Alternativen zum Krieg (6) Handicap International. Arbeit für Minen-Opfer.


Handicap International in Afghanistan

Bei der Internet-Recherche nach zivilen Organisationen, die in Afghanistan arbeiten, bin ich heute auf Handicap International gestoßen, die sich hier vorstellen:

Afghanistan. Foto: Carsten Stromer

Afghanistan ist auch 9 Jahre nach dem Sturz der Taliban eines der ärmsten Länder der Welt. Im Human Development Index 2009 der UN rangiert Afghanistan auf dem vorletzten Platz. Es war Schauplatz zahlreicher Kriege und Konflikte. Über frühe Stammesfehden, zwei Bürgerkriege mit der ehemaligen britischen Kolonialmacht, dem Krieg gegen die Invasion der Sowjetunion bis hin zum derzeitigen bewaffneten Konflikt der NATO mit den Taliban – die Afghanen haben viele „gewaltsame Konflikte“ erlebt. Diese haben das Land zermürbt und ihre Spuren hinterlassen. So geht man davon aus, dass bis zu 10 Millionen Minen in der Erde Afghanistan vergraben sind. Armut und Kriege haben auch zu einer hohen Anzahl an Menschen mit Behinderung geführt.

Afghanistan braucht deshalb dringend Organisationen, die Menschen mit Behinderung unterstützen. Dies ist das Ziel, das sich Handicap International auch nach dem Fall der Taliban in den schwierigen äußeren Umständen, die in Afghanistan Alltag sind, gesetzt hat. Wir unterstützen unter anderem lokale Organisationen für physische Rehabilitation im Westen des Landes. Unsere Teams helfen zudem lokalen Organisationen und nationalen Behörden, die Wiedereingliederung der Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu fördern. Außerdem verwaltet Handicap International ein Rehabilitationszentrum in Kandahar und leitet ein Bildungsprogramm über die Gefahren von Minen und die Zerstörung von nicht explodierten Kriegsresten in Herat.

Handicap International ist seit den 1980er Jahren in Afghanistan aktiv. Der Sturz des Talibanregimes 2001 hat die Organisation dazu bewegt ihre Anwesenheit zu verstärken. Untersuchungen, um weitere Aktivitäten in anderen Landesteilen zu organisieren, laufen.

Seit 2002 unterstützen wir Rehabilitationszentren im Westen des Landes sowie afghanische Ministerien, die sich mit dem Thema Behinderung beschäftigen. 2004 hat Handicap International zusammen mit einer lokalen Organisation von Menschen mit Behinderung ein Rehabilitationszentrum in Kabul gegründet, das auf berufssoziologische Wiedereingliederung spezialisiert ist. Dieses Zentrum, das erste seiner Art in Afghanistan, soll v.a. den Zugang zu vielen grundlegenden Dienstleistungen bieten (Alphabetisierung, Bildung oder berufliche Ausbildung). Es soll auch ein Informations-, Beratungs- und Betreuungszentrum werden.

Gleichzeitig wurde, ebenfalls in Kabul, durch die Zusammenarbeit mit der FIFA ein Sportprojekt für Menschen mit Behinderung gestartet. Auf Initiative von Handicap International hat das „Ministerium für Misshandelte und Behinderte“ der Durchführung einer Umfrage über Behinderung auf nationaler Ebene zugestimmt. Ziel war es, den politischen Entscheidungsträgern Daten sowie Elemente einer Voruntersuchung zur Definition der Staatspolitik zu liefern.

Handicap International ist außerdem auf dem Gebiet der Minenaufklärung aktiv und führt eine nationale Sensibilisierungskampagne zum Thema Behinderung durch. 2008 starteten in Kabul und Herat spezielle Inklusionsprogramme, die eine bessere Integration von Menschen mit Behinderung in das öffentliche Leben zum Ziel haben. Das Projekt in Kabul konnte mittlerweile vollständig in die Verantwortung der von uns unterstützten lokalen Partnerorganisation CCD übergeben werden.

Einen großen Teil des Engagements von Handicap International stellen die direkte Behandlung von Patienten sowie die Ausbildung von Spezialisten dar. Dafür unterhalten wir spezielle Zentren in Herat, Kabul und Kandahar und arbeiten eng mit den zuständigen Ministerien, Spezialistenvereinigungen und Betroffenenverbänden zusammen. Insgesamt konnten so 2009 direkt oder indirekt über 25.000 Menschen von der Arbeit von Handicap International profitieren.

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