Die Waffen nieder! Erinnerung an Bertha von Suttner im Kriegsjahr 2010


Ihr Buch „Die Waffen nieder!“  wurde in sechzehn Sprachen übersetzt und erschien in vierzig Auflagen.
Bertha von Suttner erhielt nicht nur als erste Frau 1905 den Friedensnobelpreis, sie war es auch, die ihren Freund Alfred Nobel zur Stiftung des Nobel-Preises inspirierte.

Im Kriegsjahr 2010 ist es gut, sich an diese mutige und klare Frau zu erinnern.
Denn, es mangelt an Mut und es mangelt an Klarheit.

Suttner stammte aus einer „Kriegerfamilie“: Die geborene Kinsky hatte Militärs zu ihren Vorfahren. Ein Graf Kinsky war in die Katastrophe Wallensteins verwickelt gewesen. Ein anderer leitete die Wiener-Neustädter Militärakademie und focht 1794/95 als kommandierender General gegen die französische Armee in den Niederlanden. Ihr Vater starb noch vor ihrer Geburt als pensionierter Feldmarschalleutnant und ihr Vormund gehörte gleichfalls zu den höchsten Militärs der Monarchie, schwärmte für Radetzky und hielt den Ruhm der österreichischen Armee für „einen der schönsten Bestandteile der allgemeinen Weltordnung.“ (zitiert nach:  Bertha von Suttner. Lebenserinnerungen. Verlag der Nation Berlin 1970, S. 12).

An Stefan Zweig schreibt sie:

„Die Menschen begreifen nicht, was vorgeht … Warum tut ihr nichts, ihr jungen Leute?
„Euch geht es vor allem an! Wehrt euch doch, schließt euch zusammen!Laßt nicht immer alles uns paar alte Frauen tun, auf die niemand hört.“ (http://www.wirtschaftsmuseum.at/pdf/Suttner_tsch.pdf)

Mit wichtigen Menschen ihrer Zeit stand sie im Kontakt: Leo Tolstoi, Stefan Zweig, Alfred Nobel, Alfred Fried (Friedensnobelpreis 1911), Andres Carnegie, Albert von Monaco u.a.
Vor tausenden von Menschen hat sie gesprochen, hat geschrieben, hat sich engagiert.
Die UNO hat ihr viel zu verdanken, gehört sie doch zu den Visionärinnen einer weltweiten Kooperation der Staaten zum Erhalt des Friedens.

Man hat sie oft ausgelacht.
Und man hat nicht auf sie gehört.
Mann hat weiter gerüstet – im Ersten Weltkrieg, später im Zweiten Weltkrieg.
Neuerdings ist auch von Deutschen wieder der Ruf nach schwereren Waffen im Krieg zu hören.

Es ist an der Zeit, sich der Bertha von Suttner zu erinnern.
Sie hat sich nicht anfechten lassen von denen, die sie als „naiv“ kennzeichneten.

Auch heute ist zu hören, wer einen Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan fordere, sei „naiv“.
Viel klüger sei es, im Bündnis der Allianz weiter Soldaten an den Hindukusch zu schicken. „Fürs Vaterland“ oder „für unsere Freiheit“.
Diese Rede nach „mehr Tapferkeit“ und „großen Opfern“ war im Krieg schon immer falsch und gefährlich.

Als ich mit einer Gruppe von jungen Abiturienten in den Jahren um 1983 die Texte der großen Pazifisten las und diskutierte, als die Staatssicherheit diese Aktivitäten mit zunehmender Nervosität beobachtete und schließlich ihre „Maßnahmepläne“ gegen mich aufschrieb, stand die Bertha von Suttner ganz am Anfang einer Reihe von Veranstaltungen, die sich mit der großen Tradition des Pazifismus befasste.
Wir haben uns damals nicht einschüchtern lassen. Es war richtig so.
Die Saat der von Suttners, der Tolstois, von Gandhi und King, von Zweig und Romain Rolland ist aufgegangen.

Wir werden denen, die nach „mehr Waffen“ rufen, nicht folgen.

Frau von Suttner notiert am 12. Mai 1914 in ihr Tagebuch:
„Gegen den Übermilitarismus, der jetzt die Atmosphäre erfüllt, ist nicht anzukämpfen. Die einzigen – weil sie auch eine Macht sind -, auf die man hoffen kann, daß wir den Krieg abwenden, sind die Sozialdemokraten.“

Im Kriegsjahr 2010 kommt den Sozialdemokraten wieder eine wichtige Rolle zu.
Sie müssen erkennen und sehen, daß die militärische Strategie des Westens in Afghanistan gescheitert ist.
Ihnen fällt die Rolle zu, offen zu sagen und dafür zu kämpfen, daß die Bundeswehr ein neues Mandat braucht.
Die Bundeswehr darf sich nicht an einem Krieg beteiligen.

Dies ist von der Kanzlerin einzufordern.
Wir brauchen Mut im Parlament.

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