Demonstrationen und Internet – wie das Netz die Demokratie verändert


Etwas Enttäuschung ist zu spüren im Internet.

Bei der ersten Demonstration von Bürgern für Joachim Gauck auf der Straße in Berlin waren die Erwartungen hoch. Von „Montagsdemonstration“ war die Rede. Ein aufgeladenes Wort.
Über die sozialen Netzwerke war dazu eingeladen worden, doch dem Aufruf waren nicht viele Menschen gefolgt.

Über mögliche Gründe wurde sofort spekuliert:
die kurze Vorbereitungszeit – könnte ein Grund gewesen sein.
Die Tatsache, daß die Menschen gerade lieber Fußball schauen – könnte auch ein Grund sein.

Der Umstand, daß nicht die Bürgerinnen und Bürger, sondern die Bundesversammlung die Wahl zu entscheiden hat, könnte ein wesentlicher Grund gewesen sein.

Vielleicht aber liegt es auch an der Klugheit der Menschen?
Sie wissen, daß die Bundesversammlung entscheidet.
Und sie wissen, daß es darauf ankommt, um jede einzelne Stimme in der Bundesversammlung zu werben.

Wenn man also per mail, per Telefonat, per Brief, per social web die Möglichkeit hat, direkt mit den Wahlmännern und -frauen in Kontakt zu treten – weshalb sollte man sich dann noch an einer Demonstration beteiligen?

Die Frage entsteht: verändert das Internet auch die klassischen Formen, in denen sich Bürgerwille in der Vergangenheit kundgetan hat?

Es könnte sein.
Die Menschen können sehr viel direkter an ihre Abgeordneten herantreten.

Sie können große Menschenmassen zusammenführen, auch wenn man sich nicht auf einer „Demonstration“ im klassischen Sinne trifft.

Zehntausende sind es mittlerweile, die im Netz Joachim Gauck unterstützen. Knapp 30.000 sind es allein auf der facebook-Seite „Joachim Gauck als Bundespräsident“. Viele andere Gruppen und Seiten werben zusätzlich dafür, daß Joachim Gauck als parteiloser Kandidat zum Bürgerpräsidenten gewählt wird.

Der Wille in der Bevölkerung tut sich nicht mehr nur in Demonstrationen kund.
Er zeigt sich auch an der Mitgliedschaft in entsprechenden Gruppen in den Netzwerken.
An der Müdigkeit in der Bevölkerung liegt es nicht – die Unterstützergruppen für Joachim Gauck wachsen immer weiter.

Das Land verändert sich.
Die Demokratie verändert sich.
Sie verändert auch das Verhalten der Menschen auf der Straße.

Vielleicht haben wir heute ein Beispiel dafür erlebt?

Ich wünsche allen folgenden Demonstrationen für Joachim Gauck trotz der veränderten Möglichkeiten, die das Internet bietet, viele Teilnehmer.

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Ein Gedanke zu “Demonstrationen und Internet – wie das Netz die Demokratie verändert

  1. Die Demonstrationen haben sich tatsächlich von der Straße ins Netz verlagert. Aber – muss man sie deshalb weniger ernst nehmen? Ich denke, die Auseinandersetzungen und Diskussionen werden dadurch aogar sachlicher. Das Gewaltpotential wird ausgeschlossen. Gewalt über den Rechner (Virus oder radikale Beträge) kann man abwehren.
    Der Bürgerwille ist nicht mehr anonym. Die meisten nennen ihren Namen und zeugen dadurch von Zivilcourage. Eine neue Demokratie.
    Was dieser Form der Diskussion fehlt, ist die Außenwirkung. Die Wahrnehmung durch eine breite Öffentlichkeit wird dadurch verhindert, dass die Randbedingungen im Vergleich zu einer realen Demonstration ( Polizei, Journalisten usw.) nicht gegeben sind.
    Und es wird sicher Zeit benötigen, um diesem Ansatz der Internet-Gemeinde zum Erfolg zu verhelfen.

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