Tag 18. Call to action. Auf dem Weg nach Aleppo


Egal, was ich an diesem Tag tue, immer weiß ich, dass die Menschen da auf dem Weg nach Aleppo weitergehen. Sie gehen sozusagen neben mir durch meinen Tag.
Heute früh um neun Uhr sind sie in Litomerice gestartet und heute Abend werden sie nach 20 Kilometern Fußmarsch in Roudnice nad Labem sein. Ihre einzelnen Etappen sind ja auf der Homepage gut kommuniziert.
Wieder erreichen mich während des Tages diese fürchterlichen Bilder aus den völlig verfrorenen Flüchtlingscamps an Europas Grenzen. Bilder aus Griechenland, aus Serbien, aus Mazedonien. Es gibt erste Todesopfer.
Die Deutsche Welle schickt erneut einen kurzen Film mit solchen Bildern, auch mit Interviews von Ärzte ohne Grenzen. Die Lage ist fürchterlich.
Zeitgleich kommt die Nachricht: Bund, Länder und Kommunen in Deutschland haben im Jahr 2016 19 Milliarden Euro Überschuss erzielt, davon der Bund allein ein Drittel, 6,2 Milliarden. Zeitungen und Fernsehsender berichten davon.
Wie geht das alles zusammen?
Überfluss auf der einen Seite, lebensbedrohliche Umstände auf der anderen Seite der europäischen Grenzen?
Dies kann nicht so bleiben. Denn es ist ungerecht, widerspricht selbst den Mindeststandards an Humanität, den Menschenrechten der Vereinten Nationen ohnehin.
Wer könnte etwas ändern?
Die Europäische Kommission muss sich mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten zusammensetzen und eine Sofortlösung finden. Man darf die Menschen an den Grenzen Europas nicht erfrieren lassen.
Auf den gleichen Gedanken war auch Amnesty International Österreich gekommen. Die schicken gegen Mittag einen Brief, den man unterzeichnen kann. Einen Brief an den Präsidenten der Europäischen Kommission, eben genau eine solche Sofortlösung gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten zu entwickeln. Diesen „call to action“ teile ich per facebook und bitte meine Kontakte darum, dies ebenso zu tun und die Sache weiterzugeben. Und die Resonanz ist hervorragend.

Die etwa 50 Menschen, die da bei dem Civil March to Aleppo unterwegs sind, werden heute wieder lange und mühsam durch zunehmend winterliches Wetter gegangen sein. Die Fotos von gestern erzählten ja schon davon. Sie werden auf ihrem Weg auch in die Länder im Balkan-Gebiet kommen, in denen die Flüchtlingscamps liegen, aus denen uns die Bilder und Berichte erreichen.
Und wir hier in unseren warmen Zimmern gehen in Gedanken mit und beteiligen uns, so gut wir können daran, dass sich die katastrophalen Zustände ändern.
Auf diese Weise gehen wir gemeinsam nach Aleppo. Schritt für Schritt.

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