Massenpsychologie und web 2.0 – ein Versuch (1)


Es gibt keinen überzeugenden Grund, nicht anzunehmen, daß die im vorigen Jahrhundert beschriebenen Phänomene einer „Psychologie der Massen“ nicht auch in einem Medium ihre Wirkung entfalten können, das wie kein anderes in der Lage ist, Massen zu mobilisieren – im Internet und insbesondere in den „social networks“.  Wenn diese Grundannahme zutrifft, lohnt ein Nach-denken darüber, inwiefern social media und „Psychologie der Massen“ miteinander interagieren und zu welchen Phänomenen dies führen kann.

Gustave Le Bon hat in „Psychologie der Massen“ im Jahre 1911 den Begriff der „Massenpsychologie“ geprägt und aufgezeigt, daß sich das Verhalten vernünftiger Menschen in Menschenmassen dramatisch zum schlechteren hin verändert. Sigmund Freud hat mit zwei Aufsätzen aus den Jahren 1926/27 zum Thema „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ diese Arbeiten fortgesetzt und erweitert. Goebbels hat offenbar die Einsichten von Le Bon für die Propaganda zu nutzen gewußt (Rolle der Bilder beispielsweise; insbesondere des Tonfilms). Die Mitscherlichs und andere haben beim Versuch, zu verstehen, was da mit dem industriellen Massenmord eigentlich vonstatten gegangen war im „Land der Dichter und Denker“ , auf die Arbeiten von Le Bon, Freud und anderen zurückgegriffen, sie diskutiert, kritisiert und erweitert. Mittlerweile weiß man aus sozialwissenschaftlicher und sozialpsychologischer Forschung eine ganze Menge über das Verhalten von Menschen in Menschenmassen. Man weiß z.B., daß sich Menschen, wenn sie sich zu Menschenmassen zusammenfinden, anders verhalten und zu anderen, meist primitiveren Urteilen kommen, als wenn sie für sich allein eine Position vertreten müssten. Es ist in umfangreichen Tests gezeigt worden, wie sich das Verhalten von Menschen in Massen verändert – bis hin zur Ausführung von befohlener Tötung.

All diesen vorliegenden Arbeiten ist gemeinsam, daß sie Internet und web 2.0 nicht kannten.
Man kannte zwar die Regeln der Wirkung und die Funktionsmechanismen von „Massenmedien“ wie Zeitungen, Rundfunk und TV, auch Kino; aber die Möglichkeiten des Internets sind neu. Die der „sozialen Netzwerke“ stammen erst aus jüngster Zeit.
Und man weiß noch wenig darüber, zu welchen Urteilen und zu welchem Verhalten eine im Netz zusammengewachsene Community kommen mag, die blitzschnell zu einer mehrere Hunderttausend Menschen umfassenden Menschenmasse anwachsen kann.
Wir wissen aus Beobachtung, daß sich „Urteile“ bei Twitter zum Beispiel durch die Zahl der retweets bilden: wird eine „Information“ besonders oft „retweetet“, bekommt sie „Bedeutung“. Die Masse der Nutzer entscheidet auf diese Weise darüber, was „gilt“ und „Beachtung findet“. Der „main stream“ wird zum Kriterium. Das mag für Verkäufer von Waren interessant sein – für die politischen Prozesse und die Möglichkeiten der social networks, politische Prozesse zu beeinflussen, ist es mehr als das.

Die Menge von retweets sagt wenig über die Qualität der Information, die da durchs Netz geht. Ein Kriterium für Qualität jedenfalls ist es nicht, wenn eine „Information“ nur viele tausend Mal wiederholt wird. Das wissen wir aus den Arbeiten über die Psychologie von Menschenmassen und aus eigener Anschauung.
Denn: was eine „Masse“ für eine „gesicherte“ Information hält, hängt weit mehr von Gefühlen, inneren Wahrnehmungsmöglichkeiten, Vorurteilen, Prägungen und insbesondere den gewaltigen unbewußten Anteilen ab, die menschliches Handeln in der Masse bestimmen, als von Verstand und logischem Denken.

Warum also sollten sich Menschenmassen im Netz anders verhalten als sonst in der Gesellschaft?

Anders gefragt: gelten für Menschenmassen im Netz ähnliche Einsichten über ihr Verhalten wie sie sonst in der Massengesellschaft gelten?

Wenn wir annehmen, daß sich Menschenmassen im Netz nach ähnlichen Mustern verhalten wie Menschenmassen sonst in der Gesellschaft – was bedeutet das für die Nutzung des Netzes, beispielsweise, zur Meinungsbildung?
Was ist es mit der angenommenen „kritischen Öffentlichkeit“ im Netz, wenn man annehmen muß, daß hier ähnliche massenpsychologische Effekte ihre Wirkung haben können wie sonst in der modernen nachindustriellen Gesellschaft auch?

Gilt im Netz auch, was sonst in der Gesellschaft von der „Intelligenz der Massen“ beschrieben ist, nämlich – daß sie überaus leicht zu verführen ist? Gilt im Netz auch, daß wirklich kritisches und reflektiertes Denken von der Masse eher ausgeschieden und stattdessen nur der „main stream“ zur Geltung gebracht wird?

Wir können annehmen, daß social web als Möglichkeit für große Menschenmassen, politisch eine Meinung zu artikulieren, sich eher noch entwickeln wird. Die Nutzung wird weiter zunehmen. Wir haben es bei diversen Kampagnen für diverse politische Ziele ja bereits erlebt. Und es gibt keinen überzeugenden Grund, anzunehmen, diese Entwicklung, die gerade erst begonnen hat, sei bereits an ihr Ende gekommen.

Twitter hat einen starken Impuls bekommen, als ein Flugzeug auf dem Hudson-River notlanden musste und die ersten Bilder von dieser Beinahe-Katastrophe – eben über ein Handy und über Twitter gesendet wurden.
Wir haben beobachten können, daß bei vergleichbaren Ereignissen per Handykamera und Twitter „Augenzeugen“ ihre Berichte ins Netz gestellt haben und so zu einem wichtigen Korrektiv für veröffentlichte Meinung wurden.
Wir haben gesehen, wie bei Demonstrationen gegen rechtsradikale Abenteurer Aktivisten über Twitter und facebook miteinander im Kontakt standen, um schnell und angemessen reagieren zu können. Man konnte diese Dialoge im Netz live verfolgen und konnte „dabei sein“, auch wenn hunderte Kilometer zwischen dem tatsächlichen Ereignis und dem beobachtenden Zuschauer lagen.
Anbieter wie Wikileaks tragen durch die Veröffentlichung von eigentlich als geheim eingestuften Texten dazu bei, daß sich eine „kritische Öffentlichkeit“ bilden kann – im Gegenüber zu staatlicher veröffentlichter Meinung.

So weit, so gut. Das Netz hat Chancen, insofern es einen Beitrag zu einer „neuen Öffentlichkeit“ leisten kann. Einen Beitrag zur mehr unzensierter Information.

Aber: im Netz finden auch Phänomene statt, die aus den Untersuchungen zum Verhalten von Menschenmassen bekannt sind.
Das Gerücht – verbreitet sich im Netz blitzschnell.
Das Gerücht entfaltet seine verheerende Kraft nicht nur in einer physisch vorhandenen Menschenansammlung, sondern eben auch im Netz. Sehr viele „Informationen“ werden im Netz ungeprüft und unkritisch gelesen einfach weitergegeben und verstärken sich auf diese Weise, bis der Eindruck einer „gesicherten Annahme“ entsteht. Über die Charaktereigenschaften von Politikern beispielsweise.
Das Internet ist wie kaum ein anderes Medium in der Lage, Politiker „abzuschießen“: durch die „Urteile“, die es bildet. Durch die „Meinungen“, die es produziert und verstärkt.
Wird jemand, den „das Volk“ nicht leiden mag, im Internet negativ kommuniziert, hat der- oder diejenige kaum Chancen, mit tatsächlichen Argumenten durchzudringen oder sie gar zu korrigieren.
Steht eine „Meinung“ über eine Person des öffentlichen Lebens erst einmal fest – und die Masse bildet sich solche Meinungen schnell – dann wird es die Person mehr als schwer haben in der öffentlichen Stellungnahme, weil alles was er oder sie dann von sich gibt, durch jene Brille des gebildeten Urteils gesehen und kommentiert wird.

Die Masse bildet sich ein Urteil schnell.
Ob es gerechtfertigt ist, steht dahin.
Wir haben beobachtet, wie anlässlich einer Bundestagswahl Spitzenkandidaten zuerst hochgejubelt und unterstützt wurden – nach dem Wahlausgang jedoch schon am nächsten Tage vernichtend kritisiert wurden. Das alte „Hosianna!“ und „Kreuziget ihn!“ war auch im Netz wieder in seiner ganzen Brutalität zu beobachten.
Ein typisches Verhalten in einer Menschenmasse.

Schaut man sich die Themen an, die im Netz kommuniziert werden, scheint sich ein Urteil le Bon’s zu bestätigen:
„Die Masse ist der Spielball aller äußeren Reize, deren unaufhörliche Schwankungen sie widerspiegelt“
Es scheint sich in der Tat auch im Netz zu bestätigen:
„Die in ihrem (gemeint ist die „Massenseele) Gemüt hervorgerufenen Bilder werden für die Wirklichkeit gehalten“.
Oder: „Die Massen kennen weder Zweifel noch Ungewissheit und ergehen sich stets in Übertreibungen – Ihre Gefühle sind stets überschwänglich.“
Letzteres bestätigt sich schon bei einem kurzen Blick in den thread einer facebookseite: steht ein Urteil über jemanden ersteinmal „fest“ – gibt’s nur noch ein „dafür“ oder „dagegen“.
Der Raum für differenzierte Wahrnehmung verengt sich dramatisch.

Umgekehrt: im Netz lassen sich auch Phänomene beobachten, die man mit „Verstärkung“ und „Idealisierung“ beschreiben könnte.
Dieses Phänomen war bei der zurückliegenden Wahl zum Bundespräsidenten zu beobachten, auch im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.
In Situationen, in denen es um scheinbar „klare“ „Alternativen“ geht; in Situationen, die für eine Polarisierung günstig erscheinen – ist das Phänomen der „Verstärkung“ und „Idealisierung“ zu beobachten: Gruppen bilden sich blitzschnell, die für jenen oder gegen einen anderen Kandidaten argumentieren. Lager bilden sich. Die Frage wird entscheidend, welches Lager das andere überwinden kann. Die argumentative Kraft schwindet. Am Ende geht es um „Religion“: bist du dafür oder bist du dagegen?

Die Möglichkeit der online-Petition, die das Parlament geschaffen hat, ermöglicht es, politische Themen auch innerhalb einer Legislatur, unabhängig von Wahlterminen, ins Parlament zu tragen und dort einer Behandlung zu unterwerfen.
Das scheint ein Gewinn für die Demokratie zu sein.
Dennoch: die massenhafte Unterzeichnung einer solchen Petition sagt noch herzlich wenig über ihre Sinnhaftigkeit.
Der Umstand allein, daß viele tausende Menschen das Anliegen unterstützen, ist kein Kriterium für Angemessenheit und Richtigkeit.
Das gilt in der Gesellschaft allgemein und es gilt ebenso im Netz.
Das Netz jedoch ist wie kaum ein anderes Medium in der Lage, blitzschnell, innerhalb weniger Stunden, große Menschenmassen für ein Anliegen zu mobilisieren: wenn die Zeit „reif“ zu sein scheint für eine solche Initative.

Aber: die „Urteile“ von Menschenmassen sind rationalem Denken durchaus nicht immer zugänglich, denn Massen bilden ihre Urteile vor allem nach Analogien: dem Arbeiter ähnlich, der von seinem Arbeitgeber ausgebeutet wurde und daraus schließt, dass alle Unternehmer Ausbeuter seien.
„Verknüpfung ähnlicher Dinge, wenn sie auch nur oberflächliche Beziehungen zueinander haben, und vorschnelle Verallgemeinerung von Einzelfällen, das sind die Merkmale der Massenlogik“.
„Die Urteile, die die Massen annehmen, sind nur aufgedrängte, niemals geprüfte Urteile.“ (le Bon, 67).

Mann kann die Richtigkeit dieser Beobachtung leicht bestätigt finden, wenn man sich Threads zu tagesaktuellen Ereignissen beispielsweise in facebook anschaut.

Massenpsychologie und Bilder:

in einem Medium, das in zunehmendem Maße von geposteten Bildern und Videos besteht (einige IT-Forscher gehen davon aus, daß in den kommenden zehn Jahren über 90% der geschickten „Nachrichten“ aus Videos bestehen werden) wird man besondere Aufmerksamkeit auf das Thema „Bilder und Massenpsychologie“ richten müssen.
Denn: es ist seit langem bekannt, welche unglaublich starke Wirkung Bilder, vor allem bewegte Bilder (Film, Fernsehen) auf die Vorstellungkraft und Urteilsbildung großer Menschenmassen haben.
Deshalb haben die vielen Milliarden geposteten Videos und Fotos eine besondere Bedeutung.
Nun ist es im Netz ein Leichtes, solche Bilder zu fabrizieren.
Sie sind alles andere als „Beweise“ für „Echtheit“.
Nirgends wird so sehr gelogen wie im Reich der Bilder, Hollywood und Youtube wissen, wovon die Rede ist…..

Bei le Bon kann man dazu lesen:
„Die Massen können nur in Bildern denken und lassen sich nur durch Bilder beeinflussen“ (69).
„Die auffallende Einbildungskraft der Massen ist, ….., leicht aufs Tiefste zu erregen. Die Bilder, die in ihrem Geist durch eine Person, ein Ereignis, einen Unglücksfall hervorgerufen werden, sind fast so lebendig wie die wirklichen Dinge. …. Für die Massen, die weder zur Überlegung noch zum logischen Denken fähig sind, gibt es nichts Unwahrscheinliches. Vielmehr, die unwahrscheinlichsten Dinge sind in der Regel die auffallendsten. Daher werden die Massen stets durch die wunderbaren und legendären Seiten der Ereignisse am stärksten ergriffen. … Der Schein hat in der Geschichte stets eine größere Rolle gespielt als das Sein. Das Unwirkliche hat stets den Vorrang vor dem Wirklichen….“ (68 f.).

Diese Macht der Bilder kann man bei Unglücksfällen oder Katastrophen besonders klar erkennen:
Ein paar über das Handy geschickte Bilder von Verletzten genügen bereits, um den Ruf „alle Verantwortlichen sollen zurücktreten!“ zu hören.
Urteile bilden sich in solchen Fällen blitzschnell. Und werden verstärkt im Netz. Das Netz wird zum „Resonanzboden“ für schnelles Urteilen.
Man kennt die genauen Zusammenhänge nicht, weiß allenthalben etwas, das einen über andere Massenmedien erreicht hat – und hat doch schon sein Urteil fertig.
Blitzschnell geht das.

Le Bon notiert:
„Alle Gefühle, gute und schlechte, die eine Masse äußert, haben zwei Eigentümlichkeiten; sie sind sehr einfach und sehr überschwänglich. ….Die Einseitigkeit und Überschwänglichkeit der Gefühle der Massen bewahren sie vor Zweifel und Ungewissheit. …. Ein ausgesprochener Verdacht wird sogleich zu unumstößlicher Gewissheit. Ein Keim von Abneigung und Missbilligung, den der einzelne kaum beachten würde, wächst beim Einzelwesen der Masse sofort zu wildem Hass. … Die Gewissheit der Straflosigkeit, die mit der Größe der Menge zunimmt, und das Bewusstsein einer bedeutenden augenblicklichen Gewalt, bedingt durch die Masse, ermöglichen der Gesamtheit Gefühle und Handlungen, die dem einzelnen unmöglich sind. In den Massen verlieren die Dummen, Ungebildeten und Neidischen das Gefühl ihrer Nichtigkeit und Ohnmacht; an seine Stelle tritt das Bewusstsein einer rohen, zwar vergänglichen, aber ungeheuren Kraft.“ (54)
Die vorliegenden Untersuchungen über Massenverbrechen in Revolutionen, Kriegen und Diktaturen bestätigen dieses Urteil auf schreckliche Weise. ….

„Da die Masse in das, was sie für Wahrheit oder Irrtum hält, keinen Zweifel setzt, andererseits ein klares Bewusstsein ihrer Kraft besitzt, so ist sie ebenso eigenmächtig wie unduldsam.
Der einzelne kann Widerspruch und Auseinandersetzung anerkennen, die Masse duldet sie niemals. In den öffentlichen Versammlungen wird der leisteste Widerspruch eines Redners sofort mit Wutgeschrei und groben Schmähungen beantwortet, und wenn der Redner beharrlich ist, folgen leicht Tätlichkeiten, und der Redner wird hinausgeworfen. ….Herrschsucht und Unduldsamkeit sind für die Massen sehr klare Gefühle, die sie ebenso leicht ertragen, wie sie sie in die Tat umsetzen. …. Für den einzelnen wäre es zu gefährlich, diese Triebe zu befriedigen, während ihm sein Untertauchen in einer unverantwortlichen Masse, durch die ihm Straflosigkeit gesichert ist, völlige Freiheit der Triebbefriedigung gewährt.“ (59).
Das ist ausführlich untersucht worden und hat sich bestätigt.

Die Frage also entsteht: wie verhält sich die individuelle, kritische, selbstreflektierte, aus eigener Überlegung gebildete Überzeugung und Anschauung zum gefundenen Massenurteil im Netz?
Anders gefragt: wie ist es tatsächlich um die „kritische Funktion“ des Netzes und der in ihm verbundenen Menschenmassen bestellt?

Jaron Lanier, einer der „Internetpioniere“, dem wir dem Begriff der „virtuellen Realität“ verdanken, ist nachdenklich geworden. (FAZ.net 16. Januar 2010):

„….

Sind Sie von den Geeks tiefer enttäuscht als vom Markt?

Die neue Geek-Religion, in der das Internet ein lebender Organismus ist und als vermeintliches Wesen angebetet wird, kann einen schon sehr enttäuschen. Der Markt hingegen funktioniert ja in gewisser Weise. Wenn es nach ihm ginge, wäre Twitter, wäre Facebook, wäre all das Zeug, das ich nicht mag, Vergangenheit. Die Ideologie überstimmt da den Markt.

Sie meinen eine Ideologie wie die hive mind, die Schwarmintelligenz? Was haben Sie dagegen? Und warum reden Sie von digitalem Maoismus, wenn andere sich über Wikipedia begeistern?

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, davor Angst zu haben. Der menschliche Charakter scheint unglücklicherweise einen verborgenen Schalter zu haben, mit dem im Menschen das Herdentier anzuknipsen ist. Uns ist die Fähigkeit gegeben, als Individuum zu handeln, aber wir können uns auch zum Mob zusammenschließen. Dafür gibt es in der Geschichte unzählige Beispiele. Die Weisheit, die aus der Menge heraus entsteht, taugt eigentlich nur dazu, Kalkulationen schneller durchzuführen oder den Marktpreis festzulegen. Und was die Menge beschließt, ist immer noch besser als der Beschluss von Bürokraten. Wenn eine Menge aber nicht nur den Preis eines Produktes festlegt, sondern etwas produzieren will, endet sie leicht als Mob. Es gibt nach meiner Meinung deutliche Parallelen zwischen den frühen Kommunisten und den heutigen Internetpiraten. Als Ideologie klang das damals doch gut, bis es empirisch in den Abgrund ging. Es hängt wohl mit der menschlichen Biologie zusammen, dass im Kollektiv die Strategie, etwas zu verbessern, zum Scheitern verurteilt ist. Menschen verwandeln sich da in Drecksäcke. Davor habe ich am meisten Angst“.

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EF3D66AAB23104807987FC43BF07E5FCE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Wir stehen am Anfang einer Entwicklung.
Vorsichtig beginnen wir zu verstehen, was Internet und im Besonderen social web bedeuten.
Ob social web zu wirklich mehr selbständigem Denken und Urteilen in einer Massengesellschaft beitragen kann, wissen wir noch nicht.
Bei mir jedenfalls werden die Fragen dringlicher…..

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9 Gedanken zu “Massenpsychologie und web 2.0 – ein Versuch (1)

  1. Ja, tatsächlich: Dass Canetti fehlt, ist (fast) unverzeihlich. Da hat Jens recht. Insofern sind die Rekurse auf Le Bon und Freud dann eher unglücklich.

    Natürlich sind die Strömungen, die sich in Twitter in kürzester Zeit in teilweise bedrohlichen Auswirkungen zeigen, Massenphänomene, wie sie früher beispielsweise auf den Richtstätten des Mittelalters herrschten. Die Folgen sind allerdings nicht mehr physischer Natur, sondern eher auf der psychologischen Ebene. Es ist natürlich überhaupt nicht einzusehen, wieso eine „Masse“ Twitter-User in irgendeiner Form „zivilisierter“ sein soll als eine auf herkömmlichem Weg „aufgestachelte“ Masse. Hier gibt und gab es Parallelen. Ernüchterung stellt sich nur ein, wenn man die Zivilisation im Netz per se höher eingeschätzt hat. Das ist aber ein Irrtum.

    Massenphänomene gibt es aber immer schon und sie werden merkwürdigerweise in der „analogen Welt“ kaum befragt. Beispielsweise Bestseller-Listen. Jeder könnte längst wissen, dass die Verkaufszahl eines Buches nichts über dessen Qualität aussagt – dennoch ziehen solche Rubrizierungen fast magisch potentielle Leser an. Hier wird „Masse“ als Beleg „verwendet“.

    Desweiteren ist das gesamte politische Dmeokratieprinzip letztlich auf Akzeptanz von Masse (bzw,. der Mehrheit aus dieser Masse) zugeschnitten. Insofern sind politisch Handelnde zur Massenkompatibilität mindestens teilweise gezwungen. Der schlechte Politiker liefert sich ihr aus; der gute sucht Massenakzeptanz zu erzeugen. Anders laufen die Diskurswege im Netz auch nicht.

    Ich glaube, dass sich in den nächsten Jahren das Angebot an Blogs, Twitter, Foren usw. in normale Kategorien zurückentwickeln wird. Der Reiz wird irgendwann verpuffen. Es kann sogar sein, dass sich die gemässigten, diskursiv interessierten Kräfte aus dem Netz überproportional zurückziehen und Demagogen und Ideologen noch grössere Bedeutung gewinnen. Aber auch dies wäre wieder ein Massenphänomen. Schliesslich wird die „Bild“-Zeitung immer noch mehr gelesen als die „Süddeutsche Zeitung“.

    1. @Gregor, der Canetti „fehlt“ ja nicht. Den hab ich mehrfach bereits gelesen, bin ja seit langen Jahren schon auf der Spur der Phänomene in der Masse. Mit le Bon und Freud habe ich mir nur gestattet, mal eine Lücke wieder aufzufüllen an bislang noch nicht gelesener Literatur; was auch mal ganz interessant ist, wenn man den Faden verfolgen kann, der sich durch die Forschung zur Psychologie der Massen zieht.
      Ich finde die Vermutung interessant, daß sich die Aufregung um blogs, twitter etc. möglicherweise wieder „beruhigen“ wird, daß „der Reiz verpuffen“; daß sich „die gemässigten, diskursiv interesierten Kräfte aus dem Netz überproportional zurückziehen“ werden etc.
      Mich interessiert ja nicht nur die Tatsache, daß es Massenphänomene gibt.
      Sondern mich interessiert: welche sind es? Von welchen Faktoren werden sie beeinflusst? Wozu können sie führen? (das Zwanzigste Jahrhundert hat uns Erschreckendes gelehrt) und vor allem: welche, die Massen beeinflussenden Faktoren lassen sich im „Netz“ erkennen? Wie (und von wem) wären sie zu beeinflussen?
      Wenn ich von der – bislang nicht wirklich begründeten – Annahme ausgehe, daß sich im Netz die selben Massenphänomene: Rückgang des selbständigen Denkens, Bereitschaft zur Unterwerfung unter eine Idee (oder eine Führungsperson); hohe Bereitschaft zu Aggression und Affektivität darstellen; dann ergibt sich die Frage: was bedeutet es, daß im Netz in unvergleichlich kürzerer Zeit solche „Massen“ entstehen können als vor der Einführung der technischen Möglichkeiten des Netzes?
      Das zwanzigste Jahrhundert hat mit seinen industriealisierten Massengesellschaften gezeigt, wozu Massengesellschaften „fähig“ sind: die Hitlerei hat es gezeigt; das beinahe völlige Versagen der Intelligenz gegenüber diesem Wahn; in Kambodscha, Vietnam, in Chile, im Gulag und anderswo waren die entsetzlichen Folgen dieser „aufgeklärten“ Massengesellschaften zu besichtigen.
      Diese Massen entstanden – und wurden zielgerichtet beeinflusst – durch Reden, durch Zeitungen, später Radio und vor allem den Tonfilm. (neben den Massenveranstaltungen, die entsprechend per Tonfilm ins Land getragen wurden).
      Heute, im Zeitalter des Internets – gehen solche Prozesse um ein vielfaches schneller.
      Solche „Massen“ könnten sich blitzschnell bilden.
      Was aber bedeutet dies?
      Zum Beispiel im unmittelbaren Vorfeld von Wahlen?
      (Man muss sich vergegenwärtigen, daß Hitler beispielsweise gewählt wurde von einer Mehrheit der Deutschen!, weil sie Hoffnung in ihn projizierten).
      Ich habe die unbestimmte und noch unbegründbare Sorge, das die neue Technik, die eben das blitzschnelle Bilden politikwirksamer Gruppen in wenigen Tagen (kurz vor dem Höhepunkt einer Wahl) eben auch ganz neue Probleme für die Demokratie bringen kann. Es ist mehr eine dunkle Ahnung.
      Aber wenn ich mir anschaue, was wir bislang an schneller Gruppenbildung erlebt haben (z.B. Bundespräsidentenkampagne), dann mag ich mir keine politische Situation vorstellen, die in einer aufgeheizten Situation, die noch dazu eine „echte Alternative“ zwischen zwei politischen Ideen vorzugeben scheint, stattfindet, wenn dann die Macht des Internets zuschlägt. Denn hier kann man anonym bleiben. Hier genügt es, wenn sich ein „Trend“ bildet, der sich dann an der Wahlurne womöglich niederschlägt.
      Die Frage entsteht:
      Was wäre einer solchen Entwicklung entgegenzusetzen? Wir wissen, daß „Massen“ dem kritischen Argument nicht mehr zugänglich sind. Das ist ausführlich untersucht worden. „Massen“ sind dem Gedanken, dem Argument, noch dazu dem „abweichenden Argument“ unzugänglich.
      Deshalb treibt mich ein wenig die Sorge, wie es denn eigentlich ist mit dem Verhältnis von web 2.0 und der Psychologie der Massen, die ja durch vielerlei gründliche Literatur gut untersucht ist.

      1. Naja, Canetti „fehlt“ insofern schon, weil er konträre Positionen zu Le Bon und Freud einnimmt. Aber lassen wir das.

        Das Netz mit seinen Formen wie Blogs und Twitter beschleunigt Massenphänomene – einverstanden. Aber grundsätzlich sind die Gefahren ähnlich, wenn nicht gar schlimmer. Wenn der Twitter-Mob losgeassen ist und bei Facebook „Shitstorm“-Gruppen initiiert werden, ohne das man Details abwartet, dann bedeutet das einen „Rückgang des selbständigen Denkens, Bereitschaft zur Unterwerfung unter eine Idee (oder eine Führungsperson); hohe Bereitschaft zu Aggression und Affektivität“. Paart sich dies mit Unwissen oder gar Dummheit können gefährliche Affekte entstehen; Sloterdijks „Erregungsgesellschaft“ ist ja mehr als nur ein Bonmot.

        Die Welt war entzückt ob der Mobilisierung zu Gunsten von Obama. Was aber, wenn es nicht Obama gewesen wäre?

        Ihre Frage, welche Auswirkungen Massenphänomene haben, ist natürlich ein weites Feld. Sie stellt sich – darin stimme ich mit Ihnen überein – in Zeiten des Internet noch einmal dringlicher. Es ist naiv, wenn bisher davon ausgegangen wurde, dass das Internet zur „Demokratisierung“ beiträgt. Dies KANN der Fall sein, MUSS aber nicht. Man dachte übrigens immer bei der Einführung neuer Massenmedien, dass sie nur Vorteile bringen – die Ergebnisse sind ja hinreichend bekannt.

        Ich glaube nur, dass mit dem Internet und den Möglichkeiten, die sich hier beieten, irgendwann ein Erschöpfunsgzustand beim „gemeinen“ User einstellen wird. Man ist nicht mehr in der Lage, all die Themen und Varianten wahrzunehmen, geschweige denn einzuordnen. Hierin könnte ja durchaus auch ein Problem für eine bewusste Komplexitätsreduzierung einher gehen, d. h. die Empfänglichkeit für Parolen und einfache Weltentwürfe könnte zunehmen (Olivier Roy nennt das „heilige Einfalt“, wenn dies in religiöse Kanäle „umgeleitet“ wird).

        „Entgegensetzen“ kann man dem vermutlich nichts. Wer jemals in einer Masse war und seinen eigenen Weg gehen wollte, weiss, dass das manchmal nicht geht. Es wird – das ist meine These – zu Rückzügen führen. Das hat längst begonnen. Selbst wenn 100.000 Leute gegen die Sperrung von Kinderpornografieseiten protestieren, ist dies im Verhältnis nur ein Bruchteil. Themen werden gehypt, obwohl sie nur Minderheiten interessieren. Das war letztlich nie anders.

        Noch eine kleine Korrektur: Hitler kam nach demokratischen Wahlen zur Regierung – er wurd ejedoch in wirklich demokratischen Wahlen nie „gewählt“. Die NSDAP hatte 1932 sogar Stimmenanteile verloren. Er konnte nur regieren, weil es im Reichstag für andere Bündnisse keine Mehrheiten mehr gab. Dass mindestens bis 1939 grosse Teile des deutschen Volkes Hitler positiv sahen, dürfte sicherlich der Realität entsprechen.

      2. @Gregor: insofern gehörten natürlich auch die Mitscherlichs, Wilhelm Reich etc. hier her, weil sie ja auch – durchaus in Erweiterung, manchmal auch Widerspruch zu Freud, weiteres zur Erklärung der Phänomene einer „Psychologie der Massen“ beigetragen haben. Im Grunde wäre das Thema eine größere Arbeit wert, als es so ein blog leisten kann.
        Ich stimme zu, was die Einschätzung anbetrifft. Ich glaube auch immer mehr, je länger ich im Netz unterwegs bin und die Phänomene und Diskussionen beobachte, daß das Netz in vielleicht noch stärkerem Maße dem unterliegt, was man über die Psychologie der Massen herausgefunden hat. Gerade die „Hypes“ zeigen es: beispielsweise die Diskussionen rund um die Ereignisse in Duisburg, das hohe Maß an Affektivität und Unerbittlichkeit; die hohe Bereitschaft, eher kritische Stimmen „auszugrenzen“ etc. Auch die Diskussionen, die sich mit gegenwärtigem Regierungshandeln beschäftigen zeigen solche Phänomene in erschreckendem Umfang: Vereinfachung, Simplifizierung, Emotionalisierung etc.
        Ich glaube aber nicht, daß „Rückzug“ eine angemessene Strategie ist.
        Die eher leisen, kritischen Stimmen beispielsweise zu Zeiten, in denen „Volksmassen“ in Deutschland die „öffentliche Meinung“ bestimmten – während der ersten und während der zweiten Diktatur – hatten immer einen Dialog miteinander. Der ist wichtig.
        Man darf, glaube ich, den „Rückzug“ nicht als wirkliche Möglichkeit akzeptieren. Ich glaube zwar auch, daß etliche so reagieren werden – und ja schon so reagieren. Aber das „Exil“ ist eigentlich nur eine ultima ratio.
        Deshalb freuen mich so nachdenkliche Stimmen wie Ihre besonders. Sie sind wichtig, damit man das Netz nicht „der Masse“ überlässt, sondern eine Art kritischer Gegenöffentlichkeit wach hält.

  2. 1. Netter Ansatz mal über die Massen im Web nachzudenken. Aber Le Bon ohne Canetti als Bezugspunkt zu nehmen, zeigt, dass es ihnen nur oberflächlich um die eigentliche Frage der Macht und des Machtmissbrauchs geht.

    2. Der aktuell stark textlastige Austausch im Web dient als korrektive Handbremse, ebenso haben einschränkende oder ergänzte Bemerkungen die gleiche Möglichkeit zu wirken, wie der ursprüngliche Gedanke.

    3. Jaron Lanier, der nie wirklich etwas Essentielles zur Entwicklung des Web geleitet hat, sondern lediglich ein armer Selbstvermarkter ist, sollte nicht herangezogen werden. Das die FAZ auf sein Web-Bashing, das auffällig parallel zu dem Deutschlandstart seines Buches lag, hereinfällt, liegt eher an der verzweifelten Neigung der FAZ irgendwas Schlechtes über das Web schreiben zu können.

    4. Eine @anna, die in ihrem Kurzkommentar eignetlich nur einen Werbelink schreibt, ist eher ein Spam als ein wirklicher Kommentar (mal sehen, ob sie antwortet 😉

    5. Es fehlt vollständig die Betrachtung, dass die eigentliche Bedeutung des Web im kollaborativen Handeln liegt. Wenn sie schon über die öde Lanier-Bande wikipedia mit ins Spiel bringen, können sie dieses Thema nicht außenvor lassen.

    6. Dass es für das kollaborative Arbeiten, Lernen, Handeln im Netz auch der Vermittlung von (Online-)Sozialkompetenz braucht steht außer Frage, aber aktuelle Bestrebungen der Mächtigen zeigen eher in die Richtung der Unbefähigung, des Schlechtredens und Einschränkens von Kompetenzerfahrung. (siehe Bemerkung Merkel über das web in der Bunte u.a.)

    7. Da jeder zum Influencer in einem Themenbereich werden kann, gleichzeitig aber die ständig Gegenprüfung der Argumente nie abbricht, bietet das Web im Vergleich zur klassischen Massenentstehung und den Massenmedien eine Befähigung zur Kritik und Kritikaufnahme durch das Individuum wie nie zuvor.

    8. Dass in einer Übergangsphase alte Verhaltensweisen auch bei den Online-Affinsten durchbrechen können, ist der menschlichen Natur geschuldet, aber keineswegs ein Zeichen, dass das Web keine Weiterentwicklung in der menschlichen Kommunikation, dem menschlichen Miteinander bietet.

    Es ist noch eine Menge zu tun. Lese, höre, sehe hierzu

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/video/2010/jul/26/cyber-utopian-myth-internet-ethan-zuckerman

    und der Vortrag von Clay Shirky auf der SXSW2010 über Monkeys with Internet Access (über die neue Erfahrung des Teilens), leider als audiofile gerade offline, deswegen hier nur ein Blogbericht darüber:

    http://www.deeperdish.com/monkeys-with-internet-access-sharing-human-na-1

    9. Aufzählungen sind so schlecht als kommentar und der nötige Selbstabstand und Eigenhumor wird im Netz zum Glück noch genügend gepflegt, als dass es für irgendwelche Demagogien wirklich ernsthaft missbraucht werden könnte.
    Falls genügend Mut vorhanden, hier die „Regeln“
    http://encyclopediadramatica.com/Rules_of_the_Internet

    1. @jens, herzlichen dank. ich sehe ja durchaus auch die vorteile, das was sie als „kollaboratives handeln“ beschreiben; sehe die möglichkeit, argumente im dialog zu wägen, ggf. zu entkräften, auch zu verstärken. vor allem die sehr schöne und schnell mögliche internationalisierung des dialogs gefällt mir sehr am web, weil es hilft, beziehungen über grenzen hinweg aufzubauen.
      was mich nachdenklich macht: das netz ist wie kein anderes medium in der lage, innerhalb kürzester zeit mengen zu massen werden zu lassen: sie verbinden sich in gruppen z.B. beispiele dafür sind legende.
      die frage, der ich versuche, mich zu nähern: gelten in diesen massen ähnliche gesetze wie in bevölkerungsmassen des vorigen jahrhunderts und der gegenwart?
      diese „massen“ sind ja eindrücklich beschrieben worden: ein gemeinsames ziel, hintanstellung des eigenen kritischen denkens im maße wie die masse wächst; schnelle ausgrenzung andersdenkender – ebenfalls in dem maße, wie die masse wächst; radikalisierung etc.; unterordnung unter einen anführer, wobei der „anführer“ auch eine idee sein kann.
      nun ist ja das interessante am web, daß es diese klar erkennbaren „anführer“ nicht gibt. sie sind vielleicht besser bezeichnet mit „starker impulsgeber“: blogs beispielsweise, oder große online-zeitungen; alles das ist ja beschrieben.
      was passiert aber im netz wenn „sich“ eine masse bildet, schnell verbreitet durch das vertrauen der nutzer untereinander, die im kern a-sozial oder a-politisch, oder antihuman ist?
      wir sehen ja im moment, daß sich das netz ausdifferenziert: da sind die geschäftsleute, die besser unter sich bleiben wollen und web 2.0 z.b. nur für die ständige flüssige kommunikation unter geschäftspartnern nutzen (eher nicht zur geschäftsanbahnung). da finden wir zunehmend geschlossene gruppen, die aber sehr wirksam sind.
      dann gibt es das viele getwitter und geschnatter in den üblichen „massenmedien“: hier kann man leicht die eigenschaften der „masse“ wiederfinden, die im vorigen jahrhundert ausführlich theoretisch beschrieben und praktisch beobachtet wurden: sensationslust; lust am gerücht; affektive erregbarkeit etc. (sehr anschaulich zu verfolgen bei der „debatte“ um duisburg).
      wir haben gesehen, daß kritischer geist und kritisches bildung nicht vor solchen massenphänomen schützt: die nazis sind das erschreckendste beispiel dafür.
      deshalb versuche ich, mich dem verhalten der „masse im netz“ mit der frage zu nähern, ob in ihr ähnliche gesetzmäßigkeiten gelten wie von der „masse“ in der bevölkerung.
      mein eindruck ist, da weiß man noch nicht wirklich gesichertes.
      es ist neuland.
      aber: nach den erfahrungen mit massen in zurückliegender zeit lohnt es sich vielleicht, bereits jetzt, zum beginn einer entwicklung, darüber nachzudenken. nicht, damit es später einmal heißen muß: na, das hättet ihr euch aber denken können.

      danke für die literaturhinweise!

  3. Also, mal zu diesem Thema: Ich bevorzuge ONLINE FERNSEHEN. Das ist gratis, Zunsurlos und ich kann weltweit alle Sendungen sehen, die mich gerade interessieren.
    Wer will kann es sich ja gerne mal ansehen, zu finden unter http://www.i-see-tv.org

    Einen schönen Abend noch,

    Anna

    1. @Anna: Vielen Dank für den Link. Sehr interessant, eine schöne Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

      LG,
      Hubert

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