umzusteuern.
Das kommende Jahr 2014 wird an die “Schlafwandler” erinnern. Christopher Clark hat dieses bemerkenswerte Buch 2013 vorgelegt.
Manchmal ist mir, als taumelten die modernen Gesellschaften ähnlich wie 1914 gleichsam “wie Schlafwandler” in eine erneute, weltweite Katastrophe.
Es sollte mich freuen, wenn ich mich irre.

Samstagsfoto


Mobilität

Mobilität

Die Sonne bringt einen schönen Herbsttag, die Luft ist kühl.
Das Foto finde ich bei Google+ und betrachte es lange.
Wohin sind die Menschen auf diesem Bild unterwegs? Wohin entwickeln sich die Städte? Was ist das Ziel von Politik?
Das Bild springt mich an mit solchen Fragen.
“Der helle Wahnsinn” kommentiert ein Facebook-User das Bild spontan.
Ich weiß von vielen Reisen rund um die Welt, dass über die Hälfte der Weltbevölkerung in megacities lebt. Solche Städte sind nicht selten das Ziel der Wünsche der Menschen, weil sie hoffen, dort ausreichend Nahrung und Arbeit zu finden für sich und ihre Kinder.
Das Bild ist Symbol für die Leistungsgesellschaft westlicher Prägung; Synonym für Industriealisierung, Mobilität, Energieverbrauch, Naturzerstörung, Krieg um letzte Rohstoffe, Massengesellschaft. Das Individuum, der einzelne Mensch – wird zur Nummer, zum Datensatz, zur Kennziffer.
Ist ein solcher Lebensraum ein für Menschen lohnendes Ziel?
Leben Menschen glücklicher in solchen Städten?
“Die Stadt” ist zum Synonym geworden für eine unkontrollierbare Entwicklung, Synonym für Zerstörung. Der Seelen vor allem.
Die Menschen verlieren den Kontakt zu sich und zur Natur. Lichtsmog und Lärm vernebeln ihnen die Sinne. Sie können nur noch schwer wahrnehmen, was an Reichtum eigentlich da ist.
“Entschleunigung” ist ein Wort unserer Tage. Auch “Depression”. Die Zahl seelischer Erkrankungen in den Industrienationen wächst stark.
Was wären “Maßstäbe des Menschlichen”?
Lässt sich überhaupt eine Politik denken, die solche Prozesse zu steuern noch in der Lage ist?
Ein hochrangiger Kommunalpolitiker in Neu Delhi sagte mir auf einer Dienstreise: “Diese Stadt kann man eigentlich nicht regieren. Wir wissen ja nicht mal, wo sie anfängt…..”.
Das Bild ist ein Synonym geworden für “noch mehr”, “noch schneller”, “noch gewaltiger”. Ich sehe es in den Tagen, in denen über “Rettungsschirme” gesprochen wird. Der “Zusammenbruch des Euroraumes” wird befürchtet, die “Griechenland-Krise” wirft ihre Schatten.
Das Bild zeigt: wir leben über unsere Verhältnisse. Seit etwa 150 Jahren nutzt man das Auto. In dieser Zeit haben wir mehr als die Hälfte der Rohstoffe durch die Motoren gejagt, die in Milliarden von Jahren in der Erde entstanden sind. Nimmt man das Lebensalter der Erde zum Maßstab und setzt es als vierundzwanzig Stunden bis heute, dann haben wir in den letzten Sekunden verbrannt, was während des ganzen Lebens gewachsen ist. Es ist wie ein Feuerwerk. Der Wahnsinn nennt es “Fortschritt”. Und in den Hirnen vieler Menschen, vor allem in Wirtschaft und Politik, geistert das Wort vom “Wachstum” immer noch als lohnenswertes Ziel.
Die Prozesse der Naturzerstörung beschleunigen sich.
Aber vielleicht wächst durch die zunehmende Vernetzung der Menschen untereinander durch die neuen sozialen Netzwerke auch ein Bewusstsein dafür, wie sehr wir abhängig sind von der Erde, die unsere Zivilisation trägt. Es ist nur eine vage Hoffnung, denn die Netzwerke werden auch genutzt, um das Wachstum der Wirtschaft noch schneller voran zu treiben.
Auf vielen Dienstreisen rund um die Welt hatte ich oft Gelegenheit, solche Riesenstädte aus der Luft zu sehen – beim Landeanflug auf einen der vielen Flughäfen, die solche Städte oftmals haben.
Fliegt man über Städte wie Tokyo, Delhi, Hongkong, Buenos Aires und andere, kann einen der Gedanke anwehen, als wären diese Städte wie wildwuchernde Krebsgeschwüre auf der Haut der Erde…..
In solche Städte fliegt die Umwelt-Community, um wieder mal eine Konferenz zum Klimaschutz abzuhalten. Man jettet von Großstadt zu Großstadt, um die Welt zu retten. Vergeblich. Denn die Emissionen steigen weiter stark an, die Zerstörung nimmt weiter zu.

Das Bild lässt mich auch ratlos. Denn es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, wie denn diesen Wahnsinn Einhalt geboten werden könnte. Zu vernetzt ist die Zivilisation. Komplex verwoben ist sie. Wenn sich etwas in einem Teil der Erde verändert, verändert sich das gesamte System. Weshalb einfache Antworten nicht mehr möglich sind. Immer wenn ich in politischen Programmen lese “nur so” sei die Lösung eines Problems erreichbar, blättere ich weiter. Denn “nur so” ist vereinfachtes Denken, das der Komplexität unserer Welt nicht mehr angemessen ist.

Ein Weg ist natürlich, bei sich selbst zu beginnen und diesen “Wahnsinn” nicht mehr mitzumachen. Viele Menschen gehen diesen Weg, so gut sie können.
Aber, schaut man auf den Globus, kann man sehen, dass der größere Teil der Weltbevölkerung weiterhin in diese Städte zieht. Umweltzerstörung, Klimawandel, Hoffnung auf ein wenig mehr Nahrung und Arbeit treiben die Menschen hin zum Moloch.

Aus einem Langstreckenflieger oder gar aus dem Weltall können solche Städte auch “schön” aussehen, wenn sie in der Dunkelheit leuchten. Aber, kaum ist man gelandet, zeigt “die Stadt” ihre andere Seite.

Es ist Samstag.
Herbst.
Die Sonne wärmt einen schönen Tag.
Die Erde dreht sich weiter um sich selbst und umkreist die Sonne. Politiker reden, Zeitungen schreiben, Musiker spielen, Kinder lachen, Mönche schweigen.
Und die alte Sonne wärmt das alles, gibt Wasser und Brot, wie sie es seit Jahrmilliarden getan hat….

vom Lesen der Zeitungen – Nachrichten von globalen Dorf


Es ist schwer, sich ein Gesamtbild zu verschaffen. Aber der UN-Bericht zur Bevölkerungsentwicklung 2011 gibt Anlass dazu. Einige Trends sind zu erkennen:

1. Die Weltbevölkerung wächst schneller als bislang angenommen. Am stärksten wachsen die ärmsten Länder, währen die reichsten Länder vergreisen

2. Die Meere sind überfischt. Fisch ist neben Getreide das Hauptnahrungsmittel der Menschheit

3. Weit über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Riesenstädten und der Trend beschleunigt sich weiter

4. Die Menschheit lebt von etwa 30 Getreidesorten. Das Artensterben jedoch beschleunigt sich weiter. Damit ist die Ernährung der Menschheit zunehmend gefährdet.

5. Die Folgen von Naturkatastrophen verstärken sich. Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die falsche Nutzung von Energie, denn sie beschleunigt den Klimawandel.

6. Der Klimawandel betrifft vor allem die ärmsten Länder der Welt. Er wird aber vor allem von den reichsten Ländern der Welt, sowie von “aufstrebenden” Schwellenländern verursacht, die einen “Wohlstand” nach dem Modell der reichsten Länder anstreben.

7. Die eigentlich notwendige Umsteuerung findet nicht statt. Das globale Finanzsystem ist instabiler denn je. Notwendige Gelder für Enwicklungszusammenarbeit, Geburtensteuerung, nachhaltige Energieversorgung, Arten- und Klimaschutz fließen nicht. Die Regierungen der Welt sind weit davon entfernt, ihre selbstgesteckten Ziele einzuhalten (Millenium goals).

8. Die Konfrontationen auf Grund von wachsenden Fundamentalismen zwischen reicher und armer Welt nehmen zu. Vor allem der Kampf um die letzten Rohstoffe treibt diese Konflikte an (Öl, seltene Erden etc.).

9. die politischen Steuerungsmechanismen der Menschheit versagen ganz offensichtlich. Egoismus von Nationalstaaten überwiegt nach wie vor den eigentlich notwendigen Gemeinsinn für die Eine Welt. Die UNO selbst ist nicht in der Lage, die Rolle einer eigentlich notwendigen Weltregierung zu erfüllen, weil der Konkurrenzkampf zwischen reicher und armer Welt, weil die Eigeninteressen vor allem der ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates eine solche Rolle verhindern.

10. Das Bewußtsein für die Eine Welt ist sehr unterentwickelt. Vor allem die reiche Welt versucht mit ihren enormen militärischen Ressourcen, ihren Wohlstand zu “sichern”, übersieht dabei aber, daß die Welt ein Gesamtsystem ist, in dem niemand auf Kosten anderer leben kann, weil die Verflechtung der Volkswirtschaften und die globalen Auswirkungen eigenen Handelns soweit fortgeschritten sind, daß ein solches “Sicherungsdenken” ins Leere läuft.

Man kann den Eindruck gewinnen, daß die Menschheit drauf und dran ist, ihre Lebensgrundlagen und damit sich selbst wissentlich zu zerstören.

Ein kleiner Trost: die Menschen brauchen die Erde, aber die Erde braucht die Menschen nicht.
Sie wird sich nach dem Desaster wieder erholen und in alter Schönheit wie am ersten Tage als blauer Planet durchs Weltall kreisen…..

“…und der Zukunft zugewandt” oder: etwas über das “Menetekel”


Eine Gruppe japanischer Journalisten wird nun in die Todeszone von Tschernobyl aufbrechen, um sich ein “Bild von der Zukunft” zu machen.
So berichtete es am 4. April 2011 die abendliche “Tagesschau”.

Ist das eine mögliche Zukunft? Nicht nur in Nordost-Japan?
Leben wir in einer Zeit, in der man in “Todeszonen” erfahren kann, wie es in Zukunft aussehen könnte?
Die Worte versagen angesichts dessen, was in und um Fukushima geschieht.
Die Sprache hat dafür keine Worte.
“Fukushima” selbst wird zu einem neuen, mit Erfahrung erfüllten Wort werden, vielleicht gar zu einem Symbol.
Worte entstehen, wenn Menschen ihren Erfahrungen Ausdruck geben.
Worte transportieren Erfahrung.
Wenn sich der gesellschaftliche Kontext verändert, verlieren Worte Bedeutungsinhalte. Manchmal geraten Worte gar ganz und gar in Vergessenheit.
“Fukushima” klingt schon heute, etwa drei Wochen nach der Katastrophe, nach vielerlei: es klingt nach tausendfachem Tod; es klingt nach Verantwortungslosigkeit; es klingt nach Hilflosigkeit von Regierung und Wirtschaftseliten; es klingt nach unaussprechlicher Not; es klingt nach unabsehbaren Folgen, es klingt nach Zeitenwende, es klingt nach millionenfachem Protest, es klingt nach Ende einer Entwicklung.
Das Wort trägt Bilder von gewaltigen Demonstrationen gegen Atomenergie in sich; es trägt Bilder einer entsetzlichen Katastrophe in sich. Zerstörte high-tech-Anlagen heißen “Fukushima”; das mit radioaktivem Wasser verseuchte Meer heißt “Fukushima”.
Nun also heißt Fukushima auch “Zukunft”.
Die japanischen Journalisten wollen – ziemlich genau 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl – besichtigen, wie die Zukunft um Fukushima sein wird.
Schon vor 25 Jahren sprachen einige vom “Menetekel”. Jenes “Zeichen an der Wand”, das König Belsazar nicht “lesen” konnte, weshalb er einen Deuter kommen ließ, denn sogar die Weisen des Hofes konnten die Schrift nicht lesen.
Der König sah diese Schrift “während eines Festes” (wer wollte nicht sehen, daß wir mit unseren Industriegesellschaften “auf der Höhe des Festes” angekommen sind) plötzlich an der Wand, wie uns die alten Schriften überliefert haben.
Es ist eine grandiose uralte Erzählung, überliefert im Daniel-Buch.
Blind ist der König, denn er kann “die Schrift nicht lesen”.
Untauglich sind die Weisen des Hofes, denn sie können “die Schrift nicht lesen”.
Alle “Ehtikkommissionen” werden der “Königin” nicht raten können. Alle “Fachleute” werden nicht weiterwissen.
Wir können es sehen. Täglich.
Wie sie improvisieren und fummeln und ausprobieren und ratlos mit leerem Blick vor die Kameras treten, um all das Elend, das sich da ausbreitet gebetsmühlenartig als “harmlos” und “für den Menschen ungefährlich” zu klassifizieren.
Und täglich wird es schlimmer.

Diese japanischen Journalisten jedoch wollen dem Spektakel, das ihnen da Regierung und TEPCO täglich vor Augen führen (spectaculum!), nicht länger folgen.
Sie wollen sich “ein eigenes Bild” machen von der Zukunft.

Deshalb fahren sie nach Tschernobyl.
Was für ein Vorgang!
Sie holen sich Rat auf einem Friedhof.
Sie wollen sich einstellen auf eine mögliche Zukunft in ihrer Heimat.
Weil sie den Oberen nicht mehr länger glauben wollen, nehmen sie Kontakt auf mit Menschen, die die “Zeichen” zu “deuten” wissen: sie suchen das Gespräch mit Menschen von Tschernobyl.

Spät in der Nacht finde ich einen ersten Bericht über diese Reise bei den Tagesthemen und füge ihn hier ein.

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