Die Welt ohne Geheimnisse – etwas vom Internet


Ich stelle mir den Tag vor, an dem alle mit allen vernetzt sind.
Jeder kann, wenn er mag, alles über alle in Erfahrung bringen.
Jeder hat 10 Milliarden followers und ist mit 10 Milliarden „befreundet“.
Endlich kann jeder jederzeit wissen, was der Präsident in Ouagoudugu im Schilde führt.
Endlich ist Schluss mit den Geheimnissen.
Aus „Geheimdiensten“ werden endlich „Geh heim!-Dienste“.
Nur die Ungeborenen und die bereits Gestorbenen werden anfangs von jener Kommunikation aller mit allen ausgeschlossen sein.
Aber dies wird, eines späteren Tages, durch die Gen-Technik beseitigt werden können.
Man wird den Menschen einen Internet-chip in die Gene verpflanzen, damit auch die Ungeborenen schon teilhaben können an jenem Rauschen, das da um die Erde strömt.
Schon im Mutterleibe werden sie in Kontakt treten können mit wem immer sie wollen.
Man wird dann, eines noch späteren Tages, so weit gehen, und all jenen Kindern ein Auftrittsverbot auf der Erde erteilen, die sich weigern, an diesem teilzuhaben.

Was für eine Welt.

Endlich ohne Geheimnisse.
Endlich führt niemand mehr etwas im Schilde, denn jeder kann jederzeit wissen, was jemand im Schilde führt.
Dem Misstrauen wäre ein für alle Mal der Garaus gemacht.
Und endlich könnte jeder an jeden auf dieser Welt alles verkaufen, was er mag und anbieten möchte.
Wunderbar!

Wie eine zweite Atmosphäre sieht das aus, dieses Netz der Netze, in denen alle Menschen miteinander alles Wissen teilen, das sie voneinander haben können.
„Die Menschheit“ wird sichtbar wie eine zweite Atmosphäre rund um den Globus – mit ein wenig Phantasie.
Aber nur die Menschheit.
Denn die Elemente werden an dieser Art der Kommunikation nicht teilhaben.
Das Wasser nicht und auch nicht das Feuer, die Erde nicht und auch nicht die Tiere, die Pflanzen nicht und auch nicht der Mondschein des nachts.

Was wird das sein?
Ein Schmoren im eigenen Saft sozusagen.
Die Menschheit wird sich selbst genügen.
Denn in dem Maße, wie die Menschen in die totale Kommunikation miteinander eintreten, werden sie den Kontakt zu den Elementen verlieren.
Die Ehrfurcht vor dem Geheimnis.

Ihnen wird Wesentliches verborgen bleiben, so sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt.
Sie werden das Geheimnis des Sonnenaufgangs nicht verstehen in ihrer Blindheit.
Und nicht das Geheimnis der Rose lüften können.
Sie werden das Geheimnis der Liebe nicht sehen können
und das Geheimnis des Vertrauens.
Sie werden um den Globus wabern mit ihrer Erkenntnis, alle mit allen verbunden, alle Geheimnisse scheinen gelüftet.

Ich höre ein großes Lachen im Weltall.
Ein großes Lachen……
Nie hat sich der Schöpfer so sehr amüsiert wie an jenem Tag……

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8 Gedanken zu “Die Welt ohne Geheimnisse – etwas vom Internet

  1. PATHETISCH ist was mir dazu einfällt. Ist es nicht so, dass jeder für sich entscheiden kann, an der Vernetzung teilzunehmen? Was hat Kommunikation mit dem Wahrnehmen von Natur zu tun? Gibt es nur entweder oder oder ? Schwarz oder weiß? Hilft es, sich über die anderen zu erheben, macht es uns besser? Du nutzt das Medium, das du verteufelst, das macht mich wütend.

    1. Hallo Christine, danke für den Kommentar. Ich war zwei Tage zu Lesungen unterwegs, deshalb jetzt erst eine Antwort. Ich hab länger über den Kommentar nachgedacht. Irgendwie ist es seltsam. Da ist ein Text, ein Ein-Fall, ein inneres Bild, aufgeschrieben und geteilt. Und eine Reaktion darauf ist „Wut“. Hm. Was tut einer, der einen Text schreibt? Er sagt etwas von sich; von einen Ein-Fall vielleicht, von einer Idee, von einem inneren Bild. Dafür hat der Texter Verantwortung. Was er nicht wissen kann, ist, wie der Text auf andere wirkt, was er für Resonanzen im Leser auslöst. Baudelaire hat mal gemeint, „im Grunde liest der Leser sich selbst“. Denn: die Resonanz die ein gelesenes Wort in ihm auslöst hat weniger mit dem Schreiber als mit dem Leser zu tun. Es ist ähnlich wie bei der Betrachtung eines Bildes oder dem Hören einer Musik. Mir geht es gar nicht um „entweder-oder“. Mir geht es schon gar nicht darum, mich „über andre zu erheben“. Mir geht es lediglich um die Frage, wie eine Welt ohne Geheimnisse wäre. Und ich merke: eine solche Welt mag ich nicht. Das ist schon alles. Woher die „Wut“ bei Ihnen kommt, vermag ich deshalb nicht zu sagen. Es ist interessant, was ein aufgeschriebenes Gedankenspiel für Resonanzen auslösen kann. In diesem Falle sogar: gegensätzliche Resonanzen. Vielleicht hat Baudelaire ja recht: „im Grunde liest der Leser sich selbst“.

  2. Ach, ich weiß nicht, vielleicht brauchen wir auf das Lachen nicht warten bis wir zehn Milliarden sind. Ich kann das Luftholen des Schöpfers schon jetzt hin und wieder hören.

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