Leben in zwei Systemen. Kapitel 3. Unterschriften sammeln


Die Unterschiede könnten nicht größer sein.
Unterschriften sammeln gehörte in der Diktatur zu den Tätigkeiten, die strengster staatlicher Kontrolle unterlagen.
Der Staat sammelte selbst welche. Zum Beispiel setzte sich die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und auch die „Freie Deutsche Jugend“ mit Hilfe von „Postkartenaktionen“ und „Unterschriftensammlungen“ für die Freilassung von Angela Davis ein. Die saß in den USA als Bürgerrechtlerin im Gefängnis.
Die Aktion an sich war schon ein Witz: denn für eine Bürgerrechtlerin Unterschriften zu sammeln in einer Diktatur – das „hat was“. Natürlich wurde gesammelt, weil sie in den USA im Gefängnis saß. Da sah man mal wieder, „was das für ein System“ war in den USA.
Man sammelte auch Unterschriften um den Fünf-Jahres-Plan zu erfüllen.
Man sammelte Unterschriften, um die Regierung in ihrer „Friedens- und Sozialpolitik“ zu unterstützen. Aber alldas war harmlos, war völlig ungefährlich und führte am Ende zu gar nichts außer dazu, dass die Stasi-Leute in den Betrieben sehr fein registrierten, wer solche Sammlung nicht (!) unterschrieb.

Umgekehrt jedoch: wenn eine private Initiative in der DDR Unterschriften sammelte, dann war das sofort „politisch“ und die Staatssicherheit (STASI) interessierte sich für die Sache. Nichts war auffälliger, als wenn man die Obrigkeit in der Diktatur mit Hilfe einer Unterschriftensammlung an die Einhaltung von Bürgerrechten erinnern wollte. Es war schon schwierig, Unterschriften dafür zu bekommen, denn natürlich wusste jeder, was es bedeutete, wann man mit Namen und Anschrift unter so einem Papier zu lesen stand. Die Angst regierte das Land.
Wer also im Lande selbst etwas verändern wollte und dafür Unterschriften sammelte – das ging mit Listen aus Papier und handschriftlicher Unterschrift und durfte selbstverständlich nicht auf öffentlichen Plätzen stattfinden -, stand sofort unter Beobachtung. Nicht selten endeten solche Aktionen im Gefängnis und anschließend nach der „Ausreise“ im Westen. Derlei Lebensgeschichten sind zahlreich und in den DDR-Museen mittlerweile gut dokumentiert.

Ganz anders dreißig Jahre später.
Die Mauer ist gefallen, man sieht noch spärliche Reste, eingelassen in manche Straßen in Berlin, damit man nicht vergisst, wo sie einmal gestanden hat.
Dreißig Jahre später haben wir eine Inflation von Unterschriftensammlungen.
Allenthalben werden Unterschriften gesammelt. Mit und ohne Listen. Mit und ohne Papier. Für und gegen Kohleausstieg. Für und gegen moderne Landwirtschaft. Für und gegen Gentechnik. Überall wird gesammelt.
Seit uns das Internet über E-mail und insbesondere social media-Anwendungen auch auf den Smartphones die Möglichkeit gibt, in Echtzeit miteinander zu kommunizieren, geht die ganze Sache natürlich auch online. Eine Möglichkeit, von der die Oppositionsgruppen in der DDR nicht mal träumen konnten.

Allerdings: die Bedeutung solcher Sammlungen hat sich völlig verändert.
Wurden „zu Ost-Zeiten“, wie man heute sagt, auch die zahlenmäßig kleinsten Sammlungen sehr genau registriert und politisch „ausgewertet“ (ohne dass sich am Sachverhalt selbst etwas änderte), sind Unterschriftensammlungen heute beinahe alle völlig wirkungslos. Es gibt nur wenige Beispiele, bei denen solche – online durchgeführten – Sammlungen tatsächlich zu Veränderungen führten.
Etwas anderes ist aber wichtig: Unterschriftensammlungen zeigen heutzutage Kräfteverhältnisse. Selbst wenn man die automatisierten Unterschriften von bots herausrechnet, zeigen online durchgeführte Unterschriftensammlungen, wie stark eine Interessengruppe in etwa ist.
Und: Unterschriftensammlungen dienen auch dem Sammeln von Daten.
Natürlich hat eine Organisation, die sich auf online durchgeführte Unterschriftensammlungen spezialisiert hat (das geht nicht ohne eine e-mail-Adresse) politische Macht, denn sie kann, wenn Thema und Zeitpunkt „stimmen“ große Menschenmassen mobilisieren.
So mancher fragt sich deshalb, ob er sich überhaupt an einer solchen „Unterschriftenaktion“ beteiligen solle. Man kann es tun, wohl wissend, dass sich am Sachverhalt selbst so schnell nichts ändern wird durch eine Unterschrift.
Wohl aber kann man das Lager derer stärken, die für das unterstützte Anliegen eintreten.
Haftstrafen jedenfalls gibt es für das Sammeln von Unterschriften nicht mehr…..

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Leben in zwei Systemen. Kapitel 2. Umwelt


Es wird wohl ein „Wörterbuch“ werden. Ein Wörterbuch als Ordnungsprinzip, um das viele erlebte Material aus dreißig Jahren Diktatur und knapp dreißig Jahren Bundesrepublik handhabbar zu machen. Ein solches Wörterbuch ist auch deshalb sinnvoll, damit wir zunächst einmal klären, was wir denn eigentlich meinen, wenn wir ein Wort sagen. Worte sind gefüllt mir Erfahrung, gefüllt mit Erlebtem. Der Kontext gibt einem Wort einen Teil seiner Bedeutung. Deshalb ist Sorgfalt beim Wort nicht egal. Die Verwendung vieler Worte war zu Zeiten der Diktatur nämlich durchaus völlig verschieden von der Nutzung heutzutage. So eine Wort-Klärung kann zudem jüngeren Menschen helfen, genauer zu verstehen, was ein Leben in der Diktatur bedeutet hat. Dass alle die nun folgenden Beiträge streng persönlich sind, hatte ich im Teil I ja schon notiert.
Nun also „Umwelt“.
Dass wir Kinder in einem Pastorenhaushalt in der DDR zu den Privilegierten insofern gehörten, als wir Zugang zu Literatur hatten, hatte ich in Teil I ja schon berichtet. Deshalb konnten wir zum Beispiel „Die Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome 1972) lesen. Und wir lasen. Und zwar gründlich. Der „Acker“ war nämlich schon gut vorbereitet, wir waren schon als Jugendliche aufmerksam ausgerichtet auf die globalen Fragen. Unsere politische Bildung bezogen wir in der Familie vom SFB und vom Deutschlandfunk, manchmal auch vom RIAS. Vor allem die politischen Features vom SFB halfen uns, den Blick weltweit offen zu halten, obwohl wir hinter dem Zaun festsaßen. Ich erinnere mich gern an die „Abende am Radio“, bei denen wir diese Sendungen hörten.
„Ihr seid über vieles bei uns besser informiert als wir“ – sagten uns West-Besucher deshalb nicht selten.
Wer „Die Grenzen des Wachstums“ aufmerksam las, konnte sehen, dass eine Politik, die auf Wachstum ausgerichtet war, nicht mehr länger zielführend sein konnte. Das galt in West, aber auch in Ost, denn auch der Osten war auf Wachstum ausgerichtet. Und eben das führte zum Konflikt.
„Umwelt“ war in der DDR ein hochpolitisches Wort. Wer sich mit Umweltfragen befasste, wurde beobachtet. Denn Umweltprobleme gab es offiziell nicht.
Jeder sah, dass es stank in Merseburg; jeder sah die Schaumteppiche, die die Saale von Saalfeld herabgezogen kamen – aber Umweltprobleme gab es nicht.
Der Ruß aus dem Heizkraftwerk in Jena-Winzerla kam sogar durch die geschlossenen Doppelfenster in meine Wohnung in der Johannisstraße 14 im Zentrum der Stadt, aber ein Umweltproblem gab es nicht – das teilte uns jedenfalls der damalige Oberbürgermeister Spahn beim jährlichen Staat-Kirche-Gespräch offiziell mit. Wir wussten aber von Kirchenältesten, die im Heizkraftwerk arbeiteten, was dort tatsächlich vor sich ging.
Wer sich mit den „Ereignissen um die Umweltbibliothek in Berlin“ einmal befassen will, kann das googlen, ich erspare mir deshalb hier einen Exkurs. Man sieht aber auch an diesem Beispiel: Umwelt war ein hochpolitisches, aufgeladenes Wort und jeder, der sich wirklich vom Staat unabhängig eine fundierte Meinung bilden wollte, war sofort verdächtig. Es mangelte zum Beispiel an verlässlichen Informationen, vor allem an Messdaten. Umweltinformationsdienste waren geheim und nur „den staatlichen Stellen“ vorbehalten.
Ich gründete deshalb, als ich im Stadtjugendpfarramt in Jena meinen Dienst als Jugendpastor begann, gleich zu Beginn einen „Arbeitskreis für Umweltfragen beim Stadtjugendpfarramt“. Die Stasi-Akte hat gut protokolliert, was wir damals unternahmen. Aus heutiger Sicht völlig harmlose Aktionen waren das. Zum Beispiel fertigten wir in meinem fensterlosen Badezimmer Fotopostkarten an, auf denen ein Zentraler Platz in Jena abgebildet war, auf dem Bäume standen. (in Wahrheit gabs da keine Bäume, nur Beton). Von diesen Postkarten fertigten wir 250 Stück an und klemmten sie den dort parkenden Autos hinter den Scheibenwischer. Die Botschaft war simpel: „pflanzt endlich ein paar Bäume ins Stadtzentrum, dieser Platz ist viel zu heiß und staubig“.
Die Aufregung bei der Stasi war erheblich.
Heute lächle ich über diese Dinge, weil sie, gemessen an der eigentlichen Aufgabe, wirklich harmlos waren. Aber: unsere Möglichkeiten waren auch sehr begrenzt. Kopierer hatten wir nicht. Fotos auf Matrizen vervielfältigen ging technisch nicht – also blieb die Vervielfältigung mit dem Fotoapparat.
Das, was wir an Literatur zur Verfügung stellen konnten, stellten wir Kirchenleute zur Verfügung. Einige jedenfalls taten das: sie öffneten ihre Bibliotheken. Umwelt-Bibliotheken entstanden. Nicht nur in Berlin. Auch in Jena und in anderen Städten.
Das „Kirchliche Forschungsheim“ in Wittenberg war besonders wichtig, um die zaghaften kleinen Umwelt-Gruppen, die „im Raum der Kirche“ angefangen hatten, zu sammeln und weiterzubilden. Auch das „Kirchliche Forschungsheim“ unter Leitung von Dr. Hanspeter Gensichen war der Obrigkeit selbstverständlich ein Dorn im Auge. Die einschlägigen Akten berichten davon. Es ging ganz fix, dann war einer, der sich um Umweltfragen kümmerte, ein „Staatsfeind“ und wurde entsprechend behandelt.
Was geblieben ist aus jenen Jahren ist die Einsicht: wer sich wirklich gründlich mit Umweltfragen befasst, stößt sofort auf staatlichen Widerstand. Und auf den Widerstand der Konzerne natürlich, die mit dem Verkauf von schmutziger Energie ihr Geld verdienen.
Weil ein Staat, der auf Wachstum aus ist, in seinen Grundfesten angefragt wird, wenn man über wirklichen Umweltschutz redet. Zu „Ost-Zeiten“ (auch so ein terminus, der erst nach der „Wende“ entstanden ist) befassten wir uns mit schmutzigen Gewässern, schmutziger Luft, chemischen Rückständen. Von „Klimawandel“ etc. war noch keine Rede. Das kam erst noch.
Zu „Ost-Zeiten“ gabs noch keinen „Klimawandel“. Die Kohle-Kumpel jedenfalls kämpften in jedem Winter in den Braunkohletagebauen einen „heldenhaften Kampf“ zur „Versorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen“. Wer sich mal Zeitungsberichte einer beliebigen Zeitung aus einem beliebigen Wintermonat daraufhin anschaut, der sieht sofort, wie existentiell die Versorgung mit Braunkohle für die gesamte DDR-Wirtschaft war.  Wer über „Kohle“ sprach, sprach über Politik und zwar über die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, über den ökonomischen Kern der DDR also. Und die „Kumpels in der Kohle“ waren entsprechend „Helden“.
Das muss man wissen, wenn man den Widerstand, der heutzutage zum Beispiel im Lausitzer Revier gegen die Schließung von Braunkohlekraftwerken vorhanden ist, verstehen will.
Also: dass es der Umwelt schlecht geht – das galt schon damals nach Ansicht des „Staates“ als „persönliche Meinung“ und war in seinen Augen von Objektivität meilenweit entfernt. Wer sich wirklich für Umweltschutz engagierte, war gefährlich.
Nun aber waren da die Kirchengemeinden, die sich in kleinen Lesegruppen und -zirkeln nicht beirren ließen und lasen. Die sich Informationen beschafften bei Treffen mit Partnergemeinden zum Beispiel. Die sich vernetzten. Die wenigen Treffen der Umwelt- und Friedensgruppen in der DDR waren entscheidend für den Informationsaustausch und sie haben ihren wirksamen Beitrag geleistet für den Fall der Mauer.
Was die Weltkirche anbetraf – da war der „Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ der Maßstab, der insbesondere die frühen achtziger Jahre bestimmte. Nicht wenige Gruppen konnten sich innerhalb dieses Prozesses sehr gut international verknüpfen und die Delegierten, die an den internationalen Treffen teilnehmen durften (nicht jeder durfte ausreisen, um an einer solchen Tagung teilzunehmen…..), waren begehrte Gesprächspartner nach ihrer Rückkehr.
Unter dem „Dach der Kirche“ fand also einiges statt.
Ich weiß vom VEB Carl Zeiss Jena, dass es auch innerhalb großer Kombinate wie dem Zeiss-Kombinat  im kleinsten Kreise  einiger Kollegen kritische Gespräche gab. Wurde man jedoch dabei erwischt und denunziert, war die Karriere in Gefahr.

Nun, etliche Jahrzehnte später, drückt uns nicht nur das Thema „Klimawandel“ und „Plastik“, sondern „Überfischung der Meere“ und vieles andere, weil die großen Volkswirtschaften unübersehbar tatsächlich an ihre „Grenzen des Wachstums“ gekommen sind. Mehr geht nicht.
Man hatte schon in den siebzigern davor gewarnt. Die Warnungen wurden in den Wind geschlagen. In Ost und in West.
Würden alle Menschen der Welt so leben, wie wir Deutschen, bräuchte man dreieinhalb Erden. Wir wissen das. Aber wir machen einfach weiter.
Das kann aber nicht funktionieren. Unser Lebensstil kann kein Maßstab sein, weil er mehr verbraucht, als da ist.
Wenn wir über die gegenwärtigen, verschärften ökologischen Themen sprechen, über Klimawandel beispielsweise, über „Energiewende“, über „Kohleausstieg“ – dann reden wir über Weltwirtschaft. Der Blick ist sofort global. Das wussten wir schon lange. Das wissen wir schon lange. Und dennoch wird
putzigerweise wird ökologisch, d.h. global denkenden Menschen heutzutage nicht selten ein „Tunnelblick“ vorgeworfen, wenn sie darauf hinweisen, dass beim Thema „Klimawandel“ die Existenz der Menschheit auf dem Spiele steht.
Dabei geht es um das glatte Gegenteil, als um einen „Tunnelblick“. Es geht darum, den kleinkarierten Blick auf die eigene Umgebung, auf die eigene Nation und die eigene Volkswirtschaft endlich zu weiten und die Zusammenhänge anzuerkennen.
Aber noch immer werden diese Zusammenhänge geleugnet. „Was kann denn Deutschland schon beitragen zum weltweiten Klimaschutz?“ so fragen diejenigen, die partout nichts ändern wollen.
Oder sie sagen: „Früher war es auch schon heiß. Es gibt keinen Klimawandel.“
Oder sie sagen: „Dass ein erhöhter CO2-Ausstoß seit der Industrialisierung für den sich immer stärker beschleunigenden Klimawandel verantwortlich ist, ist „ihre persönliche Meinung“.
Wissenschaftliche Grundlagenforschung, wissenschaftliche gesicherte Erkenntnisse werden als „persönliche Meinung“ abgetan. Mir kommt das sehr bekannt vor.
Das ganze ist jedoch nicht banal, denn es findet organisiert statt.
Die Interessenkonflikte liegen ja offen auf der Hand. Da sind diejenigen, die eine einigermaßen intakte Umwelt sich selbst und für ihre Kinder wollen und da sind andere, die zum Beispiel mit Kohle Geld verdienen. Dieser Konflikt muss jetzt zügig entschieden werden. Der Worte sind nämlich genug gewechselt.
Wir haben nämlich ein wirkliches Problem: trotz aller Umweltkonferenzen und Umweltabkommen steigen die Emissionen.
Es besteht die große Gefahr, dass sich nach fast 50 Jahren „Die Grenzen des Wachstums“ die politischen Parteien aus dem Kampf gegen den Klimawandel verabschieden mit dem Argument: nun ist es zu spät.
All die Jahre, die ich nun mittlerweile mit dem Thema verbracht habe – anfangs als junger Pastor mit interessierten jungen Menschen, später als Bundestagsabgeordneter (ich erinnere mich sehr gern an jenen Tag, als wir mit Dr. Hermann Scheer und Hans-Josef Fell und anderen die Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes endlich politisch durchsetzen konnten und gefeiert haben) und Mitglied der Energie-Enquete und noch später als Staatssekretär im Bundesforschungsministerium (Energieforschung!) und im Bundesverkehrsministerium (Verkehrswende, neue Antriebe!) – all die Jahre haben mir vor allem eines gezeigt: unser Engagement war nicht ausreichend, nicht entschlossen genug, nicht entschieden genug.
Denn trotz aller Anstrengungen, trotz aller Beschlüsse, Gesetze und Entscheidungen: die Emissionen steigen dramatisch schnell an.
Nicht nur bei uns, überall auf der Welt.
Wir haben nicht mehr viel Zeit. Zehn Jahre vielleicht. Wahrscheinlich sind es weniger Jahre, um das Ruder noch herumzureißen.
Die britische staatliche Meteorologie-Agentur rechnet damit, dass die besonders gravierenden 1,6 Grad Temperaturanstieg in den kommenden vier Jahren erreicht werden. 1,6 Grad – das bedeutet dass ein weiter „tipping point“ kippt: das Abschmelzen des Grönlandeises wird bei plus 1,6 Grad unumkehrbar.

Nach all den Jahren bin ich nun seit Anfang des Jahres im „Ruhestand“.
Aber ich mache weiter mit dem Thema.
Was unter den Bedingungen der Diktatur auch mit Mitteln der Staatssicherheit bekämpft wurde, was unter den Bedingungen der offenen Gesellschaft belächelt oder als „persönliche Meinung“ abgetan wird, das muss endlich „geregelt“ werden. Und zwar so, dass kommende Generationen auch noch leben können.
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Mitglied im Club of Rome, mit dem ich in der Energie-Enquete zusammengearbeitet habe und der mein Kollege in der Fraktion war, hat kürzlich öffentlich gemeint:
„Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann werden unsere Kinder und Enkel nichts mehr zu lachen haben, wenn sie denn überhaupt überleben können.“
Deshalb gibt es nun „Fuer-unsere-Enkel.org„. Ein internationales Netzwerk von Menschen, die nicht vor der Zeit aufgeben wollen.

Leben in zwei Systemen. Ein Versuch. I


Eine Freundin hat mich ermutigt, mit diesem Experiment zu beginnen. „Du hast dreißig Jahre in der Diktatur gelebt, bist von ihr geprägt worden. Du hast lange vor dem Fall der Mauer und besonders in den Jahren der Wende für die Demokratie gekämpft, warst danach in politischen Spitzenämtern engagiert, kennst den Westen nun auch dreißig Jahre – so einen Einblick haben wenige. Schreibe darüber!“ hat sie gemeint.
Ich war unsicher, ob das sinnvoll sein könnte.
Es gibt ein paar Millionen Menschen, die auch in beiden System gelebt haben. In der Diktatur und seit 1990 im wieder größer gewordenen Deutschland. Was also könnte ich beisteuern, was nicht auch andere erzählen können?
Ok, nicht jeder hat den Westen so erfahren wie ich, der als Ostler bis so ziemlich ganz nach „oben“ kam, politisch gesehen. So sehr viele waren und sind das ja nicht. Und, bezogen auf den Osten – auch da gehörte ich zur einer verschwindend geringen Minderheit. Insofern könnte es schon ein unterscheidbarer Beitrag werden.

Vielleicht kann aber ein solches Experiment zusätzlich auch eine Einladung an andere sein, die jeweils „eigene Geschichte“ zu erzählen. Und das wäre viel.

Zunächst ein Doppeltes:
In der Diktatur (schon die Wortwahl zeigt dem Leser, aus welcher „Ecke“ ich komme) gehörte ich nicht zu den Privilegierten und gehörte doch zu ihnen.
Zu den politisch Privilegierten gehörte ich ganz sicher nicht. Ich war, wie meine beiden Brüder, nie Mitglied bei den Pionieren, war nicht in der FDJ, war nicht bei der Armee, hab mich nie an Wahlen beteiligt, die ja keine waren. Das hatte Konsequenzen, wir durften ein staatliche Abitur machen, durften nicht studieren, was wir wollten, obwohl wir zu den Klassenbesten gehörten.
Wir gehörten nicht „zum System“. Wir waren „Kirchenleute“, stammten aus einem Pfarrhaushalt in dem ein klares „Die da draußen“ und „wir hier drinnen“ galt. „Die da draußen“ – das war „der Staat“, vor allem der atheistische Staat, der die Kirche bekämpfte mit allen Möglichkeiten, die er hatte.
Meine Eltern waren ganz bewusst nicht „in den Westen gegangen“, als das noch einfach möglich war, vor dem Bau der Mauer 1961 also. Nein, sie blieben „im roten Osten“, weil sie hier ihre Lebensaufgabe sahen: Christ sein in unchristlichem Umfeld.
Das hat mich natürlich geprägt.
Ich war während der Diktatur, wie meine Brüder, politisch extremer Außenseiter, ich galt als „bürgerlich“, später, so sagt es die Stasi-Akte, galt ich gar als „Staatsfeind“, aber dazu kommen wir noch.
Ich gehörte nicht zu den Privilegierten und war doch sehr privilegiert: wir lernten nämlich von klein auf, was wirkliche Freiheit bedeutet. Eine Freiheit nämlich, die es auch hinter Mauern geben kann und die sehr viel mehr ist als Wahl- oder Reisefreiheit oder die Freiheit, zu kaufen, was das Portmonee erlaubt.
Es ist die Freiheit zum eigenen Weg, zum eigenen Denken und zur eigenen Überzeugung auch zu stehen. Davon wird zu reden sein.

Jetzt, dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer, nach dem politischen und wirtschaftlichen Tornado, der über das Land fegte, jetzt frage ich mich manchmal: was ist eigentlich aus denen geworden, die damals politisch Privilegierte waren? Es waren ja nicht alles „Scharfmacher“, die meisten waren Mitläufer.
Nicht wenige von ihnen haben mittlerweile eine ganz ordentliche Rente – nicht wenige Stasiopfer beispielsweise bekommen dagegen extrem wenig. Da ist es also ungerecht zugegangen. Ich komme darauf später in einem anderen Beitrag zurück.
Dann gibt es welche, die schwammen damals „oben“ und schwimmen wieder „oben“. Opportunisten. Die gehen immer nach den Mehrheiten, suchen den eigenen Vorteil und fertig ist die Weltanschauung. Die gibt’s überall, in Ost wie West.
Nicht wenige der „Bürgerrechtler“, wie man uns später bezeichnete haben sich mittlerweile enttäuscht zurückgezogen, äußern sich kaum noch öffentlich, stecken nicht selten in Erinnerungen fest. Auch davon wird zu erzählen sein.
Mir ging es anders.
Davon will ich nach und nach erzählen. Anhand von konkreten Themen und Erlebnissen. So mancher Vergleich wird dabei zu Tage treten, denn es ist ja mehr als verstehbar, dass einer wie ich, der beide Systeme gründlich kennt, auch vergleicht, sich erinnert, Schlüsse zieht, Einordnungen versucht. Es wird dabei konsequent persönlich zugehen. Denn ich kann nicht für andere sprechen. Bei einem solchen „Experiment“ schon gar nicht.

Also, ich glaube, ich nehme die Anregung der Freundin auf, will mich einlassen auf dieses Experiment, obwohl ich nicht weiß, wo es mich hinführen wird.
Wenn es gut geht, entsteht ein Gespräch.
Nicht nur eines unter denen, die auch in der Diktatur gelebt haben, sondern auch eines mit denen, die nicht wissen, was eine Diktatur ist.
Vielleicht entsteht so nach und nach ein Beitrag zum besseren wechselseitigen Verständnis. Vielleicht entsteht auf diese Weise eine Art Brücke, über die man gehen kann.  Meine Freundin, die viel gesehen hat von der Welt, sagt: es mangelt an solchen Brücken.
Vielleicht hat sie ja Recht.  Dann lasst uns also Brücken bauen und beginnen.
Die Texte werden nach und nach entstehen, ich habe im Moment noch gar keine klaren Vorstellungen, wie sich das ungeheuer viele Erinnerungsmaterial einigermaßen sortieren läßt. Wer Interesse hat, abonniert die Sache einfach und kann sich entsprechend auf dem Laufenden halten, wenn er mag.
Wenn durch dieses Experiment Begegnungen oder Gespräche möglich werden, dann ist es gut.

Egoismus kann man nicht essen

Egoismus kann man nicht essen

Status update:
Frau Merkel ist knapp zur Kanzlerin gewählt, Stephen Hawking ist gestorben, Trump kündigt seinem Außenminister per twitter und die britische Universität East Anglia veröffentlicht gemeinsam mit dem WWF eine Studie, wonach bis zum Jahre 2080 (das ist schon übermorgen) jede zweite (!) Tier- und Pflanzenart ausgestorben sein wird – wenn der Klimawandel so ungebremst weiter geht, wie gegenwärtig.

Gestern hatten sich 22 Nationale Akademien der Wissenschaften mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort gemeldet: der Klimawandel sei derart besorgniserregend, dass höchster Handlungsbedarf bestehe. Die Grundlagen des Wirtschaftens seien in Gefahr.

In diesem Februar ist der Nordpolarwirbel zusammengebrochen, was dazu führt, dass extreme Kälte-Einbrüche bis tief nach Europa vordringen können. Der Nordpolarwirbel ist stark, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Nordpol und Äquator hoch sind. Wird es aber warm am Nordpol, schwindet der Temperaturunterschied und der Wirbel wird schwächer und kann die extreme Kaltluft nicht mehr im Norden halten – es wird kälter im Norden Europas.
Klimaforscher, insbesondere Eis-Spezialisten hatten in den zurückliegenden Tagen vielfach auf die Katastrophe am Nordpol hingewiesen. Es ist extrem warm dort, das Winter-Eis war nie so gering wie in diesem Winter.

Das IPCC wird dreißig Jahre. Seit dreißig Jahren dokumentiert diese Welt-Agentur das Versagen der Politik in Sachen Klimawandel. Trotz aller Konferenzen und Papiere steigen die Emissionen, nehmen die Schäden dramatisch zu.

Je länger ich diese Entwicklungen wahrnehme und beobachte, um so klarer frage ich mich, ob es noch gelingen kann, den Klimawandel zu mildern.
Im Moment deutet rein gar nichts darauf hin.
China investiert zwar sehr viel in Erneuerbare Energien, schickt sogar die Armee zum Aufforsten, Ägypten beginnt die größte Solaranlage der Welt zu bauen – die Erneuerbaren treten ihren Siegeszug an – aber die Emissionen sinken dennoch nicht. Weiterhin wird viel zu viel mit Kohle, Öl und Gas gearbeitet. Der auftauende Permafrost setzt zusätzlich Methan frei. Der Klimawandel ist in einem Stadium angekommen, in dem wesentliche Kipp-Punkte bereits überschritten sind – eine sich selbst verstärkende Entwicklung ist in Gang gekommen.

Es deutet im Moment rein gar nichts darauf hin, dass „die Politik“, also UNO, große Nationalstaaten und Bündnisse wie die Europäische Union eines ist, in der Lage wären, die größte Herausforderung des Jahrhunderts auch nur in Ansätzen adäquat zu lösen. Man agiert viel zu unentschieden, vertagt in Komissionen (so wie in Deutschland der dringend notwendige Kohle-Ausstieg in Komissionen verschoben wurde), entscheidet nichts – und die Temperaturen steigen weiter.

Die Institute warnen. Große Nationale Akademien und ihre Zusammenschlüsse warnen. Die Messwerte sind völlig eindeutig.
Aber die Politik ist gelähmt.

Professor Hans-Joachim Schellnhuber fragt am Ende seines enormen Buches „Selbstverbrennung“ nach der Hoffnung.
Die lässt sich nur sehr schwer begründen. Es gibt allerdings zaghafte Lichter am finsteren Horizont: die weltweite Divest-Bewegung macht Fortschritte, überall gründen sich Netzwerke wie Fuer-unsere-Enkel. org oder 350.org oder The Elders. Die Zivilgesellschaft organisiert sich.

Nur: die entscheidende Frage ist die nach der menschlichen Aggressivität, da hat Stephen Hawking völlig Recht.
Wenn es uns nicht gelingt, die menschliche Aggressivität und den menschlichen Egoismus zu überwinden, dann hat die Menschheit keine Chance, so seine Mahnung.
Denn, wenn jede zweite Art bei Pflanzen und auch bei Tieren in etwa 60 Jahren ausgestorben sein wird, dann wird man sehen: Egoismus kann man nicht essen.

„Selbsternannte Umweltschützer“. Etwas von der Sprache

„Selbsternannte Umweltschützer“. Etwas von der Sprache

Es handelt sich um ein Schimpfwort. So jedenfalls ist es gedacht.
„Selbsternannt“ ist jemand, der kein Mandat hat.
Das ist jemand, der nicht befugt ist; einer, der sich etwas anmaßt.
Ein „selbsternannter Umweltschützer“ ist also jemand, der sich anmaßt, die Umwelt zu schützen.
Das ist einer, der nicht befugt ist, die Umwelt zu schützen.
Das ist einer, der kein Mandat hat, die Umwelt zu schützen.

Das ist der Sinn der abfällig gemeinten Rede vom „selbsternannten Umweltschützer“.
Diese Rede wird von Menschen vorgetragen, denen unbequem ist, was diese „selbsternannten Umweltschützer“ vortragen.
Es dient der eigenen Abwehr.

Wenn diese „selbsternannten Umweltschützer“ zum Beispiel verlangen – und sie verlangen es weltweit, sie verlangen es in den Kirchen und in den Parteien, sie verlangen es in Parlamenten und außerhalb von Parlamenten, sie verlangen es auf Straßen und Plätzen dieser Welt – wenn sie also verlangen: „hört mit der Verstromung von Braunkohle endlich auf! Braunkohle ist die fossile Energiequelle mit den meisten CO2-Emissionen und deshalb besonders schädlich für unser Klima!“
Dann ärgert solche Rede selbstverständlich jemanden, der zum Beispiel mit der Braunkohle sein Geld verdient.

Es handelt sich also um einen Konflikt. Es handelt sich um gegensätzliche Interessen.
Der eine will in Ruhe sein Geld verdienen.
Der andere will, dass die Naturzerstörung weniger wird.

Der eine weist darauf hin, dass die Nutzung der fossilen Energieträger in den zurückliegenden 200 Jahren einerseits gesellschaftlichen Reichtum erzeugt, andererseits aber auch die Stabilität des Klimas zerstört hat – was katastrophale Folgen vor allem für die Menschen hat und haben wird.
Der andere erkennt, dass er auf verlorenem Posten steht, wenn er weiter an der Kohleverstromung festhält und er geht zum Angriff über:
ihr Umweltschützer, ihr seid ja nur „selbsternannt“. Ihr habt kein Mandat. Ihr dürft das gar nicht tun, was ihr tut. So geht seine Rede.

Das ist eine sinnlose Rede. Denn natürlich hat jeder, der sich für den Schutz der Umwelt einsetzt ein Mandat.
Und das ergibt sich zunächst aus seinem Gewissen.

„Wir dürfen unser Gewissen nicht länger betrügen, wenn es um Entscheidungen über die Umwelt geht“ sagt die Enzyklika „Laudato Si“ deshalb völlig zu Recht.

Ein zweites tritt hinzu: Wer sich den biblischen Texten verpflichtet weiß – und das sind weit über eine Milliarde Menschen auf der Welt – , der kennt einen der ältesten Texte unserer Tradition. Der handelt vom Menschen. Vom Menschen wird gesagt, er sei auf dieser Welt „wie in einen Garten gesetzt“. Und seine Aufgabe in diesem Garten bestehe darin, „ihn zu pflegen und zu bewahren.“ (Genesis 2).

Daraus ergibt sich ein zwingendes Mandat.
Uns gehört diese Erde nicht.
Aber sie ist uns anvertraut.
Damit wir sie pflegen und bewahren.

Und zwar für diejenigen, die nach uns kommen. Und das ist der dritte Bezug, der zum Auftrag führt, sich um den Schutz der natürlichen Grundlagen des Lebens zu kümmern. Es geht um das Recht der Kinder und Enkel.
Wir haben kein Recht, die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel zu zerstören. Dafür hat niemand ein Mandat.

Deshalb muss es ein schnelles Ende haben mit der energetischen Nutzung fossilen Energieträger, zu allererst der Braunkohle.

Denn diejenigen, die das Klima weiter zerstören, die haben dafür nun wirklich kein Mandat.

Was wollen wir unseren Kindern eigentlich vererben? Überlegungen eines Älteren


Karneval. Nicht nur in Köln. Auch bei der SPD. Wir sind im Februar des Jahres 2018. Berlin macht einen durch und durch närrischen Eindruck. Eine Regierung gibt es noch nicht, obwohl schon im September gewählt wurde. Jetzt ist Februar. Es gibt einen Vertragsentwurf, alles andre ist unklar. Insbesondere das Personal. Man verzettelt sich im Klein Klein, streitet, gerät sich in die Haare, sägt sich gegenseitig den Stuhl weg.
Nirgends ist mehr eine große Linie zu erkennen; nirgends ist jemand zu sehen, der in der Lage wäre, diesen Hühnerhof zur Ordnung zu bringen; nirgends ist jemand zu sehen, der in der Lage wäre, sich um die wirklich zentralen Herausforderungen so zu kümmern, dass wir uns einer Lösung wenigstens annähern könnten.
Die Berliner Republik macht auf mich in diesen frühen Tagen des Jahres 2018 den Eindruck, als sei nun auch der letzte Hopfen und das letzte Malz verloren gegangen.
Was soll man mit diesem politischen Durcheinander noch Sinnvolles anfangen?

Seit Anfang Januar betrachte ich mir das Getümmel aus noch größerem Abstand. Seit Anfang Januar kann ich mich nun völlig frei von beruflichen Verpflichtungen um das Thema kümmern, das mir schon seit langen Jahren wirklich am Herzen liegt. Ich tue das als junger Pensionär, die mit grade mal 60 Jahren seine Lebenszeit dafür verwenden will, seinen Beitrag zur Lösung des wichtigsten Problems unseres Jahrhunderts zu leisten.

Die Zeit drängt. Die Nachrichten aus aller Welt werden immer bedrohlicher, der Zustand der Natur verschlechtert sich dramatisch.

Nehmen wir nur ein paar wenige, völlig willkürlich gegriffene Zeitungsmeldungen unserer Tage:
1. amerikanische Atomwissenschaftler stellen die Uhr zum „Doomsday“ auf 2 Minuten vor 12. Die weltweiten Gefahren hätten zugenommen. Insbesondere sei die Gefahr eines Atomkrieges gestiegen und der Klimawandel habe sich weiter beschleunigt. Die „doomsday clock“ misst seit 1947 den Abstand zum Weltuntergang…..

2. In zwanzig Jahren wird es keinen Skitourismus in den Alpen mehr geben, lese ich in einer österreichischen Zeitung. Man wird ihn mit künstlicher Beschneiung vielleicht noch etwa 15 Jahre aufrecht erhalten können – danach ist Schluss.

3. die Meere haben sich dramatisch erwärmt. Die Folge: sie können weniger CO2-speichern als früher. Der Klimawandel beschleunigt sich weiter.

4. die nicht nur russischen Tundraböden tauen auf und setzen nicht nur Methan, sondern auch Millionen Tonnen von Quecksilber frei……

Ich könnte solche Meldungen, wie man sie Anfang des Jahres 2018 oft in den Zeitungen lesen kann, noch lange weiterführen.

Was aber würde sich dadurch verändern? Wenig.
Die Menschen sind mit ihrem Alltag und mit den alltäglichen Aufregern beschäftigt. Um Klimawandel sollen sich mal „die Grünen“ kümmern.

Ich kann so nicht denken. So konnte ich noch nie denken. Mein Denken war immer von der Frage bestimmt, wozu wir in Verantwortung für die kommenden Generationen gerufen sind. Wenn wir nur an uns und unsere Generation denken würden, dann dürften wir in den Tag hinein leben.
Nach uns kommen aber auch noch welche.
Unsere Kinder. Und deren Kinder.

Was für einen Planeten wollen wir unseren Nachkommen eigentlich vererben?
Einen Plastik-Müllplatz?
Leergefischte Meere?
Ein völlig verändertes Klima? Wir haben mit 410 gemessenen ppm mittlerweile eine Atmosphäre, die es zuletzt vor 6 Millionen Jahren gegeben hat.
Unser Körper kennt eine solche Atmosphäre nicht.
Ist das unsere Erbschaft, die wir an Kinder und Enkel weitergeben!?

Ich kann und will das nicht akzeptieren. Deshalb unterstütze ich Netzwerke wie The Elders (gegründet von Kofi Annan) und 350.org (gegründet von Bill McKibben, dem Träger des Alternativen Nobelpreises). Deshalb unterstützte ich Gruppen wie fossil free und #Divest.
Und deshalb gibt es nun das Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org.

Sollen sie Karneval feiern.
Sollen sie immer verrückter werden mit ihrem unprofessionellen politischen Agieren.
Sollen sie sich gegenseitig lähmen mit ihrem kurzfristigen Denken.

Ich gönne mir den Abstand.
Und ich kümmere mich – gemeinsam mit mittlerweile vielen Menschen – um „Fuer-unsere-Enkel.org„.
Wer sich daran beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.

Für unsere Enkel. Wie geht es 2018 weiter mit dem Netzwerk?

Für unsere Enkel. Wie geht es 2018 weiter mit dem Netzwerk?

Das Jahresende 2017 ist von gegensätzlichen Trends bestimmt:
Einerseits hatten wir in Deutschland den höchsten Anteil Erneuerbarer Energien im Strommix,
andererseits erreicht Deutschland sein Klimaziel 2020 nicht, wenn es in diesem langsamen Tempo weitermacht.

Einerseits wuchsen die Schäden durch klimabedingte Naturkatastrophen weltweit rasant (die Schweizer Rückversicherung spricht von einer Verdoppelung gegenüber 2016)
andererseits erreichte die weltweite #Divest-Bewegung starke neue Unterstützung. Im Dezember 2017 teilte die Weltbank mit, man werde ab 2019 nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren und New York teilte mit, es werde 200 Milliarden seiner Pensions-Rückstellungen aus den Fossilen Energien abziehen. Ein gewaltiger Schritt.

Einerseits steigen die Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz weltweit (insbesondere in China. Dort will man Weltmarktführer werden)
Andererseits genügen die Klimaschutzmaßnahmen weltweit bei weitem nicht. Bei dem bisherigen Tempo haben wir in 70 Jahren plus 4 oder mehr Grad Durchschnittstemperatur – das wäre katastrophal.

Einerseits ist unser Netzwerk Für-unsere-Enkel.org sehr gut gestartet (erst im Herbst 2017 ging es los). Unsere Arbeit auf facebook ist gut in Gang gekommen. Auch die facebook-Gruppen sind aktiv.
Andererseits sind noch die allermeisten Kommunen in Deutschland ohne #Divestment. Sie investieren also immer noch in eine Beschleunigung des Klimawandels, statt ihn zu bekämpfen.

Unsere Pläne für 2018 sollen angesichts dieses Befundes realistisch und erreichbar bleiben.
Ich wäre sehr zufrieden, wenn wir am Ende des Jahres 2018
1. in jedem Bundesland eine wirklich gut arbeitende Gruppe für unser Netzwerk hätten.
2. in jeder Landeshauptstadt mindestens eine kleine Redaktionsgruppe für unser Netzwerk arbeiten würde.
3. Möglichst in jedem Landkreis mindestens ein Redakteur für unser Netzwerk tätig wäre.
Das Ziel ist klar:
Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Bundesländer, die Kommunen, die Landkreise, die Kirchen, die Gewerkschaften, die großen und kleinen Verbände und Stiftungen Schritt für Schritt (es dürfen ruhig schnelle und große Schritte sein) ihr Geld aus den Fossilen Energien abziehen.

Die jungen Leute alleine werden diese große Aufgabe nicht schaffen.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Ein Anfang ist gemacht. Daran lässt sich anknüpfen im Jahre 2018.
Jede und jeder, der sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.