„Danke für Eure großartige Arbeit!“ – die Botschaft des Generals.


Das ist sie, die Botschaft des Generals.
Der General ist Jahrgang 1952 und hat folgende Biografie:
Übersetzt (Unterstreichungen und Hervorhebungen von mir):

An die Soldaten des Heeres, der Marine und der Luftwaffe, die Marineinfanteristen, die Männer der Coast Guard und die Zivilisten der International Security Assistance Force / ISAF der NATO

Betreff: Lagebeurteilung des ISAF-Kommandeurs

Ich dachte, es könnte nützlich sein, wenn ich zu Beginn des Jahres 2011 eine Einschät­zung der Situation in Afghanistan vornehme.

Vorneweg möchte ich euch aber wissen lassen, dass ihr und eure afghanischen Kamera­den 2010 ein gewaltiges Werk vollbracht habt. In der Tat haben die ISAF und die afghani­schen Streitkräfte eindrucksvolle Fortschritte bei (der Erfüllung) unserer Mission erzielt – einer Mission, die nicht nur für jedes unserer Länder und Afghanistan, sondern auch für diese Region und die ganze Welt von enormer Bedeutung ist.

Wie ihr euch erinnern werdet, ist es unser Hauptziel, sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder zur Zufluchtsstätte für Al-Qaida oder andere international operierende Extremisten werden kann. Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, müssen wir den Afghanen helfen, die Fähigkeit zu entwickeln, sich selbst zu sichern und zu regieren. Dies erfordert hinwieder­um eine umfassende zivil-militärische Kampagne, die wir in enger Verbindung mit unseren afghanischen Partnern durchführen müssen, um afghanische Sicherheitskräfte aufzubauen und die Errichtung einer stabilen Regierung und die Entwicklung der Wirtschaft zu för­dern.

Die Einführung unserer (neuen) Strategie im Jahr 2010 wurde beträchtlich erleichtert durch den Einsatz zusätzlicher ISAF-Truppen, das Wachstum der afghanischer Armee und Polizei, die Vergrößerung der Anzahl unserer zivilen Partner und die Bereitstellung der Mittel, die all das ermöglichten. Tatsächlich ist es durch den Aufbau zusätzlicher Orga­nisationen, die Verfeinerung unserer Strategie und die zusätzlichen Mittel im vergangenen Herbst möglich geworden, in Afghanistan zum ersten Mal „alles richtig zu machen“.

Unsere Anstrengungen haben weiteren Auftrieb erhalten durch die Anteilnahme der Füh­rer unserer Länder auf dem (NATO-) Gipfel in Lissabon. In Lissabon haben sich unsere Führer dazu verpflichtet, die Unterstützung zu gewähren, die wir brauchen, um das Ziel des Präsidenten Karzai zu verwirklichen, der möchte, dass die afghanischen Streitkräfte bis Ende 2014 im ganzen Land die Oberhand gewinnen.

Im vergangenen Jahr habt ihr mit unseren afghanischen Partnern zusammengearbeitet,
um die in großen Teilen des Landes weiter abnehmende Sicherheit in einigen Gebieten von großer Bedeutung wieder herzustellen. So hat zum Beispiel trotz gelegentlicher An­griffe die Sicherheit in der Provinz Kabul in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 eindrucks­voll zugenommen – und das ist besonders bemerkenswert, weil in Kabul und seinem Umland ein Fünftel der afghanischen Bevölkerung lebt und die afghanischen Streitkräfte bis auf einen Distrikt in der ganzen Provinz die Oberhand gewonnen haben.

Hart errungene Fortschritte sind auch in den Provinzen Helmand und Kandahar zu ver­zeichnen – durch einen großartigen Einsatz der Truppen der Koalition und Afghanistans, die in diesen Gebieten erfolgreich und tapfer gekämpft haben. Teilerfolge gab es auch in zahlreichen Gebieten im Osten, Westen und Norden des Landes; sie wurden möglich durch die Verstärkung der afghanischen Streitkräfte und der ISAF-Truppen, den beginnen­den Aufbau lokaler afghanischer Polizeikräfte durch die Reintegration versöhnungsbereiter Aufständischer und durch erbarmungslos und schnell durchgeführte gezielte Operationen von Spezialkräften der Afghanen und der ISAF. Obwohl klar ist, dass wir in zahlreichen Gebieten noch viel Arbeit haben, ist es ebenso klar, dass die ISAF und die afghanischen Truppen der mittleren Ebene der Taliban und des Haqquani-Netzwerkes im ganzen Land enorme Verluste zugefügt und einige ihrer wichtigsten sicheren Schlupfwinkel eingenommen haben. Jetzt gehen die Operatio­nen meistens von uns und nicht mehr von den Aufständischen aus, und es gibt zahlreiche Berichte über eine noch nie da gewesene Uneinigkeit zwischen den Mitgliedern der Quetta Shura, des höchsten Führungsgremiums der Taliban.

Die Fortschritte im letzten Jahr waren sicher nicht leicht zu erzielen. Ganz im Gegenteil mussten wir unsere Erfolge hart erkämpfen und schwere Verluste und Rückschläge hin­nehmen. Außerdem mussten wir uns von intensiven Kämpfen auf komplizierte Stabilisie­rungsoperationen umstellen – und das sogar abwechselnd mehrmals am gleichen Tag. Eure Anpassungsfähigkeit, eure Geschicklichkeit, eure Entschlossenheit und euer Mut werden in die Geschichte eingehen. Deshalb waren wir auch bemüht, eure Leistungen an­zuerkennen und einzelne Soldaten und Einheiten entsprechend zu würdigen.

Trotz der Leistungen im Jahr 2010 bleibt für das Jahr 2011 noch viel harte Arbeit übrig. Und wie immer in Afghanistan wird auch der weitere Weg schwierig bleiben. Wie Präsident Karzai versprochen hat, muss die Sicherheitszone um Kabul auch auf die benachbarten Provinzen ausgedehnt werden. Die im Süden und Südwesten erzielten Geländegewinne müssen gesichert, miteinander verbunden und ausgeweitet werden. Die von den Aufstän­dischen in den letzten Jahren erzielten Teilerfolge im Norden und im gebirgigen Nordosten müssen gestoppt und wieder rückgängig gemacht werden.

Um den Zuwachs an Sicherheit, den wir 2010 erreicht haben, nutzen zu können, müssen wir die Unterstützung der afghanischen Behörden fortsetzen, damit die Bevölkerung mehr Vertrauen in sie setzt. Wir müssen unsere Hilfe zur Verbesserung der grundlegenden Dienstleistungen afghanischer Institutionen beibehalten, damit das afghanische Volk er­kennt, dass es unter der jetzigen afghanischen Regierung eine bessere Zukunft hat, als unter einer erneuten brutalen und repressiven Herrschaft der Taliban. Zusätzlich müssen wir die afghanischen Offiziellen verstärkt bei der Durchsetzung der Absicht des Präsiden­ten Karzai unterstützen, die Korruption und die kriminelle Vetternwirtschaft zu beseitigen, die verhindern, dass effektive afghanische Behörden entstehen können. Unser Beitrag zur Bekämpfung der Korruption besteht darin, darauf zu achten, dass auch beim Einsatz von Vertragsfirmen und bei Beschaffungsmaßnahmen nicht bestochen wird.

Es muss nicht daran erinnert werden, dass die Taliban und andere Feinde der Sicherheit in Afghanistan hart fighten werden, um uns an der Erfüllung unserer Aufgaben zu hindern. Aber angesichts der Geschicklichkeit und des Einsatzwillens, die ihr und unsere afghani­schen Partner im vergangenen Jahr gezeigt haben, weiß ich, dass ihr mit ihnen gemein­sam auch die noch vor uns liegenden schweren Aufgaben meistern werdet.

Wir müssen sämtliche Operationen zur Unterstützung unserer afghanischen Partner ge­meinsam durchführen. Das ist ja schließlich ihr Land, und wir arbeiten gemeinsam für eine bessere Zukunft für sie und ihre Kinder. Die Afghanen möchten verständlicherweise immer selbständiger in ihrem eigenen Land agieren. Darüber sollten wir uns freuen; wenn es die Sicherheitslage zulässt, werden wir in diesem Jahr in ausgewählten Gebieten mit der Übertragung der Verantwortung auf die afghanischen Streitkräfte beginnen und damit der afghanischen Regierung auch mehr souveräne Entscheidungen ermöglichen. Wo uns das gelingt, sollten wir mit unseren afghanischen Partnern feiern, denn ihr Erfolg ist natürlich auch unser Erfolg.

Unterm Strich brachte das Jahr 2010 bedeutende und hart erkämpfte Fortschritte. Das vor uns liegende Jahr wird wahrscheinlich genau so hart werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir durch gemeinsam Anstrengungen der ISAF und der afghanischen Streitkräfte auch 2011 wichtige Erfolge erzielen werden.

Ich möchte euch wie immer für eure außerordentlichen Leistungen, eure Opfer, euren Ein­satz und eure Entschlossenheit danken. Jeder von euch gehört zu der neuen Greatest Ge­neration eures Landes, und es ist das Privileg meines Lebens, mit euch an diesem wichtigen Unternehmen teilnehmen zu dürfen.

Handschriftlicher Zusatz:                                                     In Bewunderung und Anerkennung

Danke für eure großartige Arbeit! David H. Petraeus

General der US-Army Kommandeur der ISAF und der US-Streitkräfte in Afghanistan

Soweit der Text.
Er ist eine Herausforderung für den studierten Exegeten, der die Methodik zur Verfügung hat, einen solchen Text auf seine eigentlichen Aussagen zu zerlegen, dies an diesem Exempel auch zu tun. Ich erspare mir das jedoch. Wir sind hier nicht im exegetischen Seminar.
Aber auf ein paar Dinge will ich dennoch hinweisen: auf die „Botschaft hinter der Botschaft“.

1. Wenn im Text von „sollten“ die Rede ist, bedeutet das, das es nicht immer so ist. Z.B. beim Thema „Vergabe von Aufträgen an Partnerfirmen“. Hierbei „sollte“ die Korruption bekämpft werden. Will sagen: es gibt bei dieser Vergabe Korruption…..
2.Wenn im Text von „mehr“ die Rede ist, bedeutet das, das es noch zu wenig ist.
3. Deutlich wird: man hat lediglich Sicherheitsinseln im Land. Man ist bemüht, sie zu verbinden.
4. Wenn Sicherheitsinseln „ausgedehnt“ und „verbunden“ werden sollen, heißt da ja wohl, dass zwischen diesen „Inseln“ ein ziemliches weites „Meer“ ist: also große Gebiete, die die ISAF nicht kontrollieren kann.

5. wenn die afghanische Regierung „mehr souveräne Entscheidungen treffen“ können soll, dann heißt da ja wohl, daß sie es im Moment nicht kann. Wer regiert das Land? die ISAF?

6. Wenn „das afghanische Volk erkennen soll, daß es jetzt eine bessere Regierung hat als unter den Taliban“, dann heißt das ja wohl, daß das Volk andrer Meinung ist …..

Ich will mich mit diesen Hinweisen begnügen. Meine Unterstreichungen deuten ja ausreichend auf die Sachverhalte hin, die hinter der formulierten Botschaft stecken. Hilfreich ist es immer auf Komparative zu achten, denn sie beschreiben indirekt die wahrgenommene Realität. (mehr, besser, sicherer etc.).

7. Was ist das Ziel dieses Briefes, was ist der „scopus“, wie der Exeget fragen würde?
Der Brief erscheint, kurz nach dem General Petraeus per Video-Botschaft auf den Beginn der „fighting season“, der „Kampf-Saison“ im März diesen Jahres hingewiesen hatte.
Das Ziel des Briefes ist es, die Truppen zu motivieren.
Man fragt sich, weshalb das nötig ist …..

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