Ich bin ein rares Federvieh…. neue Gedichte von Lothar Petzold


Schmal kommt das Bändchen daher.
Mit Gedichten über die Vögel unsrer Heimat.
Ich halte ein: das gibt’s doch schon. In Hülle und Fülle. Diese Vogelbücher.
Mit Fotos gar und Silben, die den Ton des Gesangs nachahmen wollen. Kaum etwas ist lächerlicher, wenn man das Hören kennt.

Doch dies hier ist anders.

Ich kenne den Mann, der diese Zeilen schrieb.
Preise hat er gewonnen. (u.a. Paul-Gerhardt-Preis 2007)
Viele seiner Worte sind zu Liedern geworden. Und werden gesungen.

Ich seh ihn sitzen an seinem Tisch, vor den Büchern. Groß und schwer.
Am See in Zeuthen bei Berlin.
Und sehe, wie er lauscht.
Sehe das Kind in ihm lauschen.

Er hat als Kind schon lauschen müssen. Im Krieg. Als die Bomben fielen und er im Keller saß voller Angst.

Wenn Lothar Petzold heute lauscht, kann er schreiben:

„Doch folge ich dem Lied,
das aus dem Baume bricht,
flieg ich von meinem Ort
hinauf zum Licht.“

Da schreibt ein Hörender. Einer, der es versteht, hinter die Dinge zu lauschen.
Er schreibt von der Liebe.
Von der „großen Melodie“, die in dem kleinen Vogel singt – wenn man zu hören versteht.

Nun ist es kühn, in unseren Tagen, zugelärmt von Seltsamkeiten, hinter die Dinge zu lauschen.
Petzold weiß das.
„Ich bin ein rares Federvieh….“ lässt er den Ortolan sagen (S. 13), jenen „vergessenen Vogel“ aus der Gruppe der Sperlingsvögel, die man in Frankreich und Italien in Alkohol ertränkt, rupft und brät. „Sein Bestand ist gefährdet“, weiß der erklärende Text zu berichten.

Ich weiß, warum Petzold sich in die Vögel verhört hat.
Sie erzählen ihm etwas über sich.
Er hört, wozu er in Resonanz ist.

Aber, da lugt auch der andre Petzold aus dem Geäst, der mit der großen Kraft.
Der von der „großen Melodie“ weiß, die alles trägt und durchklingt.
Die winzige Grasmücke lässt er singen:

„Ist mein Kleid auch unscheinbar,
doch nicht so meine Stimme.
Ich klinge einer Orgel gleich,
volltönend sei die Minne!“

Da seh ich ihn sitzen. Lothar Petzold. In seiner großen Gestalt und mit seiner großen Sehnsucht.
Wie er lauscht.
Und wieder Kraft tankt.
In der Großen Melodie, die die kleinen Vögel singen.

Ein anrührendes Büchlein. Für Menschen, die bereit sind, hinter die Worte zu hören.
Lothar Petzold
„Wer singt denn da?“
WIEDENVERLAG Schwerin

http://www.wieden-verlag.de/index.php5?go=Start

und über den Autor: Lothar_Petzold@t-online.de

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