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Rosen aus Afghanistan – etwas über Wirtschaftsförderung


Ein kleiner Artikel über den ersten Stand Afghanistans auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin brachte mich auf die Idee, über Wirtschaftsförderung zu schreiben.
Es sind die Bilder im Kopf, die uns verwirren: Bilder von Bomben, von Krieg, von Entwicklunghilfe a la Schulbau (der wichtig ist!). Ziviler Aufbau bedeutet jedoch eigentlich: Handeln auf gleicher Augenhöhe.
Wer den Handel mit Afghanistan fördert, fördert das Land.
“Rosen statt Heroin” oder “Der Krieg der Blumen” wie in diesem wunderbar erzählten Beitrag vom “Tagesspiegel” aus dem Jahr 2008 zu lesen steht. Rosen gegen Mohn. In Ost-Afghanistan. Mitten im Taliban-Land.
Ein Liter Rosenöl ist sehr wertvoll: etwa 6.000 Dollar, vielleicht sogar mehr.
Hier der Film dazu

Nun also gibt es eine deutsch-afghanische Firma, die auch Rosenöl verkauft. Ein ehemaliger Mitarbeiter der GTZ und seine Frau haben die Idee aufgegriffen.
Ich bin mit dem Gedanken infiziert und mache mich weiter auf die Suche. Und finde eine weitere Firma, die fair gehandelte Ledertaschen aus Afghanistan vertreibt.

Wirtschaftsförderung ist ein mühsames Geschäft. Denn die eigentlich gehandelte Ware ist Vertrauen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war gemeinsam mit “German Trade&Invest” viel im Ausland unterwegs, um ausländische Investoren für Deutschland zu gewinnen. Ich hatte als Repräsentant der deutschen Regierung die Rolle des “Türöffners” und “key note speakers”. Zuletzt war ich in Tokio, Hongkong und Seoul, in jenen gewaltigen Mega-Städten Asiens.
Etwa sieben Jahre braucht man als Unternehmer, bevor man wirklich in einem ausländischen Markt “angekommen” ist. Deshalb wundert es mich nicht, daß das Rosenprojekt mit ersten Erkundungen schon vor 13 Jahren begonnen hat. Und nun erste Früchte trägt.
Das “Rosenprojekt” der Welthungerhilfe ist ganz sicher ein “Vorzeigeprojekt”. Und, daß es nun sogar auf der weltgrößten Ernährungsgütermesse, der Grünen Woche, angekommen ist, zeigt eben den “Vorzeigecharakter”. Es ist ein sehr sehr langer Weg bis dorthin. Recherche vor Ort. Dann einen “Projektleiter” finden, nicht selten von einer non-governmental-Organisation (NGO), dann Partner im Land finden. Die Produktion aufbauen. Den Vertrieb aufbauen, Kunden gewinnen. Messen besuchen. Dafür braucht man Partner.
Deshalb ist nach Strukturen zu fragen.
Wer fördert den Handel mit Afghanistan?
Ich recherchiere weiter.
Und finde: den Peace Dividend Trust, der auch in Afghanistan daran arbeitet, Produzenten, Händler und Kunden zusammenzubringen. Selbst eine nicht-staatliche Organisation mit Unterstützung der UNO.
Etwa 6.000 afghanische Firmen sind dort registriert und können über die Website ihre Kontakte beginnen.
Die afghanische Exportpromotionsagentur hilft, so gut sie kann und vermittelt Kontakte zum Exportministerium und zu Firmen. Man sieht an der Website, daß die Afghanen sich um die großen Messen in Schanghai (Weltausstellung 2010), Berlin (Grüne Woche 2011) und Moskau kümmern. Was richtig ist.
Interessant ist das “deutsch-afghanische Netzwerk” an der deutschen Botschaft in Kabul. Es ist neu (Herbst 2010) und wird von einem erfahrenen GTZ-Mitarbeiter betreut.

Die Außenhandelskammern Deutschlands sind ein überaus schlagkräftiges Netzwerk, jedoch leider noch nicht in Afghanistan mit einem eigenen Büro vertreten. Aber die AHK-Büros in Asien verfügen sicher über wertvolle Kontakte auch nach Afghanistan.

Wie sind die Strukturen in Deutschland?
BMZ, GTZ, Auswärtiges Amt. Gut. Und wichtig.
Dann: einzelne Geschäfte, die faire trade Produkte handeln, wie wir oben gesehen haben.
Wer edle afghanische Teppiche mag, und gleichzeitig darauf achtet, daß sie nicht in Kinderarbeit hergestellt werden, ist hier richtig:
Ganz sicher hilft auch die deutsch-afghanische Initiative weiter, ein Netzwerk zwischen Deutschen und Afghanen, die gemeinsam am zivilen Aufbau des Landes arbeiten.

Eine Rose hat mich drauf gebracht.
Auf das wichtige Thema Wirtschaftsförderung.

Ich staune immer wieder, was in den Dingen verborgen ist ……

Warum eigentlich einen Kredit?


Man könnte das Geld auch schenken. Für eine Sache. Einen Brunnen, eine Schule, eine Solaranlage; etwas Saatgut; ein paar Schulhefte; eine Ausbildung.

Richtig. Und auch gut.
Aber: soetwas ist nicht “auf gleicher Augenhöhe”. Geschenke haben in solchen Fällen auch etwas Beschämendes: sieh, ich bin reicher als du und ich gebe dir davon. – das erniedrigt manchmal auch den Beschenkten.
Dennoch: solche Spenden sind wichtig.
Weshalb also einen Mikrokredit?

Weil es um die Achtung geht.
Helfen auf gleicher Augenhöhe.
So hat es angefangen.
Ein Unternehmer liess sich in Indien die Schuhe putzen vor einem Meeting.
Der Schuhputzer sagte: “Wenn ich ein paar Dollar hätte, könnte ich mir eine kleine technische Verbesserung leisten, die mir die Arbeit erleichtern könnte. Könnten Sie mir das Geld geben?”
Der Unternehmer sagte: “Ja, aber du gibst es mir zurück. Wenn du es mit dieser Verbesserung wieder verdient hast.”
Nun arbeiten die Mikrokreditorganisationen ähnlich: man gibt Geld, einen winzigen Kredit, damit ein “Unternehmer” etwas anschaffen kann, das er für sein Kleinunternehmen benötigt, aber nicht finanzieren kann: Saatgut, eine Nähmaschine, Schulhefte, ein etwas größeres Sortiment im Laden etc. pp.

Bei Opportunity International und seinen etwa 2 Millionen Klienten ist es so: Opportunity gibt einen Mikrokredit (finanziert aus deutschem Spendengeld) – an eine Gruppe von Kleinunternehmern. Die entscheidet, wer aus der Gruppe den Kredit bekommt. Und: sie bürgt für ihn.
Das Geld fließt nicht an Opportunity zurück, sondern an die Kreditnehmergruppe, die nun einen neuen Kredit vergeben kann.
Das Ziel: Die Gruppe finanziert sich selbst.
Dies ist nach mühevoller, manchmal jahrelanger Aufbauarbeit auch zu leisten. Opportunity kann es in seinen Projekten zeigen: die Arbeit trägt sich selbst.
Geld, das einmal gegeben wurde, wird immer und immer wieder eingesetzt. Denn der Kredit geht ja an die Gruppe zurück.
Nun geht es aber schon lange nicht mehr nur um einen kredit, sondern: es geht um Ausbildung. Zu jedem Kredit gehören Seminare, Schulungen, z.B. darüber, dass Gesundheitsvorsorge wichtig ist (AIDS); darüber, daß es sinnvoll ist, etwas anzusparen etc.
Solche Schulungen kosten zusätzliches Geld.
Das wird aber nicht aus dem Kreditgeld genommen, sondern aus dem kleinen Zins, mit dem der Kredit belastet wird.
Dieser Zins ermöglicht es der Kreditnehmergruppe, auch die notwendigen Schulungen zur Betreuung der Kreditnehmer zu finanzieren.
Opportunity kann nun nach jahrelanger Arbeit zeigen: unsere Gruppen tragen sich auf diese Weise selbst.
“Frisches” Spendengeld aus Deutschland kann deshalb für neue Projekte eingesetzt werden. Die Arbeit wächst.
Das “frische” Spendengeld muss nicht verwendet werden, um die Ausbildungs- und Trainingskosten zu finanzieren (overhead-kosten).
Weil das so ist, sind Menschen in Deutschland, in der Schweiz, in USA, England, Australien und anderen Ländern bereit, ihr Geld Opportunity anzuvertrauen.
Ein Unternehmer, der grade eine Großspende gegeben hatte meinte:
“Das gebe ich gern. Ich gebe einmal. Einen ordentlichen Betrag. Und ich weiß, in welches Projekt das Geld geht. Ihr berichtet mir regelmäßig von der Unternehmergruppe, der es hilft. Und ich weiß, daß mit meinem Geld mehrfach geholfen werden kann. Das hat mich überzeugt.”

Aber nicht nur einzelne Unternehmer denken so, sondern auch Mitarbeiter in Unternehmen. Heute hat Opportunity eine Firma mit dem Stifter-Preis geehrt, die aus Spenden ihrer Mitarbeiter für unsere Arbeit 350.000 Euro zusammengetragen hatte….4.000 Mitarbeiter hatten sich daran beteiligt. Etliche darunter, die ein ganzes Monatsgehalt gegeben haben.

Aus gutem Grund.

Einmal gegeben: und immer wieder kehrt das Geld in die Kreditgruppe zurück und kann neu eingesetzt werden. Mit diesem Geld dieser Mitarbeiter konnte Opportunity über 3.000 Familien helfen. Chancen geben. Oppotunities.

Morgen mehr dazu. http://www.oid.org

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