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Die andern geben’s aus – wir sammeln ein. Ein Tag in Bielefeld


Wo liegt eigentlich Bielefeld?
Heute liegts im Zentrum der Welt, sag ich mal. Denn das Büro der deutschen Sektion von Opportunity International befindet sich in Bielefeld. In der Ritterstraße.

Als ich heute morgen in Berlin aufbrach, um den CEO von OI in Deutschland, Stefan Knüppel zu besuchen, habe ich die Fahrt im Zug durch blühende Rapsfelder sehr genossen.
Ich bin früher oft diese Strecke gefahren, wenn ich nach Bonn in den Bundestag mußte.
Bilder aus zurückliegenden Zeiten waren wieder da, Erinnerungen an Präsidenten, Abgeordnete, Kanzler und Minister.

Heute war es anders.
Heute bin ich nicht in Bonn, sondern in Bielefeld ausgestiegen.
Stefan stand am Bahnhof und wir fuhren mit Mieträdern 10 Minuten zum Büro.
Das Netbook nebst Kamera und Stativ auf dem Rücken.

Ein wenig verrückt sind wir schon.
Während im Parlament über 450 Milliarden Euro Staatsgarantien im reichen Europa verhandelt wird, planen wir etwas völlig andres.
Wir wollen Banken gründen.
Nein, nicht solche, wie wir sie in Deutschland kennen.
Nicht solche.
Sondern Mikrobanken.
Mikrobanken setzt man ein, um den Menschen auf der Welt, die auf einer “normalen Bank” niemals Zugang zu Kapital bekommen würden, weil sie nichts haben als Garantie oder “Sicherheit”, ein wenig Geld zur Verfügung zu stellen, damit sie ein winziges Unternehmen gründen können.
Microkredite.
Durchschnittlich 160 Euro pro Kreditnehmer.
Er (meist ist es eine “sie”) bekommt das Geld, investiert es – zum Beispiel in eine Nähmaschine.
Und von dem verdienten Geld zahlt sie den Kredit nebst einem kleinen Zins an die Microbank zurück.
Dann wird das Geld erneut eingesetzt.
Entweder für einen anderen Kreditnehmer, oder zur Vergrößerung des “Geschäfts”.

Dieses Konzept ist überaus erfolgreich.
Opportunity International hat mittlerweile etwa 400 Millionen US Dollar in seinem Microbanken “im Umlauf”.
Mehr als 1,6 Millionen Menschen bekommen auf diesem Wege Unterstützung.

Wir geben keine Almosen, sondern wir wollen Chancen ermöglichen.
Die Mikrokreditbewegung ist 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
Der “Vater” der Bewegung, Prof. Yunus aus Bangladesh, hat ihn in Empfang genommen. Er sagte in seiner Rede, daß er den Preis auch “in Namen der vielen Gruppen” in Empfang nehme, die sich um diese wichtige Arbeit bemühen.

Da sitzen wir nun also im kleinen Team von OI Deutschland in der Ritterstraße in Bielefeld und überlegen, wie wir eine Kampagne für 100 neue Mikrobanken für Afrika auf die Beine stellen könnten.
Das Ziel ist anspruchsvoll, denn zur Gründung einer “microbank” braucht man ca. 5.000 Euro.
Wir reden also über eine halbe Million.
“Naja”, denk ich mir, “wenn die andern über 450 Milliarden sprechen, dann sprechen wir eben über 500.000″.
Das Ziel ist ambitioniert. Aber es gibt Möglichkeiten.

Wir sprechen über die Chancen des Internets. Wir werten die zurückliegende Kampagne “100 Microschools” aus, die sehr erfolgreich war.
Auch die Aktion “D-Mark-Dedektive”, bei der zahlreiche Schülergruppen nach noch vorhandenem D-Mark-Geld fahndeten und es in Euro zugunsten von opportunity umtauschten, was sehr erfolgreich und hat viele junge Menschen mobilisiert.

Diese Erfahrungen wollen wir nun erweitern durch die Chancen des Web 2.0.
Deshalb nehme ich am Ende unserer Gespräche ein kleines Video auf.
Die Handycam und das Stativ hab ich mitgebracht, damit die Qualität auch einigermaßen “stimmt” und die Bilder nicht “wackeln”.
Dann, am Abend, nach der Rückkehr, setzt ich mich schnell an den PC, lade das Video von der Kamera auf den Rechner, schneide, mache eine kleine Textüberblendung – und lade es auf das Youtube-Konto hoch, das ich für das Projekt “100 Microbanken für Afrika” eingerichtet habe.

Nach wenigen Minuten “steht es im Netz” und unserer Arbeit zur Verfügung.
Ein kleiner technischer Fehler hat sich eingeschlichen, ein Standbild von 3 Sekunden, aber: es funktioniert.

Die Mittel sind einfach, die wir einsetzen.
Unser eigentliches Kapital sind die Menschen, die verstanden haben, um was es im Kern geht.
Es geht darum, die Spaltung zwischen reicher und armer Welt zu bekämpfen.
Wir wollen “einen Stein in den Strom werfen”.
Wir wollen den Menschen eine Perspektive geben, denen “normale Banken” keine gewähren.
Wir wollen die Chance geben, daß sie “die unterste Sprosse der Leiter” ergreifen können (Jeffrey Sachs), um dann allein weiter zu gehen.

Den Sommer haben wir uns vorgenommen, um das feintuning der Kampagne zu machen. Da ist noch viel Arbeit.
Im November beim Stiftungstag in Dresden, bei der viel Politiprominenz und Fachleute anwesend sein werden, wollen wir auf das Projekt aufmerksam machen.
Im Netz beginnen wir jetzt schon damit.
Facebook, Twitter, YouTube, ein blog.

Und der Kreis der Unterstützer wächst.

Ich fühl mich wohl dabei.
Und es macht Freude.

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