Man sagt in diesen Tagen


Man sagt in diesen Tagen, gegenwärtig „sehe es so aus“, als würden auch die anderen Länder einer Streichung des Investorenschutzparagraphen im TIPP-Abkommen nicht zustimmen. Zwar werde man weiter darum kämpfen, aber am Ende würde man – sollte sich die Situation nicht ändern – wie die anderen auch zustimmen.
Das ist eine klare Ansage.
Sie bedeutet: wir beabsichtigen, uns nach den anderen zu richten.
Nun allerdings geht es beim TIPP nicht um irgendwas, sondern um ein Abkommen, das erhebliche Auswirkungen nicht nur in den USA, Kanada und Europa, sondern eben auch in anderen Teilen der Welt haben wird. Vor allem in ärmeren Ländern dieser Welt.
Weshalb die Frage nicht unberechtigt ist, ob das „Schauen nach den anderen“ in jedem Falle legitim ist.
Es gibt Situationen, da ist jenes „Schauen, was die anderen machen“ nicht legitim.
Das sind Situationen, in denen es einzig und allein darauf ankommt, was man selbst für richtig hält.
Interessanter Weise werden Menschen, die in solchen Situationen, in denen sie weitgehend allein standen und dennoch an ihrer Überzeugung festgehalten haben, im Nachhinein nicht selten als „Helden“ oder „mutige Kämpfer“ gefeiert. Man errichtet ihnen sogar Denksteine.
Im Nachhinein.
Ich will die zahlreichen Beispiele gar nicht unnötig bemühen, aber ein paar will ich doch erinnern: was wäre gewesen, wenn da nicht einige wenige gewesen wären, die vor Zeiten den Kriegskrediten nicht zugestimmt haben, obwohl sie keine Mehrheit hatten?
Was wäre aus dem Lande geworden, wenn es nicht Menschen wie Hans und Sophie Scholl gegeben hätte, die, obwohl „die anderen“ ganz anders votierten, dennoch an ihrer Überzeugung festgehalten haben?
Was wäre aus dem Land geworden, wenn es nicht die einzelnen Schülerinnen und Schüler in Ostdeutschland gegeben hätte, die – obwohl die ganze Klasse anderer Ansicht war – dennoch „nicht mitmachten“, wenn alle mitmachten?
Es sind zahlreiche Beispiele, die man in der Geschichte quer durch die Jahrhunderte finden kann, wo es Einzelne waren, die zur Orientierung wurden, wenn die Mehrheiten für ihre Auffassung nicht gegeben waren.
Weltberühmt ist die Konfrontation zwischen Castellio und Calvin geworden. Stefan Zweig hat ein Buch darüber geschrieben.
Das Argument „die anderen wollen nicht, also können wir auch nicht wollen“ ist deshalb ein Argument von äußerst begrenzter Tragkraft.
Wer so argumentiert, verzichtet auf eigene Überzeugung, gibt sie sozusagen an der Garderobe ab.
Selbstverständlich hat das Festhalten an der eigenen Überzeugung Konsequenzen.
Es besteht dann beispielsweise die Gefahr, isoliert „dazustehen“.
Umgekehrt hat aber auch das ängstliche Schielen nach „den anderen“ ebenso Konsequenzen. Zum Beispiel für die eigene Glaubwürdigkeit.
Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er sich verhalten will.
Allerdings kommt es schon darauf an, in einer Entscheidungssituation – wie sie beim TIPP-Abkommen gegeben ist – die eigene Entscheidung zu vertreten und nicht nur einfach zu tun, „was die anderen“ auch tun.
Denn es ist ja nicht nur so, dass man selbst mit seiner Entscheidung umgehen muss. (Viele, die sich – gegen „die anderen“ – zu eigener Verantwortung bekannt und entsprechend gehandelt haben, waren bereit, die Konequenzen daraus zu tragen).
Sondern es ist eben auch so, dass „die anderen“ damit umgehen müssen, wenn man selbst klar und entschieden ist.
Im konkreten Fall ist es nicht unerheblich, wie sich die stärkste Volkswirtschaft Europas verhält.
Es ist nicht so, dass da „ein einzelnes Kind gegen eine ganze Klasse“ stünde, obwohl selbst das möglich war und erhebliche Auswirkungen hatte.
Wofür ich plädiere? Wenn ihr der Auffassung seid, dass man diesem vorliegenden TIPP-Akommen so nicht zustimmen kann, dann sagt auch klar „Nein!“ und schielt nicht „nach den anderen“.
Mehr Mut zur eigenen Überzeugung!

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