Diese Woche – schlag den Raab. Oder doch nicht?


3,5 Millionen Menschen haben zugesehen. Bei dieser Sendung. Ok. So war es eben.
Gleichzeitig stieg die Weltbevölkerung weiter an. Derzeit sind es knapp 7 Milliarden Menschen. Die Weltbevölkerungsuhr der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung – man kann sich diese Uhr auf die eigene Homepage laden – zeigt es sehr anschaulich an.
Das bedeutet: die Weltwirtschaft wächst weiter, der Energieverbrauch steigt weiter, die Naturzerstörung nimmt weiter zu.

Frühere Berater der US-Regierung haben in dieser Woche davon gesprochen, die Rede vom „peak oil“ sei in den USA zur Geheimsache erklärt worden. Die deutsche Armee hatte vor kurzem in einer Studie auf die Konsequenzen von „peak oil“ hingewiesen. Die Studie versank – von ein paar internationalen Reaktionen abgesehen – weitgehend ungehört im Netzrauschen.

Während ein Staatssekretär für Wirtschaft aus Indien – die Hindustan Times berichtete davon – britische Jugendliche einlädt, sich in Indien ordentlich ausbilden zu lassen, damit sie in ihrer Heimat bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten, versammeln sich Zehntausende vor dem Kanzleramt, um gegen die Verlängerung von Laufzeiten in Atomkraftwerken zu demonstrieren, weitere Zehntausend stehen in Stuttgart auf der Straße, um gegen ein Infrastrukturprojekt bei der Bahn zu demonstrieren. Die nationale Öffentlichkeit ist – neben der Debatte um diverse Bücher – mit diesen Dingen beschäftigt.

Und die Uhr tickt.
Die Weltbevölkerung wächst weiter.
Starke Volkswirtschaften entstehen: China vor allem, Indien holt sehr stark auf (wer’s nicht glaubt, sollte sich mal Bangalore oder Pune ansehen) – die Energieverbräuche steigen weiter. Sie steigen übrigens stark.

Das Vor-Bild der Entwicklung in den meisten Volkswirtschaften der Welt ist der Wohlstand Europas und Nordamerikas.
Vergleichbaren Wohlstand gilt es zu erreichen.
Man kann in Südkorea besichtigen, wie stark solche Vor-Bilder sind: ein Land, das noch vor nicht allzu langer Zeit als Entwicklungsland galt, gehört mittlerweile zu den stärksten Volkswirtschaften der Welt.

Die Folgen für die Erde sind unübersehbar.
Wachsende Weltbevölkerung, wachsendes Wirtschaftsvolumen, wachsender Verkehr, sehr schnell wachsende Städte vor allem – sie führen dazu, daß die fossilen Energiequellen, von denen die Weltwirtschaft lebt, noch schneller erschöpft sein werden, als man bisher annahm.

Selbst führende Energiefachleute vom Departement of Energy weisen auf die enormen Folgen hin, die dies für die Weltbevölkerung haben wird.

Peak oil. Der Tag der höchsten Förderung.

Manche sagen, er sei bereits überschritten.
Andere sagen, er sei in diesem oder im nächsten Jahr zu erwarten.
Von diesem Tag an wird die Menge des geförderten Öls weltweit abnehmen.

Und die Weltbevölkerung wächst weiter.
Die Volkswirtschaften wachsen weiter.

Aber die Menschen schauen fern. 3,5 Millionen immerhin.

Was kann man beitragen, daß globale Zusammenhänge, weltweite Entwicklungen, Informationen, die im Netz ja durchaus verfügbar sind (man braucht bei twitter ja nur mal nach „peak oil“ oder „climate“ suchen zu lassen und sich diese Suchanfrage speichern, dann bekommt man ja wesentliche Nachrichten sehr schnell), besser  Verbreitung finden und politikwirksam werden?

Der in diesen Tagen beginnende Weltarmutsgipfel wird – wie andere Gipfel auch – feststellen, daß man die gesetzten Ziele bei der Bekämpfung der weltweiten Armut nicht erreicht hat. (Ähnlich war es beim Thema Klimaschutz).

Offensichtlich gibt es ein Problem: die Schäden wachsen schneller als die Erkenntnis. Die Zerstörung wächst schneller, als neue Lösungen (beispielsweise neue Energiequellen) in den Markt eingeführt werden (aus den verschiedensten Gründen, wobei der Einfluss von Wirtschaftsverbänden und Lobbygruppen natürlich nicht übersehen wird).

Es ist ja nicht mal ein patt zwischen Zerstörung und Erneuerung. Das wär ja noch einigermaßen gut.
Nein: es ist ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Zerstörung und Erneuerung.

Unsere Art zu leben ist an eine nicht mehr zu leugnende Grenze gekommen. Die Selbstzerstörung ist im Gang.
Am Bedrückendsten ist für mich, daß ausgerechnet die Länder, die mit den höchsten Zuwächsen an Bevölkerung zurecht kommen müssen (Asien, Afrika!) diejenigen sind, die unter den Folgen des Wohlstands in den sogenannten reichen Ländern am meisten zu leiden haben werden. In Pakistan konnte man das bei der letzten Flug dramatisch sehen.

Klaus Töpfer hat immer wieder darauf hingewiesen: die Flüchtlingsbewegungen weltweit nehmen zu, weil die Naturzerstörung so schnell voranschreitet. Der Klimawandel treibt unaufhaltsam. Die Flüchtlinge gehen in andere arme Länder (Süd-Süd-Wanderung), einige nur in die reiche Welt. Die wiederum schottet sich ab – nicht zuletzt assitiert von Büchern ehemaliger Bundesbanker -.
Während die Europäische Kommission, auch die Vereinten Nationen in dringenden Studien darauf hinweisen, daß das Klimaproblem vor allem in den Städten der Welt gelöst werden muss – über die Hälfte der Weltbevölkerung leben in den Mega-Cities – kürzt die deutsche Regierung ausgereichnet ein Programm, das wie kein anderes erfolgreich Klimaschutz und Arbeitsmarktunterstützung miteinander verbunden hatte: das Gebäudesanierungsprogramm, mit dem ein maßgeblicher Teil an Co-2-Einsparung erreicht werden konnte.
Die Politik macht das Gegenteil von dem, was nötig wäre, wenn man sich die Frage stellt, wie ein nationaler Beitrag aussehen müsste, der einigermaßen angemessen auf die globalen Trends antwortet.
Um 80% müssten unsere Energieverbräuche bis 2020 sinken (gemessen an 1990), wenn wir versuchten, die „Schuld“ wieder abzutragen, die wir mit unserem überbordenden Wohlstand bereits in die Atmosphäre geblasen haben – zum Schaden der Entwicklungsländer. Doch die Politik weitet den massiven Ausbau von Klimaschutz und Erneuerbaren Energien nicht – wie es dringend geboten wäre – weiter aus, sondern tut das glatte Gegenteil: man kürzt. Weil man das Geld braucht, um die enormen Kredite und Bürgschaften zu bedienen, die die Weltwirtschaftskrise ausgelöst hat.
Offensichtlich kommt Politik ihre Grenzen. Aus den verschiedensten Gründen kommen die politischen Mehrheiten nicht dazu, die Dinge zu tun, die eigentlich zu tun wären. Regierungen agieren „mit gebundenen Händen“.

Das erzeugt die Frage: Wie lassen sich diese sehr grob skizzierten globalen Trends einbinden in lokales Handeln der Bürgerinnen und Bürger selbst? Wie lassen sich die beschriebenen Trends verarbeiten von Journalisten beispielsweise? Oder von bloggern, twitterern, Menschen, die andere soziale Netzwerke nutzen, die sich im web auskennen?
Verantwortung endet ja nicht mit dem Ausfüllen eines Stimmzettels alle vier Jahre.

Nun, zunächst kann man sich verknüpfen und Informationen zusammentragen, das geht im Internetzeitalter sehr gut und schnell.
Dann kann man beginnen, über diese Zusammenhänge zu schreiben. Das ist ein kleiner Anfang.
Man kann diejenigen unterstützen, die sich darum bemühen, globales Denken und lokales Handeln in Übereinstimmung zu bringen, in dem man sie bekannt macht.
Das Netz hat gute Möglichkeiten für solche Arbeit.

Die zurückliegende Woche hat mir die hier skizzierten globalen Themen in besonderer Dringlichkeit deutlich werden lassen.
Ich bin neugierig, wie es in der kommenden Woche sein wird.

Wieder 3,5 Millionen vor der Glotze bei Schlag den Raab – oder doch nicht?

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