Der Darß zwischen 1933 und 1945. Widerstand gegen Hitler


„Prominentester“ Widerständler auf dem Darß war ganz sicher Dietrich Bonhoeffer, der im Zingsthof 1935 mit der Ausbildung der jungen Theologen begann, die sich der „Bekennenden Kirche“ angeschlossen hatten.

Bonheffer 1935 vor dem Zingsthof. Quelle: Evangelische Kirchgemeinde Zingst

1934 kam ein in Zingst geborener junger Mann als Pastor in Zingst ins Pfarramt: Gerhard Krause. Er lernt dort Bonhoeffer 1935 kennen, und schließt sich der „Bekennenden Kirche“ an.

Verhaftung Gerhard Krause 1944. Quelle: Evangelische Kirchgemeinde Zingst

1944 wird er wegen „Wehrkraftzersetzung“ in Stralsund inhaftiert und von einem „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt. Die Anklageschrift wird allerdings bei einem Bombenangriff auf Stralsund vernichtet, weshalb es nicht zur Hinrichtung kam. Pastor Gerhard Krause  wird in Stralsund 1945 von sowjetischen Soldaten befreit. Er stirbt 1950.

Wenn man sich das Jahr 1935 auf dem Darß anschaut, sieht man einerseits Hakenkreuzfähnchen am Strand; Strandburgen mit „Juda verrecke!“ in Muscheln gelegt; Schilder am Strand „Betreten für Juden verboten“ – der Bäderantisemitismus wird immer aggressiver; die Kirche in Born wird mit großem Tamtam (SS; HJ; BDM; Reichsnährstand; NSDAP etc. eingeweiht) und gleich nebenan, im nur wenige Kilometer entfernten Zingst, man kann bequem zu Fuß hinüberlaufen arbeitet Dietrich Bonhoeffer im Zingsthof an der Ausbildung der jungen Theologen die sich dem „Deutschen Christen“ eben nicht anschlossen, sondern die „Bekennende Kirche“ aufbauten, bald schon in der Illegalität. Beides liegt dicht nebeneinander.
Von der Forstverwaltung des Darßwaldes in Born aus agiert der hohe SS-Offizier Franz Mueller-Darß, der beste Beziehungen zu Himmler und Göring unterhält – und in Zingst beginnt ein junger Pastor mit der Arbeit in seiner Pfarrstelle und wird immer mehr zum Gegner des Systems, bis man ihn wegen „Wehrkraftzersetzung“ vor ein Sondergericht stellt. Die Orte auf dem Darß sind nicht groß. Jeder kennt jeden. Viele reden sich mit dem Vornamen an. Die Einheimischen duzen sich. Der Pastor in Prerow steht den Deutschen Christen zumindest nahe, das zeigen seine Äußerungen – der Pastor in Zingst ist bei der „Bekennenden Kirche“, die Kirchenkreisleitung in Barth ist NSDAP und „DC“ – in Bliesenrade, ganz versteckt im Walde, wird es Anfang der vierziger Jahre mutige Menschen geben, die den Kindern von im KZ Born inhaftierten Zeugen Jehovas den Kontakt zu ihrer Mutter ermöglichen. …. Beides dicht nebeneinander. Je mehr ich mich in die Akten einlese, je mehr an Informationen freigelegt wird, um so spannender werden die Verhältnisse auf dem Darß zwischen 1933 und 1945.

(Anmerkung: das Projekt „Der Darß zwischen 1933 und 1945“ findet mit einer eigenen Seite auch auf facebook statt, dort noch ein wenig ausführlicher als hier im blog.)

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