Geheime Kommandosache – das Parlament weiß nichts. Was weiß Guttenberg?


Selbst die Obleute der Fraktionen werden nicht über die KSK und die amerikanische Task Force 373 informiert. In der Bundestagszeitschrift „Das Parlament“ konnte man es lesen.
Die Abgeordneten dürfen sich nicht mal Aufzeichnungen machen, wenn sie „informiert“ werden. Sie werden offensichtlich sogar vom Minister verspottet.
Was hat es auf sich mit der deutschen Sondereinheit KSK und der amerikanischen Sondertruppe Task Force 373?
Wer die Task Force 373 ist, hatte der „Spiegel“ berichtet. Es ist eine Sondereinheit, die eingesetzt wird zum „gezielten Töten“ von „Taliban“. Man muß dazu wissen, daß Soldaten oft darüber klagen, daß sie „Taliban“ gar nicht von normalen „Zivilisten“ unterscheiden können. Es gibt zwar „Abschusslisten“, an denen offensichtlich auch deutsche Stellen beteiligt sind. Aber ein Abgeordneter, der genau herausfinden will, wie denn nun genau die Zusammenarbeit zwischen deutscher KSK und amerikanischer Task Force 373 im militärischen Alltag „funktioniert“, beißt auf Granit.
Das Parlament wird dumm gehalten.
Heute erschien ein Artikel in der „Welt“, wonach sogar der Chef der NATO im Jahr 2009 nicht „über die größte Militäraktion seit dem Vietnamkrieg“ informiert worden ist.
Eine geheime Kommandosache also.

Nun hat das Parlament die Fortsetzung des Afghanistankrieges beschlossen. (Ich verwende das Wort „Krieg“, weil es sogar von der Kanzlerin und dem Verteidigungsminister benutzt wird).
Aber das Parlament weiß ganz offensichtlich, weil nachlesbar, nicht, was da eigentlich wirklich vor sich geht.

Nun „arbeitet“ die amerikanische Task Force 373 nicht irgendwo, sondern im Norden Afghanistans. Also im Zuständigkeitsbereich der Deutschen.
Deshalb ist die Frage dringlich: Wie sieht die Zusammenarbeit von KSK und Task Force 373 im Alltag in Nordafghanistan tatsächlich aus?

Die fragenden Abgeordneten werden hingehalten.
Der Minister verspottet sie sogar.

Ich stelle deshalb hier die Frage: Was weiß Verteidigungsminister zu Guttenberg über eine Zusammenarbeit der deutschen KSK und der amerikanischen Task Force 373?

Es besteht Aufklärungsbedarf.
Denn heute sind schon wieder 3 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.
In Nordafghanistan.
Sie wurden von einem afghanischen Soldaten mitten im deutschen Camp erschossen…..

Etwas über alte Menschen in unserer Zeit


Seit ein paar Tagen beschäftige ich mich mit dem „zivilen Afghanistan“, weil die militärischen Bilder, die unser Denken bestimmen, überhand nehmen und uns verwirren. Über die Lage der Kinder habe ich geschrieben.
Heute soll es um alte Menschen gehen.
Google muß helfen. Ich bekomme also nur „vermittelte Informationen“. Direkte Berichte stehen mir nicht zur Verfügung. Dennoch will ich mich annähern und versuchen herauszufinden, was herauszufinden ist.

Ich finde dies: alte Menschen führen in Entwicklungsländern ein „Schattendasein„, wie es CARITAS International formuliert hat.

Zunächst: es gibt keine Rentenversicherung in Afghanistan. Die soziale „Absicherung im Alter“, die wir kennen, ist dort nicht bekannt. Alte gehören wie Kinder zu den Menschen, die am Krieg und an der Not, an der Kälte und am Hunger am meisten zu leiden haben. Soweit mein „Vorwissen“.

In einem Buch, das die Jahre um 1980 beschreibt finde ich diesen Textauszug, der dramatischer kaum sein kann.

Der erste Zeitungsbericht auf den ich stoße, stammt von 2001 aus einem Flüchtlingscamp. Bei 35 Grad minus seien 110 Menschen, „vor allem Kinder und alte Menschen“ erfroren.

Aus dem Jahre 2006 erfahre ich von einer Hungersnot, die nach einer großen Dürre im ganzen Lande herrschte. Wieder waren alte Menschen besonders betroffen.
Im Jahresbericht der CARITAS vom Juni 2010 erfahre ich: „Noch immer herrscht in der Bevölkerung akute Not. Im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen nimmt Afghanistan weltweit den vorletzten Rang ein. Die Lebenserwartung beträgt gerade einmal 44 Jahre, und fast drei Viertel der Bevölkerung – unter den Frauen ist der Anteil noch viel größer – sind Analphabeten. …
Ich schließe daraus: besonders die alten Menschen gehören zu den Analphabeten. Und: es gibt relativ wenige alte Menschen. Denn: kaum einer wird älter als 50.

Und die Hilfe erreicht die Menschen oft nur sehr schwer. Vom Sommer 2010 stammt diese Meldung über Hilfslieferungen nach heftigen Regenfällen und folgendem Hochwasser. Alte Menschen leben oft in abgelegenen Bergdörfern und die Hilfe kommt nur schwer dorthin.

Bei meiner heutigen Recherche bin ich auf etliche neue Kontakte gestoßen, habe mails geschrieben, will noch mehr Informationen zusammentragen.

Ich werde hier im blog davon berichten.
Damit sich das Bild in unseren Köpfen ein wenig verändert.
Afghanistan ist ein uraltes Kulturland mit einer überaus bewegten Geschichte.
Es ist weitaus mehr als „Taliban“ und „Krieg“ und „Mohn“. In diesem schönen Land leben Menschen mit einer jahrtausendealten Überlieferung. Man spricht etwa 49 Sprachen im Land. Verschiedene Völkergruppen siedeln dort in jenem Land, von dem wir nur glauben, wir würden es kennen……

Zivile Alternativen zum Krieg – Interview mit Ulrich Post (VENRO)


Ulrich Post Vorsitzender von VENROU.K: VENRO ist der Zusammenschluss von 120 zivilen Organisationen, die in anderen, meist deutlich ärmeren Ländern Aufbauarbeit leisten.
Wie ist Ihre Erfahrung über die Medienresonanz Ihrer Arbeit?

U.P.: Generell ist es für entwicklungspolitische Themen nicht einfach, mediale Aufmerksamkeit zu erwecken. Dies gilt insbesondere in schwierigen Zeiten wie der Wirtschafts-und Finanzkrise. Die Forderung etwa nach mehr Geld zur Unterstützung armer Menschen im Süden trifft in der Öffentlichkeit eher auf wenig Verständnis. Insofern bildet Afghanistan eine Ausnahme – gerade im letzten Jahr gehörte es zu den Topthemen in den Medien. VENROs Kritik an der Vermischung der zivilen und militärischen Hilfe fand große Aufmerksamkeit.
Positiv hat sich auch der Regierungswechsel ausgewirkt: Bundesminister Niebel hat der EZ medialen Auftrieb beschert- davon hat auch VENRO profitiert.

U.K.: In der Öffentlichkeit wird über den Beginn des Abzugs deutscher Soldaten aus Afghanistan diskutiert. Die NATO wird im März entscheiden, nachdem die USA (Beginn des Abzugs Juli 2011) und Deutschland (möglichst Beginn Herbst 2011) votiert haben. Dennoch steht das Konzept der „verbundenen Sicherheit“ auf der Tagesordnung.
Wie beurteilt VENRO das Bemühen des BMZ, Hilfen nur an solche Organisationen zu geben, die zur Kooperation mit dem Militär bereit sind?

U.P.: VENRO sieht diese Bedingungen, die an eine Förderung gestellt werden, sehr kritisch und hat das auch öffentlich gesagt. Unsere Organisationen orientieren sich an dem Bedarf der Bevölkerung und geeigneten zivilgesellschaftlichen Partnern, aber nicht daran, wo die Bundeswehr stationiert ist, oder in welcher Provinz die Bundesregierung gerne Sicherheit herstellen möchte. Außerdem beobachten wir in Afghanistan, dass eine Instrumentalisierung von ziviler Hilfe durch das Militär genau das Gegenteil von Sicherheit bewirkt: Helfer und Zivilbevölkerung geraten leicht ins Visier von Aufständischen, wenn Hilfsorganisationen als Handlanger der internationalen Streitmacht erscheinen. Einige VENRO-Mitglieder arbeiten schon seit den 1980 oder 1990er Jahren in Afghanistan- und werden voraussichtlich auch noch dort sein, wenn die Bundeswehr längst abgezogen ist. In jedem Fall machen wir unsere Arbeit transparent, informieren das BMZ und stimmen uns mit anderen nichtstaatlichen und staatlichen Gebern ab.

U.K.: Was ist aus Ihrer Erfahrung derzeit das Wichtigste in Afghanistan?

U.P.: Für uns ist wichtig, das Vertrauen der Menschen vor Ort nicht zu verlieren. Gerade für junge Menschen müssen Angebote für Arbeitsplätze und Einkommen entstehen. Bisher erreichte Fortschritte bei Menschenrechten, Frauenrechten oder Zugang zur Bildung dürfen bei politischen Verhandlungen mit aufständischen Kräften nicht geopfert werden. Bislang fehlen überzeugende Konzepte, wie die mit der afghanischen Regierung vereinbarten Aufbauziele über 2014 hinaus erreicht und langfristig abgesichert werden sollen.

U.K.: Wäre aus Ihrer Sicht ein deutliches ziviles Mandat im Beschluss des Bundestages zur Verlängerung des ISAF-Mandates erforderlich gewesen?

U.P.: Dies wäre ein eher symbolischer Akt, um die zivile Seite aufzuwerten. Wichtiger ist, dass unabhängig vom militärischen Engagement breit über die besten Ansätze zum Aufbau von Institutionen, Verantwortung und Kontrolle und soziale Verbesserungen für Bevölkerung diskutiert wird. Entsprechende Bundestagbeschlüsse würden wir natürlich begrüßen.
Die Bundesregierung könnte auch den nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat nutzen, eine Initiative für ein neues ISAF-Mandat zu ergreifen. Dies sollte klar an dem Schutz von Zivilbevölkerung orientiert sein. Generell sollte die UN eine aktivere Rolle bei der Suche nach einer politischen Lösung und eines umfassenden Friedensprozess einnehmen.

U.K.: Wie kann man die Arbeit von VENRO und seinen 120 Mitgliedsorganisationen nach Ihrer Einschätzung stärken?

U.P.: In Afghanistan arbeiten nur 10 deutsche VENRO-Mitglieder. Helfen würde uns, wenn Mittel langfristig und nach entwicklungspolitischen Qualitätskriterien zur Verfügung stünden. Die Stimmen der organisierten Zivilgesellschaft sollten stärker politisch unterstützt werden, z.B. bei Anhörungen im Bundestag. Afghanische zivilgesellschaftliche Partner müssten in die Vorbereitung der geplanten Bonner Afghanistan-Konferenz Ende 2011 aktiv eingebunden werden und dort im Unterschied zu den vielen Vorgängerveranstaltungen mitbestimmen können.

Ulrich Post ist Vorsitzender des Verbandes Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO).

Ich hab da mal ein paar Fragen – zur mysteriösen Task Force 373


Der Artikel im „Spiegel“ vom 12. Februar 2011 macht mich unruhig.
Da ist von einer „Killertruppe“ die Rede, von der amerikanischen „Task Force 373„, die „außerhalb des ISAF-Mandats“ arbeitet.
Ohne Parlamentsbeschluss also.
Im „deutschen Gebiet“ in Nordafghanistan.

Über dieses „Killerkommando“ hat der „Guardian“ sehr unschöne Dinge veröffentlicht: denn diese Truppe tötet offenbar Kinder, Zivilisten und afghanische Polizisten, die „mit den Taliban“ kooperieren.

Die geheimen Dokumente, die der „Guardian“ veröffentlicht hat, und die auch dem „Spiegel“ vorliegen, werfen Fragen auf:

1. Da die Task Force 373 in Nordafghanistan „arbeitet“, also in einem Gebiet, das unter deutschem Kommando steht:
Gibt es eine „Zusammenarbeit“ mit der deutschen KSK?
2. Wenn es eine solche „Zusammenarbeit“ gibt: wie sieht sie genau aus?
3. Weiß das Parlament von diesen Kommandos?
4. Glaubt das Parlament, daß das im Januar beschlossene neue ISAF-Mandat den Einsatz dieser Kommandos abdeckt?
Oder operieren die Kommandos „außerhalb des Mandats“ des Deutschen Bundestages und ohne, daß das Parlament davon weiß?

5. Wußten die Abgeordneten zur Zeit des Mandatsbeschlusses von einer Zusammenarbeit beider Kommandos?
6. Was wussten die Abgeordneten genau? Waren sie umfassend informiert?

7. Wenn sie vom Einsatz der KSK und der Task Force 373 nichts wußten – weshalb haben sie dann einer Mandatsverlängerung dennoch zugestimmt?

Es sind ein paar harmlose Fragen eines Zivilisten.
Aber vielleicht interessieren sie ja auch den einen oder anderen Abgeordneten…..

Etwas von den „Langnasen“. Oder: über internationale Beziehungen. Oder den 22. Februar 1928


„Die Geschichte der Beziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland muß noch geschrieben werden“ hat kürzlich ein Professor gesagt. Und der muß es wissen. Ist ja schließlich Professor.
Also: Vorsicht ist angesagt bei diesem sensiblen Thema.
Deshalb kann ich gar nicht „die Beziehungen“ darstellen. Ich kann etwas erzählen von meinen Begegnungen mit Menschen in diesem schönen Land.
Und ich kann ein paar links einfügen.

Was ich von einem guten Kenner des Landes weiß: sie nennen uns „Langnasen“.
Und im Grunde mögen sie die Deutschen.
Und die Deutschen mögen – eigentlich – die Leute vom Hindukusch.

Als König Amanullah am 22. Februar 1928 am Lehrter Bahnhof in Berlin eintraf, gaben ihm die Deutschen einen sensationellen Empfang. Die „Welt“ hat daran erinnert.
Der Hintergrund war „große Politik“: die Afghanen brauchten die Deutschen – gegen die Briten.
Dr. A. Samad Hamed hat es hier näher beschrieben.

Im Dezember 1923 wurde die erste deutsche Gesandtschaft in Kabul eröffnet.
Seit den dreißiger Jahren bis zum kommunistischen Umsturz gab es keine Regierung, in der nicht wenigstens ein Minister entweder Absolvent der deutschen „Nedjat-Oberrealschule“ gewesen war oder in Deutschland studiert hatte. Es fing also mit den Schulen an. Deshalb mögen es die Afghanen, wenn gerade die Deutschen jetzt in ihrem Lande wieder Schulen bauen…. . Die Deutschen waren seither „Modernisierungspartner“ für Afghanistan. So sagt es Dr. Samad Hamed.
Seit 1938 gab es regelmäßigen Flugverkehr zwischen Berlin und Kabul. Man flog „Lufthansa“….
1952 wurde ein afghanisches Kulturamt in München eröffnet. Zwischenzeitlich waren etliche afghanische „Staatsstipendiaten“ in Deutschland zur Ausbildung und etliche deutsche Ingenieure und Techniker in Afghanistan als „Modernisierungspartner“ eingetroffen.
1958 gab es ein neues Abkommen zwischen beiden Ländern, das die Beziehungen regelte.
Als die Russen am 29. Dezember 1979 in Afghanistan einmarschierten, war die lange Zeit guter Beziehungen zu Deutschland zunächst einmal beendet.  Die letzten deutschen Berater verließen Afghanistan 1980.
Während der russischen Besatzung gab es etliche öffentliche Veranstaltungen im Deutschen Bundestag, die die Unabhängigkeit Afghanistans und den Abzug der Russen forderten.

Viele Tausend afhganische Flüchtlinge fanden eine Zukunft in Deutschland (aktuell ca. 90.000).

Im Dezember 2001 eröffnete wieder eine deutsche Botschaft in Kabul ihr Büro, zunächst als „Deutsches Verbindungsbüro“.
Deutschland hat sich in all den Jahren sehr um gute Beziehungen bemüht, wie dieser Text mit Textausschnitten des  Auswärtigen Amtes zeigt:
Auch aktuell – während des Krieges – sind viele zivile Organisationen in Afghanistan tätig. Die Botschaft in Kabul hat davon die Übersicht.

Allerdings – seit 2001 ist der „Bündnisfall“ gegeben und Deutschland ist nun auch mit Soldaten im Lande. Anfangs überwog der „eher zivile“ Aspekt: Sanitätssoldaten, Infrastrukturentwicklung etc. Mittlerweile jedoch ist sogar die KSK, die „Sondertruppe“ der Bundeswehr auch an „Offensivhandlungen“ beteiligt.
Und das spricht sich im Lande herum.

Wie Entwicklungshelfer berichten, werden sie von Menschen angesprochen, man könne sie „nicht mehr unterscheiden“, sie mögen doch „andere Fahrzeuge“ benutzen (die Welthungerhilfe hat z.B. davon berichtet). Und die Sicherheit nicht nur der Entwicklungshelfer wird nicht besser, sie wird schlechter. Seit es sogar Angriffe auf Entwicklungshelfer gibt, ist deutlich, wie angespannt die Situation vor Ort ist.
Die Stimmung beginnt nicht erst seit heute, sich zu drehen.
Deutsche Soldaten werden zunehmend als „Teil des Westens“ wahrgenommen. Und die Stimmung in der Bevölkerung dreht sich schon seit längerem – gegen den Westen.
Nicht zufällig hat General Petraeus in seinem Brief vom Januar 2011 an die Soldaten der ISAF darauf hingewiesen, man müsse der Bevölkerung „klarmachen, daß es ihr unter der jetzigen Regierung besser gehe als unter den Taliban.“ – Ich hatte diesen Brief im blog ausführlich kommentiert. –

Die Deutschen und die Afghanen haben – eigentlich – sehr gute Beziehungen.
Aber diese guten Beziehungen sind im Moment „angeschlagen“.
Und je stärker auch Offensivkräfte wie die KSK in der nun kommenden Märzoffensive der Allianz beteiligt sein werden, je mehr Zivilisten Opfer dieses Krieges werden, um so „angeschlagener“ werden auch die deutsch-afghanischen Beziehungen sein.

Es ist vielleicht gerade jetzt hilfreich, jetzt, kurz vor der Märzoffensive, an der 300.000 Soldaten der Allianz beteiligt sein werden, darunter auch deutsche Offensivkräfte – sich an die Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Afghanistan zu erinnern.
Am besten waren diese Beziehungen, wenn deutsche Techniker, Landwirte und Verwaltungsfachleute im Lande waren, wenn Schulen gebaut wurden und wenn afghanische Gaststudenten in Deutschland eine gute Ausbildung bekamen.

Rosen aus Afghanistan – etwas über Wirtschaftsförderung


Ein kleiner Artikel über den ersten Stand Afghanistans auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin brachte mich auf die Idee, über Wirtschaftsförderung zu schreiben.
Es sind die Bilder im Kopf, die uns verwirren: Bilder von Bomben, von Krieg, von Entwicklunghilfe a la Schulbau (der wichtig ist!). Ziviler Aufbau bedeutet jedoch eigentlich: Handeln auf gleicher Augenhöhe.
Wer den Handel mit Afghanistan fördert, fördert das Land.
„Rosen statt Heroin“ oder „Der Krieg der Blumen“ wie in diesem wunderbar erzählten Beitrag vom „Tagesspiegel“ aus dem Jahr 2008 zu lesen steht. Rosen gegen Mohn. In Ost-Afghanistan. Mitten im Taliban-Land.
Ein Liter Rosenöl ist sehr wertvoll: etwa 6.000 Dollar, vielleicht sogar mehr.
Hier der Film dazu

Nun also gibt es eine deutsch-afghanische Firma, die auch Rosenöl verkauft. Ein ehemaliger Mitarbeiter der GTZ und seine Frau haben die Idee aufgegriffen.
Ich bin mit dem Gedanken infiziert und mache mich weiter auf die Suche. Und finde eine weitere Firma, die fair gehandelte Ledertaschen aus Afghanistan vertreibt.

Wirtschaftsförderung ist ein mühsames Geschäft. Denn die eigentlich gehandelte Ware ist Vertrauen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war gemeinsam mit „German Trade&Invest“ viel im Ausland unterwegs, um ausländische Investoren für Deutschland zu gewinnen. Ich hatte als Repräsentant der deutschen Regierung die Rolle des „Türöffners“ und „key note speakers“. Zuletzt war ich in Tokio, Hongkong und Seoul, in jenen gewaltigen Mega-Städten Asiens.
Etwa sieben Jahre braucht man als Unternehmer, bevor man wirklich in einem ausländischen Markt „angekommen“ ist. Deshalb wundert es mich nicht, daß das Rosenprojekt mit ersten Erkundungen schon vor 13 Jahren begonnen hat. Und nun erste Früchte trägt.
Das „Rosenprojekt“ der Welthungerhilfe ist ganz sicher ein „Vorzeigeprojekt“. Und, daß es nun sogar auf der weltgrößten Ernährungsgütermesse, der Grünen Woche, angekommen ist, zeigt eben den „Vorzeigecharakter“. Es ist ein sehr sehr langer Weg bis dorthin. Recherche vor Ort. Dann einen „Projektleiter“ finden, nicht selten von einer non-governmental-Organisation (NGO), dann Partner im Land finden. Die Produktion aufbauen. Den Vertrieb aufbauen, Kunden gewinnen. Messen besuchen. Dafür braucht man Partner.
Deshalb ist nach Strukturen zu fragen.
Wer fördert den Handel mit Afghanistan?
Ich recherchiere weiter.
Und finde: den Peace Dividend Trust, der auch in Afghanistan daran arbeitet, Produzenten, Händler und Kunden zusammenzubringen. Selbst eine nicht-staatliche Organisation mit Unterstützung der UNO.
Etwa 6.000 afghanische Firmen sind dort registriert und können über die Website ihre Kontakte beginnen.
Die afghanische Exportpromotionsagentur hilft, so gut sie kann und vermittelt Kontakte zum Exportministerium und zu Firmen. Man sieht an der Website, daß die Afghanen sich um die großen Messen in Schanghai (Weltausstellung 2010), Berlin (Grüne Woche 2011) und Moskau kümmern. Was richtig ist.
Interessant ist das „deutsch-afghanische Netzwerk“ an der deutschen Botschaft in Kabul. Es ist neu (Herbst 2010) und wird von einem erfahrenen GTZ-Mitarbeiter betreut.

Die Außenhandelskammern Deutschlands sind ein überaus schlagkräftiges Netzwerk, jedoch leider noch nicht in Afghanistan mit einem eigenen Büro vertreten. Aber die AHK-Büros in Asien verfügen sicher über wertvolle Kontakte auch nach Afghanistan.

Wie sind die Strukturen in Deutschland?
BMZ, GTZ, Auswärtiges Amt. Gut. Und wichtig.
Dann: einzelne Geschäfte, die faire trade Produkte handeln, wie wir oben gesehen haben.
Wer edle afghanische Teppiche mag, und gleichzeitig darauf achtet, daß sie nicht in Kinderarbeit hergestellt werden, ist hier richtig:
Ganz sicher hilft auch die deutsch-afghanische Initiative weiter, ein Netzwerk zwischen Deutschen und Afghanen, die gemeinsam am zivilen Aufbau des Landes arbeiten.

Eine Rose hat mich drauf gebracht.
Auf das wichtige Thema Wirtschaftsförderung.

Ich staune immer wieder, was in den Dingen verborgen ist ……

„Danke für Eure großartige Arbeit!“ – die Botschaft des Generals.


Das ist sie, die Botschaft des Generals.
Der General ist Jahrgang 1952 und hat folgende Biografie:
Übersetzt (Unterstreichungen und Hervorhebungen von mir):

An die Soldaten des Heeres, der Marine und der Luftwaffe, die Marineinfanteristen, die Männer der Coast Guard und die Zivilisten der International Security Assistance Force / ISAF der NATO

Betreff: Lagebeurteilung des ISAF-Kommandeurs

Ich dachte, es könnte nützlich sein, wenn ich zu Beginn des Jahres 2011 eine Einschät­zung der Situation in Afghanistan vornehme.

Vorneweg möchte ich euch aber wissen lassen, dass ihr und eure afghanischen Kamera­den 2010 ein gewaltiges Werk vollbracht habt. In der Tat haben die ISAF und die afghani­schen Streitkräfte eindrucksvolle Fortschritte bei (der Erfüllung) unserer Mission erzielt – einer Mission, die nicht nur für jedes unserer Länder und Afghanistan, sondern auch für diese Region und die ganze Welt von enormer Bedeutung ist.

Wie ihr euch erinnern werdet, ist es unser Hauptziel, sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder zur Zufluchtsstätte für Al-Qaida oder andere international operierende Extremisten werden kann. Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, müssen wir den Afghanen helfen, die Fähigkeit zu entwickeln, sich selbst zu sichern und zu regieren. Dies erfordert hinwieder­um eine umfassende zivil-militärische Kampagne, die wir in enger Verbindung mit unseren afghanischen Partnern durchführen müssen, um afghanische Sicherheitskräfte aufzubauen und die Errichtung einer stabilen Regierung und die Entwicklung der Wirtschaft zu för­dern.

Die Einführung unserer (neuen) Strategie im Jahr 2010 wurde beträchtlich erleichtert durch den Einsatz zusätzlicher ISAF-Truppen, das Wachstum der afghanischer Armee und Polizei, die Vergrößerung der Anzahl unserer zivilen Partner und die Bereitstellung der Mittel, die all das ermöglichten. Tatsächlich ist es durch den Aufbau zusätzlicher Orga­nisationen, die Verfeinerung unserer Strategie und die zusätzlichen Mittel im vergangenen Herbst möglich geworden, in Afghanistan zum ersten Mal „alles richtig zu machen“.

Unsere Anstrengungen haben weiteren Auftrieb erhalten durch die Anteilnahme der Füh­rer unserer Länder auf dem (NATO-) Gipfel in Lissabon. In Lissabon haben sich unsere Führer dazu verpflichtet, die Unterstützung zu gewähren, die wir brauchen, um das Ziel des Präsidenten Karzai zu verwirklichen, der möchte, dass die afghanischen Streitkräfte bis Ende 2014 im ganzen Land die Oberhand gewinnen.

Im vergangenen Jahr habt ihr mit unseren afghanischen Partnern zusammengearbeitet,
um die in großen Teilen des Landes weiter abnehmende Sicherheit in einigen Gebieten von großer Bedeutung wieder herzustellen. So hat zum Beispiel trotz gelegentlicher An­griffe die Sicherheit in der Provinz Kabul in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 eindrucks­voll zugenommen – und das ist besonders bemerkenswert, weil in Kabul und seinem Umland ein Fünftel der afghanischen Bevölkerung lebt und die afghanischen Streitkräfte bis auf einen Distrikt in der ganzen Provinz die Oberhand gewonnen haben.

Hart errungene Fortschritte sind auch in den Provinzen Helmand und Kandahar zu ver­zeichnen – durch einen großartigen Einsatz der Truppen der Koalition und Afghanistans, die in diesen Gebieten erfolgreich und tapfer gekämpft haben. Teilerfolge gab es auch in zahlreichen Gebieten im Osten, Westen und Norden des Landes; sie wurden möglich durch die Verstärkung der afghanischen Streitkräfte und der ISAF-Truppen, den beginnen­den Aufbau lokaler afghanischer Polizeikräfte durch die Reintegration versöhnungsbereiter Aufständischer und durch erbarmungslos und schnell durchgeführte gezielte Operationen von Spezialkräften der Afghanen und der ISAF. Obwohl klar ist, dass wir in zahlreichen Gebieten noch viel Arbeit haben, ist es ebenso klar, dass die ISAF und die afghanischen Truppen der mittleren Ebene der Taliban und des Haqquani-Netzwerkes im ganzen Land enorme Verluste zugefügt und einige ihrer wichtigsten sicheren Schlupfwinkel eingenommen haben. Jetzt gehen die Operatio­nen meistens von uns und nicht mehr von den Aufständischen aus, und es gibt zahlreiche Berichte über eine noch nie da gewesene Uneinigkeit zwischen den Mitgliedern der Quetta Shura, des höchsten Führungsgremiums der Taliban.

Die Fortschritte im letzten Jahr waren sicher nicht leicht zu erzielen. Ganz im Gegenteil mussten wir unsere Erfolge hart erkämpfen und schwere Verluste und Rückschläge hin­nehmen. Außerdem mussten wir uns von intensiven Kämpfen auf komplizierte Stabilisie­rungsoperationen umstellen – und das sogar abwechselnd mehrmals am gleichen Tag. Eure Anpassungsfähigkeit, eure Geschicklichkeit, eure Entschlossenheit und euer Mut werden in die Geschichte eingehen. Deshalb waren wir auch bemüht, eure Leistungen an­zuerkennen und einzelne Soldaten und Einheiten entsprechend zu würdigen.

Trotz der Leistungen im Jahr 2010 bleibt für das Jahr 2011 noch viel harte Arbeit übrig. Und wie immer in Afghanistan wird auch der weitere Weg schwierig bleiben. Wie Präsident Karzai versprochen hat, muss die Sicherheitszone um Kabul auch auf die benachbarten Provinzen ausgedehnt werden. Die im Süden und Südwesten erzielten Geländegewinne müssen gesichert, miteinander verbunden und ausgeweitet werden. Die von den Aufstän­dischen in den letzten Jahren erzielten Teilerfolge im Norden und im gebirgigen Nordosten müssen gestoppt und wieder rückgängig gemacht werden.

Um den Zuwachs an Sicherheit, den wir 2010 erreicht haben, nutzen zu können, müssen wir die Unterstützung der afghanischen Behörden fortsetzen, damit die Bevölkerung mehr Vertrauen in sie setzt. Wir müssen unsere Hilfe zur Verbesserung der grundlegenden Dienstleistungen afghanischer Institutionen beibehalten, damit das afghanische Volk er­kennt, dass es unter der jetzigen afghanischen Regierung eine bessere Zukunft hat, als unter einer erneuten brutalen und repressiven Herrschaft der Taliban. Zusätzlich müssen wir die afghanischen Offiziellen verstärkt bei der Durchsetzung der Absicht des Präsiden­ten Karzai unterstützen, die Korruption und die kriminelle Vetternwirtschaft zu beseitigen, die verhindern, dass effektive afghanische Behörden entstehen können. Unser Beitrag zur Bekämpfung der Korruption besteht darin, darauf zu achten, dass auch beim Einsatz von Vertragsfirmen und bei Beschaffungsmaßnahmen nicht bestochen wird.

Es muss nicht daran erinnert werden, dass die Taliban und andere Feinde der Sicherheit in Afghanistan hart fighten werden, um uns an der Erfüllung unserer Aufgaben zu hindern. Aber angesichts der Geschicklichkeit und des Einsatzwillens, die ihr und unsere afghani­schen Partner im vergangenen Jahr gezeigt haben, weiß ich, dass ihr mit ihnen gemein­sam auch die noch vor uns liegenden schweren Aufgaben meistern werdet.

Wir müssen sämtliche Operationen zur Unterstützung unserer afghanischen Partner ge­meinsam durchführen. Das ist ja schließlich ihr Land, und wir arbeiten gemeinsam für eine bessere Zukunft für sie und ihre Kinder. Die Afghanen möchten verständlicherweise immer selbständiger in ihrem eigenen Land agieren. Darüber sollten wir uns freuen; wenn es die Sicherheitslage zulässt, werden wir in diesem Jahr in ausgewählten Gebieten mit der Übertragung der Verantwortung auf die afghanischen Streitkräfte beginnen und damit der afghanischen Regierung auch mehr souveräne Entscheidungen ermöglichen. Wo uns das gelingt, sollten wir mit unseren afghanischen Partnern feiern, denn ihr Erfolg ist natürlich auch unser Erfolg.

Unterm Strich brachte das Jahr 2010 bedeutende und hart erkämpfte Fortschritte. Das vor uns liegende Jahr wird wahrscheinlich genau so hart werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir durch gemeinsam Anstrengungen der ISAF und der afghanischen Streitkräfte auch 2011 wichtige Erfolge erzielen werden.

Ich möchte euch wie immer für eure außerordentlichen Leistungen, eure Opfer, euren Ein­satz und eure Entschlossenheit danken. Jeder von euch gehört zu der neuen Greatest Ge­neration eures Landes, und es ist das Privileg meines Lebens, mit euch an diesem wichtigen Unternehmen teilnehmen zu dürfen.

Handschriftlicher Zusatz:                                                     In Bewunderung und Anerkennung

Danke für eure großartige Arbeit! David H. Petraeus

General der US-Army Kommandeur der ISAF und der US-Streitkräfte in Afghanistan

Soweit der Text.
Er ist eine Herausforderung für den studierten Exegeten, der die Methodik zur Verfügung hat, einen solchen Text auf seine eigentlichen Aussagen zu zerlegen, dies an diesem Exempel auch zu tun. Ich erspare mir das jedoch. Wir sind hier nicht im exegetischen Seminar.
Aber auf ein paar Dinge will ich dennoch hinweisen: auf die „Botschaft hinter der Botschaft“.

1. Wenn im Text von „sollten“ die Rede ist, bedeutet das, das es nicht immer so ist. Z.B. beim Thema „Vergabe von Aufträgen an Partnerfirmen“. Hierbei „sollte“ die Korruption bekämpft werden. Will sagen: es gibt bei dieser Vergabe Korruption…..
2.Wenn im Text von „mehr“ die Rede ist, bedeutet das, das es noch zu wenig ist.
3. Deutlich wird: man hat lediglich Sicherheitsinseln im Land. Man ist bemüht, sie zu verbinden.
4. Wenn Sicherheitsinseln „ausgedehnt“ und „verbunden“ werden sollen, heißt da ja wohl, dass zwischen diesen „Inseln“ ein ziemliches weites „Meer“ ist: also große Gebiete, die die ISAF nicht kontrollieren kann.

5. wenn die afghanische Regierung „mehr souveräne Entscheidungen treffen“ können soll, dann heißt da ja wohl, daß sie es im Moment nicht kann. Wer regiert das Land? die ISAF?

6. Wenn „das afghanische Volk erkennen soll, daß es jetzt eine bessere Regierung hat als unter den Taliban“, dann heißt das ja wohl, daß das Volk andrer Meinung ist …..

Ich will mich mit diesen Hinweisen begnügen. Meine Unterstreichungen deuten ja ausreichend auf die Sachverhalte hin, die hinter der formulierten Botschaft stecken. Hilfreich ist es immer auf Komparative zu achten, denn sie beschreiben indirekt die wahrgenommene Realität. (mehr, besser, sicherer etc.).

7. Was ist das Ziel dieses Briefes, was ist der „scopus“, wie der Exeget fragen würde?
Der Brief erscheint, kurz nach dem General Petraeus per Video-Botschaft auf den Beginn der „fighting season“, der „Kampf-Saison“ im März diesen Jahres hingewiesen hatte.
Das Ziel des Briefes ist es, die Truppen zu motivieren.
Man fragt sich, weshalb das nötig ist …..